Steht uns das goldene Zeitalter der Qualitätsanlagen bevor?

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Kurz und bündig

  • Qualitätsanlagen setzen auf die Auswahl von Qualitätsunternehmen mit starken finanziellen Fundamentaldaten und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. Diese Anlagestrategie bietet das Potenzial für kontinuierliche, stärker risikobereinigte Renditen.
  • Qualitätsanlagen können in konjunkturellen Tiefphasen gute Ergebnisse erzielen, in Hochphasen Stabilität bieten und vor Inflation schützen.
  • Zwar können Bewertungen und Zinsschwankungen die kurzfristige Performance beeinträchtigen, doch die langfristige Ausrichtung auf finanzielle Stabilität und nachhaltiges Wachstum macht Qualitätsanlagen zu einer attraktiven Wahl für Anleger, die ihr Portfolio resilienter gestalten möchten.

«Es ist weitaus besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein faires Unternehmen zu einem wunderbaren Preis.» Warren Buffets berühmtes Zitat aus seinem Brief an die Aktionäre aus dem Jahr 1989 bringt das Wesen des Investierens in Qualität auf den Punkt. Diese Anlagestrategie setzt auf profitable Qualitätsunternehmen mit soliden finanziellen Fundamentaldaten, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und dem Potenzial für anhaltendes Gewinnwachstum.

 

Die Weltwirtschaft befindet sich nach einem Jahrzehnt soliden Wachstums in einem für Inflation und geopolitische Risiken anfälligen Zustand. Die Zeit während und nach der Pandemie, der Krieg in der Ukraine und der neueste Konflikt in Nahost haben dies verdeutlicht. Die unsicheren Marktbedingungen dürften unserer Meinung nach anhalten. Deshalb sind wir überzeugt, dass jetzt das goldene Zeitalter des Investierens in Qualität beginnt.

Es kann dauern, bis sich konjunkturelle Unsicherheit in den Unternehmensgewinnen niederschlägt. Genau dann kommen die Stabilität und Widerstandskraft zum Tragen, die beim Investieren in Qualität zählen. Daraus erwächst die Chance, Verlustrisiken abzumildern und vom Mehrwert zu profitieren, den grundsolide Unternehmen langfristig schaffen können. Investieren in Qualität fokussiert auf Unternehmen mit stabilen Bilanzen, verlässlichen Gewinnen und soliden Cashflows mit dem Ziel, krisenresistente Portfolios aufzubauen, welche die Konjunkturzyklen gut überstehen und attraktive risikoadjustierte Renditen erlangen.

Aber was bedeutet Investieren in Qualität im Detail, und worin liegt der Unterschied zu den Anlagestrategien «Value» und «Growth»1?

Qualität verglichen mit «Value» und «Growth»

Es mag logisch und zwingend erscheinen, für Anlageerfolg auf Qualitätsunternehmen zu setzen. Dennoch ist diese besondere Anlagestrategie weniger beliebt und für viele Investoren weniger interessant als die Stile «Value» und «Growth». Nichtsdestotrotz konnte durch Investieren in weltweite Qualitätsunternehmen über Jahrzehnte eine höhere Rendite erzielt werden als mit globalen «Value»- und »Growth»-Strategien. Langfristig betrachtet und unter Berücksichtigung des Risiko-Ertrags-Verhältnisses ist beim Investieren in Qualität überdies die annualisierte Rendite höher und die annualisierte Standardabweichung kleiner als bei den Strategien «Value» und «Growth» und auch als beim Investieren in den breiten Markt.

Daher liegt die Frage auf der Hand: Weshalb fristet das Investieren in Qualität ein Mauerblümchen-Dasein? Die Antwort liefern die unterschiedlichen, oft subjektiven Ansichten der Anleger darüber, welche Komponenten beim Investieren in Qualität die Triebfedern für die langfristige Rendite sind. Die Qualitätsindizes von MSCI zum Beispiel, welche auf dieser Anlagestrategie beruhen, berücksichtigen nur die drei Faktoren finanzielle Produktivität, geringe Verschuldung und Stabilität. Wir verwenden ein breiter angelegtes System der Qualitätsbewertung. Es untersucht zusätzliche Faktoren, welche die Methode von MSCI unseres Erachtens nicht ausreichend oder gar nicht berücksichtigt.

Wonach wir suchen

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Gewinnqualität: Echte Qualitätsunternehmen sollten ein stetes und nachhaltiges Gewinnwachstum aufweisen, das ihrer starken Marktstellung, ihrem effektiven Management und ihrer Anpassungsfähigkeit an das sich laufend ändernde Marktumfeld entspringt. Sie sollten eine über längere Zeit stabile Gewinnentwicklung nachweisen können und entsprechend weniger anfällig für Gewinnschwankungen sein.

Finanzielle Produktivität: Unternehmen, die Kapital effizient einzusetzen wissen und längerfristig überdurchschnittliche Eigenkapitalrendite erzielen können, haben oftmals einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Konkurrenten. Manchmal unterschätzen die Marktteilnehmer die Beständigkeit dieses Vorteils, was Investitionschancen eröffnet. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Unternehmen, die eine höhere Rendite auf dem Eigenkapital und auf dem investierten Kapital erzielten, auf Dauer besser abschnitten als die Konkurrenz.

Finanzielle Stabilität: Unternehmen mit gesunder Bilanz und geringer Verschuldung sind tendenziell weniger anfällig für rückläufige Konjunkturphasen und können Wachstumsmöglichkeiten verfolgen.

Freier Cashflow: Unternehmen mit soliden und steten freien Cashflows können Mittel in ihre Geschäftsaktivitäten reinvestieren, Dividenden ausschütten und strategische Möglichkeiten nutzen. Diese Eigenschaft verleiht ihnen normalerweise Stabilität und stärkt ihre Fähigkeit, Marktunsicherheiten durchzustehen.

Wettbewerbsvorteile (hohe Margen): Unternehmen mit starken Marken, geistigem Eigentum oder einzigartigen Geschäftsmodellen verfügen über dauerhafte Wettbewerbsvorteile, die ihnen aufgrund der Markteintrittsbarrieren erlauben, ihre hohen Gewinnmargen zu halten oder weiter zu steigern.

Vorteilhafte Eigenschaften …

In der Vergangenheit zeigten sich Qualitätsunternehmen bei rückläufiger Konjunktur tendenziell widerstandsfähig. Starke finanzielle Stabilität, nachhaltige Gewinne und solide Cashflows können ihnen dazu verhelfen, herausfordernde Marktbedingungen zu meistern. Dadurch sind sie für Konjunkturabschwünge gerüstet, was das Verlustrisiko für Investoren verringert.

Beim Investieren in Qualität ist die Volatilität typischerweise geringer als bei anderen Investitionsansätzen. Da die Gewinne von Qualitätsunternehmen oftmals weniger ausgeprägt schwanken, bewegen sich meist auch ihre Aktienkurse weniger stark. Diese Stabilität kann den Anlegern das Gefühl von Sicherheit geben, ihre Anspannung bei heftigen Kursausschlägen lindern helfen und sie davon abhalten, angesichts kurzzeitiger Marktvolatilität überstürzte und unausgereifte Anlageentscheide zu treffen. Der Fokus auf Unternehmen mit stabilen Gewinnen und soliden Fundamentaldaten kann Vertrauen schaffen und hilft, die langfristige Perspektive zu wahren.

Nebst der geringeren Volatilität können die stabilen und vorhersehbaren freien Cashflows, die für Qualitätsunternehmen typisch sind, die Risikoprämien und somit die Kapitalkosten verringern. Daher sind diese Unternehmen womöglich höher bewertet.

Ihre Wettbewerbsvorteile und ihre Fähigkeit, solide freie Cashflows zu generieren, erlauben es ihnen zudem, in Forschung und Entwicklung zu investieren, in neue Märkte vorzustossen und langfristige Wachstumsmöglichkeiten zu verfolgen. Auf kurze Sicht ist die Marktführerschaft von Qualitätsunternehmen oft nicht augenfällig, doch je länger der betrachtete Zeitraum, desto häufiger sind sie mit ihrer Wertentwicklung überlegen.

… und der Preis dafür

Natürlich gibt es Ausnahmen. Zu beachten gilt, dass kein Anlagestil über alle Konjunkturzyklen hinweg eine überlegene Wertentwicklung garantiert. Unterschiedliche Marktbedingungen mögen unterschiedliche Anlagestrategien bedingen, um besser abzuschneiden. Bei der Wahl der Strategie sollte jeder Investor seine persönliche Risikotoleranz, seine Anlageziele und seinen Anlagehorizont berücksichtigen.

Schnell steigende Zinserwartungen zum Beispiel wirken sich stärker auf Qualitätsunternehmen aus als auf weniger hochwertige Firmen. Da die längerfristigen Gewinne bei Qualitätsunternehmen normalerweise besser vorhersehbar sind, spielen künftige Cashflows für die Bewertung eine grössere Rolle. Wenn die Zinsen steigen, erhöht sich der Abzinsungsfaktor, mit dem diese künftigen Cashflows abdiskontiert werden, um den fairen Gegenwartswert eines Unternehmens zu berechnen.

Auch wenn Investieren in Qualität längerfristige Vorteile bringen kann, dürfen Anleger nicht vergessen, dass jede Aktienstrategie Risiken birgt, ganz gleich welche Anlagephilosophie sie wählen. Denn Aktien sind besonders anfällig für geopolitische Ereignisse sowie konjunkturelle und finanzielle Entwicklungen, die das Marktumfeld direkt beeinflussen können.

Performance in verschiedenen Marktumfeldern

Bei steigenden Märkten können Qualitätsunternehmen Schritt halten dank ihrer überdurchschnittlichen Profitabilität, ihrer beständigen Wachstumsaussichten und ihres Potenzials, die Gewinnerwartungen zu übertreffen.

Bei sinkenden Aktienmärkten kann sich Investieren in Qualität auszahlen, weil dann Qualitätsunternehmen typischerweise dank stabiler Gewinne und solider Bilanzen weniger Wert einbüssen. Bei steigenden Aktienmärkten wiederum können sie sich schneller erholen. Denn da ihr Kapitalaufwand geringer ist als jener ihrer Mitbewerber, können sie eher Marktanteile gewinnen und schneller wachsen als weniger hochwertige Firmen.

In einem inflationären Umfeld reicht die Preismacht von Qualitätsunternehmen oftmals aus, um höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben. Dadurch leidet ihre Profitabilität weniger unter der Inflation. Dank ihrer starken Marktstellung und der Treue ihrer Kunden können sie ihre Margen halten und ihre Gewinne schonen.

Investieren in Qualität, das auf Unternehmen mit soliden finanziellen Fundamentaldaten und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen fokussiert, bietet das Potenzial für beständige risikoadjustierte Renditen. Diese Anlagestrategie kann bei Konjunkturabschwüngen gut abschneiden, bei Marktübertreibungen Stabilität bringen und bei Inflation Schutz bieten. Kurzfristig können sich Bewertungs- und Zinsschwankungen auf die Performance auswirken. Doch der langfristige Fokus auf Finanzstabilität und nachhaltiges Gewinnwachstum macht das Investieren in Qualität zu einer attraktiven Strategie für Investoren, die sich ein widerstandsfähiges Portfolio wünschen.

 

 

 

 

1. Die «Value»-Strategie setzt auf Wertpapiere, deren Preis günstig erscheint im Vergleich zum wahren Wert des zugrundeliegenden Unternehmens. Die «Growth»-Strategie setzt auf Wertpapiere in der Erwartung, dass deren Preis durch erhöhtes Umsatz- und Gewinnwachstum steigen wird.

 

Die hier geäusserten Ansichten sind die Ansichten von Vontobel für den Zeitraum bis einschliesslich 31. März 2024. Die Vergangenheit betreffende Analysen und aktuelle Prognosen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Die hier enthaltenen Informationen spiegeln unsere Beurteilungen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Dokuments wider. Diese Beurteilungen können sich jederzeit ändern, ohne dass wir dies bekannt geben. Beim Erstellen dieses Dokuments sind wir von der Richtigkeit und Vollständigkeit aller aus öffentlichen Quellen bezogenen Informationen ausgegangen, ohne diese einer unabhängigen Prüfung zu unterziehen. Meinungen und Schätzungen beinhalten Annahmen, die sich als unzutreffend erweisen können. Das Eintreffen der Prognosen bzw. die zukünftige Bestätigung der Meinungen, die in diesem Dokument enthalten sind, wird nicht gewährleistet. Es gibt keine Garantie, dass das Anlageziel erreicht wird oder die Strategie erfolgreich ist. Die Informationen sollten nicht als Anlageberatung ausgelegt werden. Die hier enthaltenen Informationen berücksichtigen nicht die individuellen Anlageziele, die Strategien, die steuerliche Behandlung oder den Anlagehorizont einzelner Anleger. Die bisherige Wertentwicklung ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des Risikos eines Kapitalverlusts. Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen von Vontobel und wurden von Quellen bezogen, die wir für vertrauenswürdig halten. Die Richtigkeit der Informationen wird jedoch nicht gewährleistet. Wir übernehmen keine Gewähr für die aktuelle Richtigkeit, Zuverlässigkeit oder Vollständigkeit dieser Informationen. Wir haften nicht für Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen. Deshalb sollten sich Entscheidungen auch nicht auf diese Informationen stützen. © 2024 Vontobel. Alle Rechte vorbehalten.

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