Quality Growth
Experten im Segment Globale Aktien seit 1984.
Ende November verstarb der legendäre Investor und Vize-Chairman von Berkshire Hathaway, Charlie Munger. Wie sein langjähriger Freund und Kollege Warren Buffett hatte er einen aufschlussreichen Blick auf das Leben und die Investment-Welt, die oft zusammenliefen. In einem Interview mit CNBC betonte Munger noch kürzlich, er glaube an das Motto «Weiter geht’s».
«Es werden grosse Herausforderungen auf einen warten, die man mit Durchhaltevermögen bewältigen muss», erklärte er und fügte hinzu, dass sich auch Chancen ergeben werden, die man erkennen müsse.
Diese einfache Philosophie erfordert dennoch sehr viel Disziplin und Erfahrung. Mungers Lebensweisheit gibt uns bei unserem Blick aufs Jahr 2024 eine klare Richtung vor. Wir haben drei Risiken bestimmt, bei denen wir Durchhaltevermögen beweisen müssen, sowie Chancen, die wir angesichts des herausfordernden Umfelds mit Agilität nutzen müssen.
Die viel beschworene Rezession hat die USA 2023 verschont. Allerdings deuten lange und unterschiedliche Verzögerungen von geldpolitischen Massnahmen und deren Folgen für die Volkswirtschaft für das kommende Jahr, insbesondere in Verbindung mit schwindenden Kundenersparnissen und einem rasch zunehmenden Haushaltsdefizit, auf eine potenzielle Abkühlung hin.
Obwohl die US-Notenbank Fed, wie andere Zentralbanken auch, Zinserhöhungen ausgesetzt hat, besteht das Risiko, dass hohe Zinsen länger anfallen, als die Anleger erwarten. Die Inflation ist zurückgegangen, auch wenn es wahrscheinlich schwieriger ist, das 2-Prozent-Ziel der Fed zu erreichen. Unserer Meinung nach könnte sich die Inflation volatiler gestalten, was zu schwankenden Zinsen führt. Dies könnte sich auf die Unternehmensgewinne auswirken, da die Firmen mit Lohnerhöhungen und steigenden Finanzierungskosten, Lieferengpässen sowie nationalen und geopolitischen Herausforderungen konfrontiert sind. Exogene Schocks stellen ein weiteres allgegenwärtiges Risiko dar, das die Wirtschaftsentwicklung wesentlich beeinträchtigen könnte. Dennoch scheinen einige Investoren von einer weiterhin stabilen Wirtschaft und sinkenden Zinssätzen auszugehen.
Der US-Verbrauchermarkt hat sich als resilient erwiesen. Angesichts der gegenwärtigen Engpässe im Arbeitsmarkt überrascht es nicht, dass das Verbraucherverhalten im Weihnachtsgeschäft 2023 bisher gut war. Allerdings wird die Situation immer komplexer und es wird länger dauern, physische Indikatoren wie Verkehr und die Umsätze im stationären Handel vom Onlinehandel abzugrenzen. Während der Druck auf die Konsumenten weiter zunimmt, müssen Unternehmen eventuell neue Möglichkeiten finden, um ihre Erträge zu steigern.
Diese waren 2023 stabil, doch der Margendruck wird voraussichtlich weiter zunehmen. In den USA waren die Unternehmensgewinne dank der lockeren Geldpolitik, hoher Ausgabenniveaus und steuerlicher Anreize in den vergangenen Jahrzehnten höher als im Rest der Welt. Diese Faktoren werden sich unseren Prognosen zufolge ändern und nach einer langen Zeit mit anhaltend hoher Rentabilität die Unternehmensgewinne beeinträchtigen.
Obwohl die weltweiten geopolitischen Konflikte im Jahr 2023 keine negativen Folgen für die Märkte hatten, drücken die zunehmende Unsicherheit und Sorge letztlich doch die Investorenstimmung, was sich auf Preise für Vermögenswerte auswirken kann. Darüber hinaus kann sich das Andauern geopolitischer Konflikte direkt auf das Funktionieren der weltweiten Wirtschaft auswirken. Wie stark geopolitische Ereignisse die Märkte beeinflussen, hängt von Faktoren wie der Marktbewertung und der Verfügbarkeit risikofreier Renditen ab. Da die Aktienmärkte und Zinssätze zum Jahresbeginn 2024 höher als noch vor einem Jahr sind, könnte die Geopolitik einen wesentlicheren Faktor darstellen.
In den USA könnte sich die im Wahlzyklus typischerweise vorhandene Volatilität im Jahr 2024 aufgrund des Wettbewerbs zwischen zwei polarisierenden Schlüsselkandidaten noch verschärfen. In Wahljahren sprechen die Regierungsparteien sich oft für Steuergeschenke aus oder setzen auf steuerliche Anreize, doch solche Massnahmen erscheinen im kommenden Jahr unwahrscheinlich. Der Kampf um das US-Budget und die zunehmenden Rufe nach steuerlicher Verantwortung deuten darauf hin, dass viele den grossen Defiziten an den Kragen möchten. Höhere Zinsen könnten den Ruf nach mehr Haushaltsdisziplin lauter werden lassen.
Dieses Jahr wurde der US-Markt von den glorreichen Sieben – einer kleinen Gruppe von Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung – dominiert. Obwohl diese Unternehmen gute Fundamentaldaten aufweisen, sind sie alles andere als homogen. Einige werden trotz ihrer aktuellen Grösse und Erfolge weiterhin stark wachsen. Auch wenn wir der Meinung sind, dass unsere Titel aus der Gruppe der glorreichen Sieben recht preisgünstig sind, sind wir skeptisch, ob diese Gruppe langfristig eine breite Marktperformance erreichen kann. Ausserdem bietet sich an anderer Stelle im Markt enormes Wertpotenzial.
Uns eröffnen sich weitere Chancen im Gesundheitswesen und bei den Konsumgütern, die im Markt unterschätzt werden und auch in einem unsichereren Umfeld anhaltendes und sichtbares Wachstum erzielen. Die Konsumgüterbranche in den USA ist besonders attraktiv. Wir haben auch bezüglich der Optimierung unserer Portfolios im Bereich Qualität und Renditepotenzial bei den Industrieunternehmen und zyklischen Konsumgütern an Dynamik zugelegt. Im Finanzsektor sehen wir Potenzial an den Börsen und in der Technologiebranche setzen wir bevorzugt auf Blue Chips, obwohl uns bewusst ist, dass ein grosser Bereich dieser Unternehmen zunehmende aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllen muss.
KI ist in diesem Jahr ein wichtiger Faktor für die Kapitalrendite im Technologiesektor. Anleger konzentrieren sich auf diejenigen Unternehmen mit dem stärksten Bezug zu KI (d. h. Unternehmen, die verstärkt auf Accelerated Computing setzen) sowie das spekulative Potenzial. Dem mag eine gewisse Logik zugrunde liegen, doch ist es grundsätzlich schwierig, die mittelfristigen Folgen der KI zu einem solch frühen Zeitpunkt zuverlässig zu beziffern. Darüber hinaus können Ergebnisschwankungen die Gesamterwartungen für das jeweilige Unternehmen erheblich beeinflussen. Da zuverlässige Aussagen zu den langfristigen Vorteilen der KI zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich sind, haben die Märkte einige Unternehmen unverhältnismässig belohnt.
Bei der Beurteilung der Folgen generativer KI konzentrieren wir uns auf unmittelbar zugängliche Anwendungsfälle, statt von den langfristigen Möglichkeiten zu träumen. Mehrere der Technologieunternehmen, in die wir investieren, haben neue generative KI-Funktionen in ihr bestehendes Produktangebot integriert. Dadurch sind sie dazu in der Lage, sich ihre vorhandenen Stärken (z. B. herkömmliche Fähigkeiten, Vertrieb) optimal zunutze zu machen, um ein nachhaltigeres Ertragswachstum zu erzielen.
Die Begeisterung für Unternehmen, die von generativer KI profitieren können, sollte mit einer strengen Bewertungsdisziplin einhergehen. Zudem bestehen Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit, die geschätzten KI-getriebenen Ertragssteigerungen für die einzelnen Unternehmen zu erzielen. Im Gegensatz zu anderen Investoren gestehen wir den Unternehmen nur Entwicklungen zu, die nicht nur plausibel, sondern sehr wahrscheinlich sind.
US-Aktien sind derzeit optimistisch bewertet, während Schwellenländeraktien günstiger sind, allerdings mehr Risiko mit sich bringen, was besonders für sehr dominierende Volkswirtschaften wie China gilt. Chinas Erholung von den Folgen der Coronakrise war im Vergleich zu vielen anderen Volkswirtschaften schwierig und enttäuschend. In einem so grossen Land brauchen Verhaltensänderungen und neue Ausgabengewohnheiten ihre Zeit, wir erwarten aber, dass diese sich in Branchen wie dem Detailhandel und dem Wohnungswesen langsam durchsetzen. Wir haben konservative Erwartungen zur Entwicklung in China und suchen nach Unternehmen mit einem guten Ausblick, die auch beständig und berechenbar sind.
Auch politische und geopolitische Sorgen haben sich auf die Marktrenditen niedergeschlagen. China versucht nun, sich als sicheren Hafen für ausländische Unternehmen und ausländisches Kapital zu positionieren, was im Allgemeinen auf positive Resonanz stösst. Die Marktsituation hat sich verbessert und verschiedene Faktoren wirken sich positiv auf das künftige Wachstum aus, obwohl die Risiken in China höher als in anderen Märkten bleiben. Wir überprüfen unsere Beteiligungen in China sehr genau und bewerten sie im Vergleich zu anderen Unternehmen weltweit, um sicherzustellen, dass wir unabhängig vom Standort oder vom Sektor in die besten Unternehmen investieren.
Europa muss höhere Leitzinsen, eine schwierige Energiesituation und die langsame Erholung der chinesischen Wirtschaft als eine ihrer wichtigsten Handelspartner bewältigen. Europa hat zwar Wirtschaftsförderungsmassnahmen wie den Wiederaufbaufonds beschlossen, diese verblassen aber im Vergleich zu den US-Programmen. Dennoch dämmen einige europäische Länder ihre Haushaltsdefizite wieder ein, nachdem man während der Coronapandemie die Regeln gelockert hatte. Für das Jahr 2024 bedeutet das einen harten Rückwärtskurs, da der Staat den Gürtel enger schnallt und die frühere geldpolitische Straffung ihre verspätete Wirkung zeigt. Hinzu kommt das Risiko einer Eskalation in den anhaltenden Kriegen, was die Energiepreise in die Höhe treiben könnte. Insgesamt steht Europa 2024 mit Blick auf das BIP-Wachstum Prognosen zufolge ein weiteres schwieriges Jahr bevor. Die Bewertung beginnt jedoch auf tiefem Niveau und obwohl voraussichtlich auch das Ertragswachstum schwach ausfallen wird, sollten sich einige europäische Unternehmen als widerstandsfähig erweisen. Dies gilt insbesondere für solche mit strukturellen Wachstumstreibern, die auch in einem schwachen makroökonomischen Umfeld ihre Wirkung entfalten.
Auf die Frage nach seinem Investment-Ansatz entgegnete Charlie Munger seinen berühmten Spruch, dass es «einfach, aber nicht leicht» sei. Wir stimmen Munger vollkommen zu, dass eine solide Anlageanalyse nicht leicht ist, aber mithilfe von zahlreichen Tools können wir in einem häufig von Wolken überschatteten und unsicheren Gelände unseren Weg finden. Als aktive Anleger sind wir stets um ein Gleichgewicht zwischen Risikomanagement und Chancennutzung bemüht. Wir sind mit den erzielten Ergebnissen und dem Wachstum unserer Portfoliounternehmen in diesem Jahr zufrieden, insbesondere da wir davon ausgehen, den Auftakt einer Periode mit schwächerem Wirtschaftswachstum zu erleben. Wir glauben, dass hochwertige, nachhaltige Unternehmen mit Inflationsschutz und Lösungen für ein zuverlässiges Ertragswachstum sogar attraktiver als festverzinsliche Papiere sein können, die derzeit höhere Renditen bieten. Ferner bieten sich uns weitere Chancen in den USA, wo das Unternehmertum weiter floriert und neue Unternehmen entstehen. Die Dynamik zeigt sich nicht nur in neuen Kleinunternehmen, sondern auch darin, dass grössere Unternehmen – insbesondere im Technologiebereich – zu weltweiten Champions heranwachsen.