Der Einfluss der US-Wahlen auf die Märkte – ein Realitätscheck

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Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Marktreaktionen schwer vorherzusagen sind und Wahlen nicht so dramatische Auswirkungen auf die Märkte haben, wie man glauben mag. Die Sorge des Marktes davor ist allgemein etwas übertrieben. Wie die Märkte reagieren, hängt von mehr ab als davon, wer gewählt wird, z. B. von den Bewertungsniveaus der Märkte, dem wirtschaftlichen Umfeld, den Konjunkturaussichten und, am entscheidendsten, von den Prognosen für die Unternehmensgewinne. Die grundlegende Gesundheit der Wirtschaft und das Wachstum der Unternehmensgewinne sind am Ende die Faktoren, welche die Aktienkurse beeinflussen werden.

Auch wenn es unterschiedliche Parteien gibt, unterscheiden sich die Ziele der Kandidaten nicht immer drastisch. Unabhängig davon, wer in weniger als zwei Wochen die US-Präsidentschaftswahlen gewinnt, gehen wir davon aus, dass die Beziehungen zwischen den USA und China hinsichtlich Diebstahl geistigen Eigentums, Handel und damit verbundene ESG-Themen weiterhin im Zentrum des Interesses stehen werden. Wir denken, dass die aussenpolitische Haltung der USA gegenüber China unabhängig vom Wahlausgang recht ähnlich sein wird, aber sicherlich wird sich Bidens Verhandlungsstil gegenüber China von Trumps unterscheiden. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch der Grenzen der Auswirkungen der Politik bewusst sein. Präsidenten oder Regierungen haben nur einen bestimmten Spielraum und können nur einige wenige Schlüsselpunkte auf ihrer Agenda angehen. Erneut unabhängig vom Wahlausgang könnte aber die Politisierung des Umgangs mit der Covid-19-Pandemie bei beiden Parteien zu einem Ende kommen.

Die Märkte reagieren kritisch auf das Unvermögen der Federal Reserve, die Inflation zu erhöhen. Die letzten Massnahmen haben gezeigt, dass die Fed damit entweder zunehmend an Einfluss verliert oder sich gar auf dem Weg der völligen Wirkungslosigkeit befindet. Investoren sollten von einer höheren Volatilität bei Themen ausgehen, die in der Vergangenheit keine Auswirkungen hatten. Wir erwarten nicht, dass ein Wechsel des Präsidenten im Weissen Haus einen wesentlichen Einfluss auf die Politik der Fed haben wird. Sollten die Demokraten die Kontrolle im Kongress und im Weissen Haus erlangen (d. h. ein Szenario, in dem Biden zum Präsidenten gewählt wird und die Demokraten das Repräsentantenhaus behalten, aber auch die Kontrolle über den Senat übernehmen), würde sich jedoch die Wahrscheinlichkeit eines umfangreichen Konjunkturprogrammes erhöhen. Nachdem die Fed viele Jahre lang eine vorherrschende Rolle bei der Stützung der Wirtschaft gespielt hat, könnte eine solche Veränderung es der Fed aufgrund der allgemein fehlenden deutlichen Reaktion auf der fiskalischen Seite ermöglichen, von ihrer übermässig stützenden Haltung Abstand zu nehmen und Raum füre keynesianische Massnahmen zu schaffen, die der Realwirtschaft wirksamer helfen würden. Dies könnte z. B. durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Förderung von Unternehmensinvestitionen erfolgen.

Aus Anlagesicht ist es wichtig, sich mehr auf die grundlegende Stabilität bestimmter Unternehmen und ihre dauerhaften, nachhaltigen Wachstumsaussichten zu fokussieren. Der intensive Blick auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und die prognostizierbare langfristige Ertragskraft können den Anleger unabhängig vom makroökonomischen oder politischen Hintergrund profitieren lassen. Als Bottom-up-Investoren machen wir uns keine allzu grossen Sorgen über den Ausgang der bevorstehenden US-Wahlen, da politische Veränderungen nicht unbedingt wesentliche Auswirkungen auf die Unternehmen in unserem Portfolio haben werden.

Eine Wiederwahl Trumps wird bei den aktuellen Fundamentaldaten wahrscheinlich nicht zu grossen Veränderungen in den Sektoren führen. Ein Sieg Bidens wird eine stärker auf Umweltschutz ausgerichtete Agenda mit sich bringen, die mehr Druck oder eine genauere Prüfung von Sektoren, die Umweltschutzauflagen unterliegen, mit sich bringen könnte, wie es z. B. im Energie- und Rohstoffbereich der Fall ist. Angesichts der Tatsache, dass Gesundheitsfürsorge im Fokus der Demokraten steht, könnte ein Biden-Sieg mehr Volatilität in diesem Sektor bedeuten, aber für Titel aus dem Gesundheitswesen mit soliden Fundamentaldaten sollte es weiterhin gut laufen. Bei Finanzwerten, die bereits unter Druck stehen, könnte es ebenfalls zu Volatilität kommen, da diese Unternehmen angesichts der üblicherweise strengeren Hand einer demokratischen Regierung aus aufsichtsrechtlicher Sicht wahrscheinlich keine grosse Unterstützung oder zunehmende Verbesserung erfahren werden.

 

 

 

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