Flash Fixed Income – Politische Krisenprämie für britische Staatsanleihen

TwentyFour
Artikel 10 Minuten

Kurz und bündig

  • Die Renditen britischer Staatsanleihen sind stark gestiegen, da Anleger eine wachsende politische Risikoprämie einpreisen: Sie befürchten, dass ein Wechsel an der Regierungsspitze die Haushaltsdisziplin aufweichen und zu einer höheren Anleihenemission führen könnte.
  • Dies ist nicht nur eine politische Frage: Ein knapper fiskalpolitischer Spielraum, hohe Emission, eine schrumpfende inländische Käuferbasis und die zunehmende Aktivität von Hedgefonds haben den Markt für britische Staatsanleihen anfälliger für Schocks gemacht.
  • Für Anleiheninvestoren ist die Neubewertung britischer Staatsanleihen eine Frage der Duration und der Risikoprämie — keine Frage des Unternehmenskredits. Druck auf Staatsanleihen infolge politischer Unsicherheit und Angebotsdynamik schlägt sich nicht automatisch in einer Verschlechterung der Kreditqualität britischer Emittenten nieder.

Die Renditen britischer Staatsanleihen sind in diesem Monat gestiegen, da die Märkte eine sich zuspitzende politische Krise verarbeitet haben. Premierminister Sir Keir Starmer muss sich nun voraussichtlich einer Führungswahl in der Labour Party stellen – ausgelöst durch die verheerenden Kommunalwahlergebnisse vom 7. Mai.

Die Renditen 10-jähriger britischer Staatsanleihen erreichten kürzlich den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise; die Renditen 30-jähriger britischer Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Ein Blick auf den Kontext lohnt sich: Warum wurde der Markt so anfällig für Schocks?

Was geschieht gerade in Grossbritannien?

Seit mehreren Monaten reagieren die Renditen britischer Staatsanleihen empfindlich auf wiederkehrende Meldungen, die darauf hindeuten, dass Starmer aus dem Amt gedrängt werden könnte.

Bis vor Kurzem war das typische Muster folgendes: Anstiege der Renditen britischer Staatsanleihen, gefolgt von einer teilweisen Erholung, wenn die Erwartungen eines unmittelbar bevorstehenden Rücktritts nachliessen – doch wurde dieses Muster durch die verheerenden Kommunalwahlergebnisse vom 7. Mai endgültig durchbrochen. Beflügelt sowohl durch das Signal, dass die Wählerschaft einen Wandel wünscht, als auch durch die Gewissheit, dass diese Ergebnisse Starmer angelastet werden können, haben Kandidaten für die Parteiführung nun offen ihren Anspruch angemeldet. In der Politik kann eine Woche eine Ewigkeit sein, doch heute herrscht ein breiter Konsens, dass Starmer im Laufe dieses Sommers aus dem Amt scheiden wird.

Anleger reagierten mit Kursverlusten auf diese Entwicklungen: Die Renditen 30-jähriger britischer Staatsanleihen erreichten am 15. Mai 5,82 Prozent – den höchsten Stand seit 1998 – und die Renditen 10-jähriger britischer Staatsanleihen (siehe Grafik 1) erreichten am selben Tag 5,17 Prozent, den höchsten Stand seit 2008.

Anleger sorgen sich um Haushaltsregeln und Emissionen britischer Staatsanleihen

Während viele einen neuen Premierminister offenbar begrüssen würden, scheint der Markt britischer Staatsanleihen dies nicht zu tun. Die vorherrschende Marktannahme lautet, dass Starmers Nachfolger eine stärker linksorientierte Politik verfolgen und eine expansivere Haushaltspolitik betreiben wird, was eine höhere staatliche Kreditaufnahme impliziert – und damit eine umfangreichere Emission britischer Staatsanleihen sowie eine mögliche weitere Neubewertung dieser Papiere.

Der vom Markt bevorzugte Kandidat, Wes Streeting, der in wirtschaftspolitischer Hinsicht weitgehend den Status quo verkörpert, scheint bei den Labour-Parteimitgliedern, die letztlich über die Parteiführungswahl abstimmen, nicht populär genug zu sein. Andy Burnham, der derzeitige Favorit, Prognosemärkte sehen ihn derzeit bei rund 50 Prozent, setzt auf ein Programm aus Reindustrialisierung, staatlicher Kontrolle zuvor privatisierter Industrien sowie dem Bau von Sozialwohnungen. Obwohl sich Burnham kürzlich öffentlich zu den Haushaltsregeln der Regierung bekannt hat, verweisen Anleger nach wie vor auf Aussagen aus dem vergangenen Jahr, wonach die Regierung «über diese Abhängigkeit von den Anleihenmärkten hinwegkommen» müsse. Zudem wird erwartet, dass die Emission britischer Staatsanleihen ausgeweitet wird, um diese Massnahmen zu finanzieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Nachfolgeprozess in der Parteiführung langwierig und unübersichtlich ist. Burnham ist Bürgermeister von Manchester, aber kein amtierendes Parlamentsmitglied (MP). Um für das Rennen um den Parteivorsitz kandidieren zu können, muss er zunächst die in Makersfield angesetzte Nachwahl gewinnen – nachdem die amtierende Labour-Abgeordnete zurückgetreten war, um ihm den Weg ins Parlament zu ebnen. Ein Sieg dort ist keineswegs sicher, da Labours bisheriger Stimmenanteil von 45 Prozent durch taktisches Wählen zwischen Anhängern von Reform UK (bisher 32 Prozent) und der Conservative Party (bisher 11 Prozent) gefährdet erscheint.

Der Markt für britische Staatsanleihen muss daher auch andere potenzielle Nachfolgekandidaten einpreisen – eine Linksverschiebung hängt nicht allein von Burnham ab. Angela Rayner, die frühere stellvertretende Premierministerin und wahrscheinlichste Alternative, gilt als Vertreterin höherer Staatsausgaben, stärkerer Umverteilung und einer stärkeren Betonung von Arbeitnehmer- und Mieterrechten. Ed Miliband, ein früherer Parteivorsitzender, hat eine klare Klima- und Netto-Null-Agenda signalisiert – verbunden mit höheren Ausgaben für erneuerbare Energien und grüne Industriepolitik.

Britische Staatsanleihen haben sich von anderen Staatsanleihenmärkten abgekoppelt

All dies hat sich vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Nahostkonflikts auf den Ölpreis abgespielt. Weltweit gestiegene Inflationserwartungen haben die Erwartungen an die Geldpolitik neu ausgerichtet und die Staatsanleihenrenditen weltweit nach oben getrieben, wie Grafik 2 zeigt.

Britische Staatsanleihen schnitten seit Jahresbeginn jedoch deutlich schlechter ab als andere Staatsanleihen der Industrieländer, selbst im Vergleich mit anderen energieimportierenden Regionen wie Europa.

Warum sind britische Staatsanleihen volatiler geworden?

Diese politischen Winkelzüge sind aufmerksam zu beobachten und haben durchaus Folgen für die Emission britischer Staatsanleihen. In früheren Zyklen lösten politische Turbulenzen jeweils nur eine kurze Volatilitätsphase aus, bevor der Markt sich wieder beruhigte."

Der Markt für britische Staatsanleihen erlebte beispielsweise keine wochenlange Instabilität, als die Konservativen 2016 den Premierminister von David Cameron zu Theresa May wechselten – und 2019 erneut zu Boris Johnson.

Warum haben britische Staatsanleihen in den vergangenen zwei Jahren empfindlicher auf Schocks reagiert als andere Anleihen aus Industrieländern? Liegt die jüngste Underperformance rein an politischer Unsicherheit?

Der erste Faktor für diese Empfindlichkeit ist der fehlende fiskalpolitische Spielraum. Die Haushaltsregeln der britischen Regierung sollen Anleger davon überzeugen, dass die Schulden unter Kontrolle bleiben und die laufenden Ausgaben nicht dauerhaft durch Kreditaufnahme finanziert werden. Die Rolle der Haushaltskontrollbehörde (OBR) ist in diesem Rahmen entscheidend, weil die Regierung ihre eigenen Hausaufgaben nicht selbst benoten darf. Sie muss Steuer-, Ausgaben- und Wachstumspläne einer unabhängigen Institution vorlegen, deren Prognosen darüber entscheiden, ob die Regeln eingehalten werden.

In seiner letzten Prognose vom November 2025 räumte die OBR der Regierung eine Wahrscheinlichkeit von 59 Prozent ein, bis 2029/30 einen laufenden Haushaltsüberschuss zu erzielen und damit die Haushaltsregel zu erfüllen — kaum eine überwältigende Sicherheitsmarge. 

Diese Wahrscheinlichkeit zählt, denn eine Haushaltsregel, die nur knapp eingehalten wird, ist anfälliger für Schocks. Höhere Inflation kann die Sozialausgaben, die Budgets der Ministerien sowie die Kosten inflationsindexierter Schulden in die Höhe treiben. Schwächeres Wachstum schmälert die Steuereinnahmen. Diese Belastungen stehen zudem in Wechselwirkung miteinander. Höhere Renditen auf britische Staatsanleihen erhöhen die Zinskosten für Staatsschulden. Ein Renditeanstieg verschlechtert die Haushaltsmathematik, was den fiskalpolitischen Spielraum verringert, was Anleger nervöser hinsichtlich künftiger Kreditaufnahmen macht, was die Renditen erneut nach oben treiben kann.

Wer kauft das erhöhte Angebot britischer Staatsanleihen?

Die zweite Quelle der Anfälligkeit liegt darin, einen Abnehmer für ein allfällig erhöhtes Angebot an britischen Staatsanleihen zu finden. Die Unterlagen der OBR vom März 2026 zeigen, dass die Netto-Finanzverbindlichkeiten des öffentlichen Sektors voraussichtlich kurz unter 83 Prozent des BIP in 2027/28 ihren Höchststand erreichen und anschliessend zurückgehen. Die Nettoverschuldung wurde Ende März 2026 auf 93,8 Prozent des BIP geschätzt – ein Niveau, das zuletzt in den frühen 1960er-Jahren verzeichnet wurde. Grossbritannien muss ein grosses Volumen an britischen Staatsanleihen am globalen Markt platzieren, auf dem nahezu jede Regierung eines entwickelten Landes Anleger um mehr Kapital bittet. 

Die Platzierung dieser Emissionen ist schwieriger, wenn die inländische Käuferbasis weniger gebunden ist als früher. «Defined Benefit»-Pensionspläne waren traditionell natürliche Käufer langlaufender britischer Staatsanleihen, insbesondere über Liability-Driven-Investment-Strategien. Diese Nachfrage war relativ preisunempfindlich: Die Pläne hielten britische Staatsanleihen, weil diese ihren Verbindlichkeiten entsprachen, und die britische Schuldenmanagementbehörde (DMO) legte ein Emissionsprogramm auf, das dieser strukturellen Nachfrage Rechnung trug. Da die Pläne jedoch reifen und in Richtung Buyout tendieren – also ihre Verbindlichkeiten auf Versicherungsgesellschaften übertragen –, werden ihre Positionen in langlaufenden britischen Staatsanleihen abgelöst. An ihre Stelle tritt ein breiterer Anlagemix der Versicherer.

Grafik 3 zeigt den wachsenden Abstand zwischen der Rendite 30-jähriger und 10-jähriger britischer Staatsanleihen über die vergangenen zwei Jahre. Der Renditeaufschlag zwischen 10- und 30-jährigen britischen Staatsanleihen verringerte sich im März teilweise. Die Aussicht auf Zinserhöhungen, ausgelöst durch Inflationssorgen zu Beginn des Iran-Konflikts, drückte auf die Renditen 10-jähriger Anleihen. In den vergangenen Wochen setzte sich der Aufwärtstrend jedoch fort, da Anleger die politische Risikoprämie in die Renditen 30-jähriger britischer Staatsanleihen einpreisten.

Haben britische Staatsanleihen ein Hedgefonds-Problem?

Das DMO hat die durchschnittliche Laufzeit seiner Emissionen verkürzt, um dieser veränderten Nachfrage besser Rechnung zu tragen; dennoch finden lang laufende britische Staatsanleihen nach wie vor vergleichsweise wenig Abnehmer. Die im April durchgeführte Syndizierung einer neuen 10-jährigen britischen Staatsanleihe brachte GBP 15 Milliarden aus 281 Geboten ein; auf internationale Anleger entfielen dabei über 25 Prozent der Zuteilungen, gegenüber rund 10 Prozent vor Beginn der quantitativen Straffung (QT) durch die Bank of England (BoE) im Februar 2022. Nachfrage lässt sich finden, doch der Marktpreis könnte weiter steigen. Gleichzeitig ist die BoE kein Käufer mehr, der die Laufzeitprämie nach unten drückt; durch die quantitative Straffung gibt sie dem Markt Duration zurück, während die inländische Käuferbasis schrumpft.

Schliesslich ist festzuhalten, dass Hedgefonds zur dominierenden Kraft im täglichen Handel mit britischen Staatsanleihen geworden sind. Daten elektronischer Handelsplattformen zeigen, dass Hedgefonds mittlerweile rund 60 Prozent der Handelsvolumen in britischen Staatsanleihen abdecken – gegenüber 53 Prozent Ende 2023, ein Wert, den BoE-Gouverneur Andrew Bailey selbst als potenzielle Quelle von «Liquiditätsstress» bezeichnet hat. Die BoE berichtet, dass eine kleine Anzahl von Hedgefonds mehr als 90 Prozent der Netto-Repo-Kreditaufnahme in britischen Staatsanleihen auf sich entfallen. Diese Marktteilnehmer stellen in ruhigen Märkten Liquidität bereit, können ihre Positionen in Stressphasen jedoch rasch abbauen oder umkehren – was Kursbewegungen genau dann verstärkt, wenn Stabilität am meisten zählt. 

Unseres Erachtens hat sich die Käuferbasis für britische Staatsanleihen grundlegend gewandelt: von überwiegend preisinsensitiven, inländischen und langfristig orientierten Investoren hin zu überwiegend preissensitiven, fremdfinanzierten und kurzfristig ausgerichteten Marktteilnehmern. In diesem Kontext spielt Starmers Schicksal eine entscheidende Rolle. Der Markt für britische Staatsanleihen preist keinen unmittelbaren Zahlungsausfall Grossbritanniens ein. Grossbritannien verschuldet sich in eigener Währung, verfügt über gefestigte Institutionen, eine unabhängige Zentralbank und eine lange Geschichte der Erfüllung seiner Verbindlichkeiten. Doch Anleger fragen sich, ob das politische System die Beschränkungen akzeptieren wird, die nötig sind, um die Schuldenquote auf einen tragfähigen Kurs zu bringen. 

Der Markt befürchtet ein erneutes «Truss Tantrum»

Die politische Volatilität dürfte künftig sowohl eine Ober- als auch eine Untergrenze haben. Der Markt erwartet bereits, dass Starmer abgelöst wird, was den Überraschungseffekt weiterer Schlagzeilen begrenzt – doch die Nachwahl und die Führungsnachfolge in der Partei bedeuten, dass sich die Unsicherheit nicht rasch auflösen kann. Der Prozess zur Wahl der neuen Parteiführung kann erst nach der Nachwahl beginnen, die voraussichtlich am 18. Juni stattfindet. Der Markt für britische Staatsanleihen wird frühestens im Juli wissen, wer der nächste Premierminister Grossbritanniens sein wird. 

In unserem kurzen Rückblick auf britische Regierungswechsel haben wir die kurze Amtszeit von Liz Truss ausgelassen. Die Mini-Budget-Krise von 2022 löste eine Aufwärtsspirale bei den Renditen britischer Staatsanleihen aus, die ein Eingreifen der BoE erforderte. Letztlich sind zu viele Faktoren im Spiel, als dass irgendjemand mit Sicherheit sagen könnte, was der Markt für britische Staatsanleihen derzeit einpreist – doch unseres Erachtens fürchtet der Markt eine Neuauflage dieser Situation. 

Unseres Erachtens würde ein neuer Premierminister, der die Haushaltsregeln lockert, die oben beschriebenen Probleme verschärfen – durch ein höheres Angebot in einem Markt, dem es bereits an nicht preissensibler Nachfrage mangelt. Allerdings können wir uns kaum vorstellen, dass die Signale des Anleihenmarkts vollständig ignoriert werden. Ob in Gesprächen mit Hedgefonds, um die Stimmung zu möglichen Kandidaten für das Amt des Schatzkanzlers zu sondieren, durch eine Neuausrichtung früherer Aussagen zum Anleihenmarkt oder durch das Bekenntnis zu den Haushaltsregeln – die Kandidaten senden klare Signale. Sie verstehen, welche Zwänge der Markt für britische Staatsanleihen ihren politischen Programmen auferlegen kann. Niemand möchte wegen eines Renditeanstiegs aus dem Amt gedrängt werden. 

Wenn unsere Einschätzung zutrifft, dürfte die mit dem neuen Regierungschef verbundene Erwartung höherer Emissionen britischer Staatsanleihen sinken – und damit auch die sogenannte «Teufelskreis»-Prämie zurückgehen. Allerdings möchten wir darauf hinweisen: Würde eine Ausgabenerhöhung durch Steuererhöhungen finanziert und blieben die Netto-Emissionen britischer Staatsanleihen damit konstant, hätte dies andere Auswirkungen auf die Märkte. Eine solche Ausweitung des Staatssektors wäre typischerweise inflationär, was sowohl das Pfund Sterling als auch britische Staatsanleihen belasten dürfte. Auch die Wachstumsfolgen werden entscheidend sein angesichts des schwierigen Gleichgewichts zwischen Staatsausgaben und Steuereinnahmen.

Drei Schlussfolgerungen für Anleger

Für Anleiheninvestoren lautet unsere wichtigste Schlussfolgerung nicht, dass britische Staatsanleihen nicht investierbar sind. Bei diesen Renditen sind britische Staatsanleihen attraktiv bewertet. Das Risiko eines weiteren Kursrückgangs muss jedoch bewusst eingegangen werden. Am langen Ende der Zinsstrukturkurve spiegeln sich fiskalische Glaubwürdigkeit, Inflationsunsicherheit und das Angebot an Duration am direktesten wider. Kürzer laufende britische Staatsanleihen bleiben enger an den erwarteten Zinspfad gebunden. 

Unser zweites Fazit lautet, dass Staatsanleihen nicht immer als Absicherung des Portfolios dienen können, wie es Anleger in der Ära der quantitativen Lockerung (QE) gewohnt waren. Bei einem desinflationären Schock könnten britische Staatsanleihen noch zulegen. Steigert ein Schock jedoch die Inflationserwartungen oder verstärkt er die Zweifel an der Haushaltsnachhaltigkeit, können die Renditen steigen, während Risikoanlagen gleichzeitig fallen. Genau das macht den jüngsten Zeitraum so unangenehm. Politisches Risiko, Energierisiko und Angebotsrisiko wiesen für britische Staatsanleihen alle in dieselbe Richtung.

Unsere dritte Schlussfolgerung lautet, dass sich Druck auf Staatsanleihen nicht direkt auf britische Unternehmensanleihen überträgt. Ein durch Laufzeitprämie, Emission oder politische Unsicherheit ausgelöster Kursrückgang bei britischen Staatsanleihen ist eine Neubewertung staatlicher Duration – kein direktes Urteil über die Bonität von Unternehmen. Viele britische Anleihenemittenten sind globale Unternehmen, Banken und Versicherungen mit diversifizierten Ertragsquellen, solider Liquidität und Zugang zu internationalen Kapitalmärkten. Ihre Cashflows sind nicht schlicht eine Funktion der britischen Haushaltspolitik. Höhere Staatsanleihenrenditen können zwar die Gesamtfinanzierungskosten erhöhen, implizieren aber nicht automatisch eine Verschlechterung der Kreditqualität.

 

 

 


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