Quality Growth
Experten im Segment Globale Aktien seit 1984.
Die Aktienmärkte nähern sich dem Jahr 2026 getragen vom aussergewöhnlichen Aufstieg einiger weniger Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz. In diesem Jahr war das globale Wirtschaftswachstum eng mit dem Erfolg der KI-Innovation verknüpft – sie wirkt sowohl als Wachstumsmotor als auch als potenzieller Risikofaktor.
Ohne den Vorteil der Rückschau ist es schwierig zu beurteilen, ob sich die Märkte in einer Blase befinden. Klar ist jedoch, dass die zunehmende Marktkonzentration Investoren anfälliger für abrupte und starke Schwankungen macht. Sollte die Entwicklung rund um KI ins Stocken geraten, könnte dies eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten auslösen, das Verbrauchervertrauen schwächen und die Weltwirtschaft möglicherweise in eine Rezession führen.
Dieses fragile Umfeld erfordert einen Ansatz, der auf Bescheidenheit und Ausgewogenheit basiert – mit dem Ziel, am langfristigen Potenzial von KI zu partizipieren, gleichzeitig aber eine Übergewichtung auf eine kleine Gruppe schwer vorhersehbarer Gewinner zu vermeiden.
Obwohl die Konsumenten bei der Einführung von KI-Produkten – wie etwa beim Start von ChatGPT – grosses Interesse gezeigt haben, blieb der Erfolg auf Unternehmensseite bislang begrenzt. Einer im Sommer von MIT durchgeführten Studie zufolge erzielten 95 Prozent der KI-bezogenen Projekte weder nennenswerte Kosteneinsparungen noch Verbesserungen der Profitabilität.1 Eine aktuellere Studie von McKinsey zeigt, dass sich über 60 Prozent der Unternehmen nach wie vor in Experimental- oder Pilotphasen der Einführung von KI befinden.2
Geschäftliche Anwendungsfälle für KI sind derzeit überwiegend nach innen gerichtet, mit einem Schwerpunkt auf der Steigerung der operativen Effizienz in Bereichen wie Wissensmanagement, Softwareentwicklung und Helpdesk-Automatisierung. Dies verdeutlicht die Herausforderungen bei der Integration von KI in bestehende Arbeitsabläufe sowie das Potenzial für längere Implementierungszeiträume. Gleichzeitig spiegelt es die Unsicherheit über das tatsächliche Ausmass der Produktivitätsgewinne wider, die durch KI letztlich erzielt werden können.
Angesichts des Risikos eines Rückgangs bei den Investitionen in KI sind wir der Ansicht, dass sich Investoren auf einen berechenbareren Ansatz konzentrieren sollten, indem sie Unternehmen identifizieren, deren Erfolg nicht ausschliesslich von KI abhängt. Wir sehen potenzielle Chancen in drei zentralen Bereichen:
Die drei führenden Public-Cloud-Unternehmen – Amazon, Microsoft und Alphabet – profitieren vom gestiegenen Bedarf an Rechenkapazität, der durch generative KI-Anwendungen getrieben wird, wie sich in den aktuellen Quartalsergebnissen zeigt. Wir halten diese Unternehmen für attraktiver als die aufkommende Gruppe der sogenannten «Neoclouds», die sich vor allem auf margenschwache Vermietungen von Grafikprozessoren (GPU) konzentrieren und eine hohe Kundenkonzentration bei den grossen KI-Laboren aufweisen.
Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP) gehören zu hochprofitablen Unternehmen mit weiteren langfristigen Wachstumstreibern, was ihnen eine grössere Fähigkeit verleiht, einen möglichen Rückgang der KI-Investitionen abzufedern. Zudem sind sie besser in der Lage, KI-Infrastruktur für interne Anwendungsfälle umzuwidmen und so potenzielle Überkapazitäten aufzufangen. Darüber hinaus profitiert Alphabet von einigen der wirkungsvollsten Anwendungsfälle von KI, wie etwa Content-Empfehlungen, Content-Generierung und einer verbesserten Monetarisierung von Werbung.
Im Halbleiterbereich verfolgen wir denselben selektiven und risikoarmen Ansatz. Anstatt zu versuchen, den künftigen Gewinner unter den KI-Chip-Designern zu bestimmen, konzentrieren wir uns auf die unverzichtbaren «Hacken und Schaufeln», die die gesamte Branche beliefern. TSMC entspricht diesem Profil, da das Unternehmen essenziell für die Funktionalität und Skalierung von KI-Systemen ist, mit hohen Markteintrittsbarrieren operiert und diversifizierte Erlösströme aufweist, die das Risiko eines Rückgangs bei KI-Investitionen abmildern.
Als führender Halbleiter-Auftragsfertiger für fortschrittliche Fertigungstechnologien spielt TSMC eine entscheidende Rolle für die wichtigsten Entwickler von KI-Chips – darunter Nvidia, AMD, Apple sowie die Hyperscaler, die zunehmend eigene ASICs entwickeln. Diese breite Endmarktpräsenz, kombiniert mit einer nahezu monopolistischen Technologieführerschaft und mehrjährigen Kapazitätszusagen der Kunden, verschafft TSMC eine deutlich höhere Vorhersagbarkeit im Vergleich zu sogenannten Fabless-Designern, die über keine eigene Halbleiterproduktion verfügen.
Im Bereich Software und Datenanalyse sind aus unserer Sicht Unternehmen mit ausgeprägten Wettbewerbsvorteilen und proprietären, schwer replizierbaren Daten besonders gut aufgestellt. Die zunehmende Diskussion um «Vibe Coding» als disruptive Kraft für Softwareunternehmen halten wir für stark übertrieben – insbesondere im Hinblick auf komplexere Anforderungen von Unternehmen. Die tatsächlichen Produktivitätsgewinne durch KI werden überschätzt, angesichts der Herausforderungen bei Codebasis-Integration, Sicherheit und Effizienz.
Etablierte Softwareunternehmen profitieren auch von traditionellen Wettbewerbsvorteilen wie breiteren Produktportfolios (die Cross-Selling und eine stärkere Kundenbindung ermöglichen), bestehenden Kundenbeziehungen und Wechselkosten. Im Fall eines Unternehmens wie SAP, das einige der weltweit komplexesten Unternehmen betreut, ist es schwer vorstellbar, dass Geschäftskunden bei geschäftskritischen Anforderungen eine bewährte Plattform zugunsten unerprobter neuer Anbieter aufgeben. Zudem sehen wir die etablierten Anbieter dank ihrer Datenbasis sowie ihres Verständnisses von Kontext und Geschäftsprozessen gut positioniert, um zusätzliche Erlöse durch die Monetarisierung von KI zu erzielen.
Das KI-Ökosystem ist stark verflochten: Unternehmen wie Nvidia, OpenAI, Microsoft, Oracle, AMD und CoreWeave sind durch komplexe finanzielle und operative Beziehungen miteinander verbunden. Diese Partnerschaften umfassen Beteiligungen, Umsatzbeteiligungsvereinbarungen und die Absicherung unverkaufter Kapazitäten. Auch wenn diese Strukturen nicht grundsätzlich problematisch sind, hängen sie in hohem Masse von der anhaltenden Begeisterung der Investoren und dem Versprechen zukünftiger Erträge ab.
Sollten es KI-Unternehmen nicht schaffen, starke Cashflows zu generieren, oder sollten Investoren angesichts hoher Investitionsausgaben und begrenzter Transparenz bei der Profitabilität die Geduld verlieren, könnte das gesamte Ökosystem unserer Einschätzung nach vor erheblichen Herausforderungen stehen. Ähnlich wie in der Dotcom-Ära können die zirkulären Finanzierungsmechanismen im Bereich KI in Wachstumsphasen zwar einen positiven Kreislauf erzeugen, in Abschwungphasen jedoch schnell in einen negativen Kreislauf umschlagen und so die Anfälligkeit solcher Strukturen offenlegen.
So hat sich OpenAI Berichten zufolge in den kommenden acht Jahren zu Rechenzentrumsinvestitionen in Höhe von rund USD 1,4 Billionen verpflichtet, während bis Ende 2025 ein erwarteter Umsatz von über USD 20 Milliarden prognostiziert wird. Das Unternehmen ist stark auf externe Finanzierung angewiesen; Medienberichten zufolge gehen die internen Prognosen davon aus, dass der freie Cashflowverbrauch in den nächsten drei Jahren weiter ansteigt und 2028 bei knapp USD -50 Milliarden seinen Höhepunkt erreicht, bevor 2029 der Break-Even erwartet wird.
Obwohl OpenAI derzeit über eine beeindruckende Dynamik verfügt, könnte die künftige Abhängigkeit von externer Finanzierung durch Faktoren wie ein nachlassendes Engagementwachstum, geringeren Erfolg bei der Monetarisierung neuer Produkte oder eine Verlangsamung des Fortschritts bei neuen KI-Modellen beeinträchtigt werden.
Die Kombination aus einem schwachen Arbeitsmarkt und einer Inflation, die weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie liegt, belastet zunehmend die US-Konsumenten. Entscheidend ist, dass die Auswirkungen sehr ungleich verteilt sind. Rund die Hälfte der gesamten US-Konsumausgaben wird von den oberen 10 Prozent der Einkommensbeziehenden getragen – Haushalten, die zugleich den Grossteil der finanziellen Vermögenswerte besitzen. Nach Angaben der US-Notenbank Fed halten die obersten 20 Prozent der Einkommensbeziehenden 87 Prozent der Aktien und Investmentfonds, und zwischen dem ersten Quartal 2020 und dem zweiten Quartal 2025 haben die Amerikaner mehr als USD 63 Billionen zusätzliches Vermögen aufgebaut.
Diese Entwicklung hat die «K-förmige» Wirtschaft im Jahr 2025 weiter verstärkt. Haushalte mit hohem Einkommen, gestützt durch stark gestiegene Vermögenswerte, geben weiterhin grosszügig Geld für Reisen, Dienstleistungen und Luxusgüter aus. Gleichzeitig stehen Verbraucher aus mittleren und unteren Einkommensschichten unter anhaltendem finanziellem Druck, da das Lohnwachstum mit der Inflation nicht Schritt halten kann. Die politischen Folgen dieser Belastungen zeigten sich in den populistischen Strömungen, die den Wahlzyklus 2025 prägten und sowohl rechte als auch linke Narrative um die Vorstellung vereinten, dass breite Teile der Bevölkerung von den Vermögenseffekten steigender Märkte abgehängt werden.
Dies wirft eine zentrale Frage für 2026 auf: Welche Folgen hätte eine Korrektur, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Abhängigkeit der Märkte von KI-bezogenen Gewinnen und Investitionen?
Bisher wurden Investitionen in KI vor allem durch Unternehmens-Cashflows und Risikokapital finanziert. Doch während Hyperscaler darauf drängen, das exponentielle Wachstum bei Modellgrössen, dem Ausbau von Rechenzentren und der Chipversorgung aufrechtzuerhalten, rückt zunehmend auch die Fremdfinanzierung wieder in den Fokus. Da die grossen US-Aktienindizes immer stärker auf KI-Marktführer konzentriert sind, könnte eine spürbare Korrektur nicht durch Entlassungen oder gescheiterte KI-Projekte, sondern durch den negativen Vermögenseffekt fallender Anlagen-Preise auf die Gesamtwirtschaft ausstrahlen. Diese Dynamik würde der Situation nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 ähneln, als sinkende Aktienwerte vor allem einkommensstarke Haushalte und in der Folge auch den gesamten Konsum überproportional belasteten.
Ein zweiter Übertragungskanal ist mittlerweile ebenfalls fest etabliert: Investitionen in KI als massgeblicher Treiber des US-BIP. Bis Ende 2025 dürften IT-bezogene Investitionen mehr als die Hälfte des vierteljährlichen BIP-Wachstums ausmachen. Das bedeutet, dass derselbe Impuls, der die Märkte nach oben getrieben hat, zum Belastungsfaktor werden kann, falls die Investitionserwartungen zurückgenommen werden. Damit ist KI sowohl Rückenwind als auch potenzielle Schwachstelle für die makroökonomischen Aussichten 2026 geworden.
Angesichts der Unsicherheiten rund um KI und ihrer verflochtenen Rolle in den globalen Aktienmärkten sowie der Gesamtwirtschaft halten wir es für entscheidend, Chancen zu identifizieren, die weitgehend unabhängig von der Entwicklung der KI sind. Aus unserer Sicht sollten sich Investoren auf zwei zentrale Kategorien konzentrieren:
Diese Doppelstrategie ermöglicht es Portfolios, bei anhaltender KI-Dynamik attraktives Wachstum zu erzielen und gleichzeitig Risiken zu begrenzen, indem eine Übergewichtung auf wenige, schwer vorhersagbare Gewinner vermieden wird. Anlagen mit moderatem Wachstum bieten einen Schutz gegen Verluste, falls sich die KI-Dynamik auflöst – was eine starke Korrektur der Aktienmärkte auslösen, das Verbrauchervertrauen schwächen und die Weltwirtschaft in eine Rezession führen könnte.
Zunächst identifizieren wir Investitionschancen, deren Wachstum mit dem von Hyperscalern und Hardwareunternehmen mithalten kann und die gleichzeitig unabhängig vom Tempo und der Richtung der KI-Entwicklung widerstandsfähig bleiben. Ferrari beispielsweise hat in der Vergangenheit eine Gesamtrendite von 18 Prozent erzielt.3 Auch wenn KI bestimmte Merkmale von Automobilen verändern mag, wird sie den Wert der starken Luxusmarke Ferrari kaum beeinträchtigen – diese ist letztlich der Burggraben, der Wettbewerbsvorteil und der wahre Wert des Unternehmens. Der Ferrari des Jahres 2040 mag ganz anders aussehen, doch die Anziehungskraft und der Premiumwert der Marke «Ferrari» werden voraussichtlich bestehen bleiben, was sie zu einer stabilen und nicht korrelierten Wachstumschance macht. Dies lässt sich mit dem Wachstum eines Hyperscalers wie Microsoft vergleichen, der in der Vergangenheit eine Gesamtrendite von 22 Prozent3 erzielt hat – Ferrari ist jedoch vollständig unabhängig von AK.
In den USA ist Netflix ein weiteres überzeugendes Beispiel. Das Unternehmen hat historisch eine Gesamtrendite von 31 Prozent3 erzielt und profitiert von einem stabilen, abonnementbasierten Geschäftsmodell. Dennoch liegt der wichtigste Wachstumstreiber von Netflix weitgehend ausserhalb des Bereichs KI. Zwar kann KI bestimmte Funktionen der Netflix-Plattform beeinflussen, etwa die Personalisierung von Accounts oder die Empfehlung von Inhalten, doch wird der Marktanteil im Streaming-Bereich voraussichtlich weiterhin stark bleiben. Aktuell wird das Wachstum von Netflix durch das günstige, werbefinanzierte Abonnementmodell angetrieben. Eine Investition in Netflix bietet Zugang zu einem zentralen Wachstumstreiber ausserhalb von KI und ermöglicht es Investoren gleichzeitig, vom potenziellen Beitrag der KI zur Verbesserung gezielter Werbung zu profitieren. Im Zusammenhang mit KI und Werbung kann das Unternehmen von seinem umfangreichen Bestand an Konsumentendaten profitieren, den es durch sein Kerngeschäft gesammelt hat, und somit zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten erschliessen.
Neben diesen wachstumsstarken Unternehmen halten wir es für wichtig, auch weiterhin in Unternehmen mit defensiverem Wachstum investiert zu bleiben, die unabhängig vom KI-Thema agieren. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist Waste Management, ein führendes Unternehmen im Bereich der Abfallentsorgung. Zwar ist die historische Gesamtrendite von 12 Prozent3 niedriger als bei den KI-Lieblingen, aber Waste Management betreibt aufgrund des unverzichtbaren Charakters der Müllabfuhr ein rezessionsresistentes Geschäft.
Auch wenn künstliche Intelligenz das zukünftige Wachstum unterstützen könnte, bleibt der Kerndienst der Müllabfuhr unverzichtbar. Darüber hinaus sind wir der Ansicht, dass der Besitz von Deponieflächen – ein begrenztes Gut – Waste Management einen erheblichen Wettbewerbsvorteil und Preissetzungsmacht verschafft, wodurch die Relevanz des Unternehmens selbst in einer von KI dominierten Zukunft gesichert bleibt. Das vergleichsweise geringere Wachstum solcher Unternehmen kann als eine Art «Versicherungsprämie» betrachtet werden, die einen besseren Schutz vor Kursverlusten bietet. So lag der mittlere Rückgang bei Waste Management bei -8 Prozent, während der globale Aktienmarkt einen Median von -18 Prozent verzeichnete.4
Bei dem starken Fokus auf KI ist es besonders bemerkenswert, dass Value-Aktien ausserhalb der USA mit dem Nasdaq 100 Schritt gehalten haben – der oft als Massstab für wachstumsstarke Technologieunternehmen gilt. Ein wesentlicher Teil dieser weltweiten Value-Renaissance ist auf die Neubewertung zyklischer Sektoren zurückzuführen, insbesondere des Bankensektors. Anleger berücksichtigen inzwischen ein stärkeres Gewinnpotenzial, verbesserte Kapitalrückführungsstrategien und ein unterstützenderes fiskalisches sowie geldpolitisches Umfeld.
Vor allem europäische Banken zählen zu den herausragenden Gewinnern. Erstmals seit der globalen Finanzkrise sind ihre Kurs-Buchwert-Verhältnisse über die Marke von 1x gestiegen – ein symbolischer und bedeutender Wandel in der Anlegerstimmung. Auch wenn es dafür verschiedene Gründe gibt, stellen wir fest, dass seit 2024 europäische Value-Aktien ihre Bewertungskennzahlen erhöht haben, während europäische Wachstums- und Qualitätsunternehmen dies nicht getan haben (siehe Grafik 3). Aus diesem Grund sehen wir derzeit erhebliche Chancen in Europa bei hochwertigen Wachstumsunternehmen, insbesondere solchen mit soliden Fundamentaldaten und widerstandsfähigen Geschäftsmodellen.
Ein Beispiel hierfür ist Galderma, ein führendes Dermatologieunternehmen, das durch seine starke Position besonders hervorsticht. Galderma ist in speziellen und widerstandsfähigen Märkten aktiv, darunter Hautgesundheit und injizierbare Ästhetik, die weitgehend unabhängig von übergeordneten makroökonomischen Entwicklungen sind. Das Unternehmen verfügt zudem über eine wachsende Franchise im Bereich der Behandlung bestimmter Hauterkrankungen – die von Konjunkturzyklen unbeeinflusst sind. Diese dreifache Ausrichtung auf injizierbare Ästhetik, Hautgesundheit und medizinische Dermatologie sorgt für stabile und diversifizierte Erträge. Darüber hinaus ermöglicht Galdermas Innovationskraft ein überdurchschnittliches Wachstum. Wie bei Ferrari ist das Geschäft von Galderma nicht an künstliche Intelligenz gebunden, wodurch der Wachstumspfad klar von den allgemeinen Markttrends abgekoppelt bleibt.
L'Oréal ist ein weiteres Beispiel für ein europäisches Unternehmen mit strukturellem Wachstum, das unabhängig von KI ist. Das Unternehmen profitiert von geografischer und kategorischer Diversifikation, bietet Produkte über ein breites Preisspektrum hinweg an und nutzt die langfristige Expansion des Beauty-Marktes. Die Innovationsfähigkeit von L'Oréal und die Kompetenz, aufstrebende Marken zu identifizieren und ins Portfolio zu integrieren, festigen die Position als globaler Branchenführer zusätzlich.
Die Schwellenländer haben in diesem Jahr ein starkes Comeback erlebt, allerdings ist zu beachten, dass die Erträge stark auf KI-bezogene Aktien konzentriert sind. Besonders Taiwan und Südkorea zählen zu den Hauptprofiteuren des globalen KI-Datenzentrum-Booms, da sie zahlreiche Technologie-Hardwareunternehmen beherbergen, die für die KI-Lieferkette entscheidend sind. Wir schätzen, dass KI-bezogene Unternehmen rund 40 Prozent zur bisherigen Jahresrendite des MSCI Emerging Market Index beigetragen haben. Es ist daher ebenso wichtig, Unternehmen zu identifizieren, die ihre Gewinne steigern können – unabhängig davon, wie sich das Thema KI weiterentwickelt.
Wir haben überzeugende, berechenbare Unternehmen mit langfristigen Wachstumschancen in verschiedenen Branchen unter anderem in China, Indien und Brasilien gefunden.
Nongfu Spring, Chinas grösster Hersteller von abgefülltem Wasser, ist ein solches Beispiel. Das Unternehmen profitiert von erheblicher Preissetzungsmacht, Markenstärke, Grössenvorteilen und Vorteilen im Vertrieb, was sich in steigenden Marktanteilen und beeindruckenden Kapitalrenditen widerspiegelt. In den vergangenen Jahren hat Nongfu Spring sein Portfolio erfolgreich diversifiziert und führende Positionen in schnell wachsenden Kategorien wie ungesüsstem Tee, Saft und funktionellen Getränken aufgebaut, die mittlerweile für mehr als 60 Prozent der Gewinne verantwortlich sind. Wir erwarten, dass Nongfu weiterhin ein attraktives Umsatz- und Gewinnwachstum erzielen kann.
Bharti Airtel, einer der führenden Telekommunikationsanbieter Indiens, ist ein weiteres überzeugendes Beispiel für strukturelles Wachstum. Nach Jahren der Branchenkonsolidierung agiert Bharti nun in einem duopolistischen Markt neben Reliance Jio. Diese vorteilhafte Marktstruktur fördert einen rationalen Wettbewerb, ermöglicht eine stärkere Preissetzungsmacht und eine grössere Transparenz bei den Renditen. Wir sind überzeugt, dass Bharti vor einer attraktiven Gewinnentwicklung steht, getragen von strukturellen Rückenwinden wie steigendem Datenverbrauch, der Ausweitung digitaler Dienste und dem Wachstum des durchschnittlichen Umsatzes pro Nutzer (ARPU).
In Brasilien bietet das Wasser- und Abfallmanagementunternehmen Sabesp eine ähnlich überzeugende Wachstumsperspektive, die durch die Privatisierung, Effizienzinitiativen und Massnahmen zur Verbesserung der Wasseraufbereitung im Bundesstaat São Paulo angetrieben wird. Besonders hervorzuheben ist, dass Sabesp von einem stabilen regulatorischen Rahmen sowie erheblichen Expansionsmöglichkeiten bei der Wasser- und Sanitärversorgung profitiert. Dadurch erhält das Unternehmen eine hohe Visibilität bezüglich zukünftiger Erträge und Cashflows.
Auch wenn das Potenzial von KI weiterhin überzeugt, schafft ihre Marktdominanz und die Abhängigkeit von externer Finanzierung Risiken, die nicht ausser Acht gelassen werden dürfen. Indem Investoren Chancen in Bereichen mit berechenbarem Wachstum und Widerstandsfähigkeit – sowohl im KI-Ökosystem als auch darüber hinaus – suchen, sind sie unserer Ansicht nach besser in der Lage, die Unsicherheiten dieser Phase des Wandels zu bewältigen. Wie in jeder Phase rascher Innovation wird ein besonnener, breit gefächerter Ansatz entscheidend sein, um mögliche Volatilität zu überstehen und langfristige Chancen zu nutzen.
1. https://mlq.ai/media/quarterly_decks/v0.1_State_of_AI_in_Business_2025_Report.pdf
2. https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/business%20functions/quantumblack/our%20insights/the%20state%20of%20ai/november%202025/the-state-of-ai-in-2025-agents-innovation-and-transformation.pdf?shouldIndex=false
3. Historische Gesamtrendite = EPS-Wachstum plus Free-Cashflow-Rendite über die letzten sieben Jahre. Daten per 31 Oktober 2025.
4. Daten per 31 Oktober 2025.