Im Wandel: Anleihenmärkte 2026

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Schwächere Fundamentaldaten, aber geringere Unsicherheit könnten das «Armageddon-Risiko» bei Anleihen verringern, doch die Volatilität wird anhalten

Die Weltwirtschaft ist nicht gleichzusetzen mit der US-Wirtschaft. Unter Marktteilnehmenden herrscht jedoch die weitverbreitete Auffassung, dass die Fähigkeit der US-Wirtschaft, sowohl rasch zu fallen als auch sich schnell zu erholen, bei globalen Prognosen besondere Aufmerksamkeit erfordert. In der Vergangenheit haben wir bereits darauf hingewiesen, dass die US-Dominanz abnimmt und insbesondere die Schwellenländer es geschafft haben, Herausforderungen der US-Wirtschaft zu umgehen – teilweise haben sie sogar davon profitiert.

Im Verlauf des Jahres 2025 blieb die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA hartnäckig hoch. Auch zum Jahresende hin bestätigen die aktuellen Daten diese Einschätzung. Tatsächlich scheinen wir das Jahr 2025 in einer leicht negativeren Ausgangslage zu beenden als zu Beginn des Jahres.

Dennoch sind wir der Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit eines katastrophalen Einbruchs gesunken ist. Anders ausgedrückt: Während der Schnitt aller Prognosen negativer ausfällt, ist die Bandbreite der Wahrscheinlichkeiten enger geworden. Für Anleiheninvestoren bewerten wir dies insgesamt als positive Entwicklung, die weiterhin starke Zuflüsse in Anleihen unterstützt.

Anleiheninvestoren messen kleineren wirtschaftlichen Schwankungen in der Regel weniger Bedeutung bei, da unser Fokus auf Ausfallrisiken und Kreditzyklen liegt. Sollte es an den Aktienmärkten zu Abverkäufen kommen, ziehen Anleihen in der Regel nach – allerdings bieten die Renditen einen gewissen Schutz. Was uns jedoch wirklich Sorgen bereitet, ist ein neuer Kreditzyklus.

Wir haben bereits zuvor über die Stärke der Fundamentaldaten bei Anleihen berichtet. Sowohl Konsumenten als auch Unternehmen sind deutlich weniger verschuldet, als es angesichts des aktuellen Stands im Kreditzyklus zu erwarten wäre. In letzter Zeit beobachten wir zudem sehr genau einen weiteren Faktor, der typischerweise in Abwesenheit einer Marktbereinigung auftritt: die sogenannte «Compression».

Dieser Effekt ist die natürliche Folge, wenn Investoren sich weiter entlang des Risikospektrums bewegen, um die letzten Renditechancen aus den Märkten herauszuholen. Im Verlauf des Jahres 2025 konnten wir für diesen Trend eindeutig Anzeichen beobachten. Investoren haben ihre Cash-Bestände schrittweise reduziert, Gelder aus Geldmarktfonds in klassische Anleiheninstrumente umgeschichtet und sogar Mittel verstärkt in Schwellenländeranleihen investiert.

Gleichwohl gibt es einige Bereiche, die zur Vorsicht mahnen. Die jüngste Phase der Unsicherheit im Bereich Private Credit hat bei Investoren in niedrig bewerteten Segmenten die Alarmglocken läuten lassen. Im Financials-Sektor beobachten wir nach wie vor eingepreiste Risikoprämien bei nachrangigen Anleihen.

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Wieder einmal kommen wir zu dem Schluss, dass die Spreads am Anleihenmarkt zwar zweifellos eng sind, die beunruhigende Irrationalität, die verzweifelte Jagd nach Rendite und der zunehmende Leverage jedoch noch nicht das Niveau eines ausgeprägten Optimismus erreicht haben, der Bären unter uns in Versuchung bringen würde. Eine bemerkenswerte Ausnahme von diesem Gesamtbild sind Neuemissionen, bei denen die Nachfrage weiterhin robust bleibt. Emissionsabteilungen haben jedenfalls keine Schwierigkeiten, Transaktionen erfolgreich abzuschliessen – vielleicht bestätigt diese Ausnahme die Regel.

Nach der Lektüre all dieser Punkte könnte man durchaus erwarten, dass die Risikobereitschaft für Anleihenmärkte höher ausfällt. Tatsächlich wäre unsere Bewertung auch höher, wenn Anleihenmärkte isoliert betrachtet würden – möglicherweise wäre sogar eine sehr optimistische +3 angebracht. Doch wir agieren nicht im luftleeren Raum und haben unsere Risikobereitschaft auf dem Wert 2 belassen. Zwar zeigen unsere Analysen nicht, dass Anleihenmärkte aktuell «überdehnt» sind, allerdings ist offensichtlich, dass andere Anlageklassen zunehmend diesen Eindruck vermitteln.

Ein kürzliches Gespräch mit einem ehemaligen Kollegen war sehr beruhigend. Vor dem Gespräch hatte ich Bedenken, dass meine Prognose, 2026 werde weiterhin volatil bleiben, möglicherweise völlig falsch sein könnte und wir stattdessen vor einer Phase relativer Ruhe stehen. Doch dann wies mein ehemaliger Kollege darauf hin, dass die aktuellen Preise für Gold und Kryptowährungen ein deutliches Zeichen dafür sind, dass sich Investoren ausgesprochen pessimistisch zeigen. Seiner Ansicht nach bedeutet dies fast zwangsläufig, dass US-Aktienmärkte «dramatisch unterbewertet» sind. Anschliessend brachte er mich zum Schmunzeln, indem er betonte, dass Kryptowährungen als Anlageklasse am meisten unterbewertet seien. An diesem Punkt gab ich ihm herzlich die Hand und wünschte ihm alles Gute für 2026. Es versteht sich von selbst, dass mein Vertrauen in eine volatile Entwicklung ab 2026 nun vollauf wiederhergestellt ist.

 

Wichtige Beobachtungen:

  • Es gibt deutliche Anzeichen für Blasenbildungen bei Risikoanlagen ausserhalb von Anleihen.
  • Die US-Notenbank steht vor einer äusserst anspruchsvollen Aufgabe.
  • Während die geopolitischen und makroökonomischen Störfaktoren auf dem Weg zu den Zwischenwahlen in den USA geringer ausfallen könnten, bleibt das Risiko unvorhersehbarer Ereignisse bestehen.

Wir bleiben weiterhin vorsichtig, aber flexibel. 2025 war eines der erfreulichsten Jahre für mich als Anleiheninvestor und 2026 entwickelt sich zu einem weiteren starken Jahr für aktive Portfoliomanager.

 

 

 

 

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