Flash Fixed Income: Fünf eindrucksvolle Grafiken aus 2025

TwentyFour
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Kurz und bündig

  • Diese fünf Grafiken zeigen einige der wichtigsten Trends, die wir 2025 besonders verfolgt haben und von denen wir annehmen, dass sie für Investoren im Jahr 2026 relevant sein werden.
  • Der Markt für Hochzinsanleihen in britischen Pfund ist geschrumpft, der japanische Yen hat sich von Staatsanleihen entkoppelt und die Zuwanderung ist in den entwickelten Volkswirtschaften stark zurückgegangen.
  • Erhöhte Renditen haben zu Rekordzuflüssen in Anleihen-Fonds geführt, insbesondere bei Mandaten mit kurzen Laufzeiten, und es mehren sich die Anzeichen für eine «K-förmige Wirtschaft».

Es liegt in der Natur der Finanzmärkte, dass die Trends und Risiken, auf die Investoren zu Jahresbeginn achten, selten dieselben sind wie jene, auf die sie zum Jahresende ihren Fokus richten. Nachfolgend eine Auswahl an Grafiken zu zentralen Entwicklungen, die wir 2025 beobachtet haben und die unseres Erachtens für Investoren im Hinblick auf 2026 relevant sein werden.

Der schrumpfende GBP-Hochzins-Markt

Der Der Markt für Hochzinsanleihen in britischen Pfund zählt häufig zu unseren bevorzugten Bereichen für gezieltes Rosinenpicken, da er im Vergleich zu seinen Pendants in Euro und US-Dollar einen relativ hohen Renditevorteil (derzeit etwa 130 Basispunkte) bietet. Dies ist vor allem auf die Marktgrösse des GBP-Hochzins-Markts im Verhältnis zu den EUR- und USD-Hochzins-Märkten zurückzuführen, wobei der Markt zu Recht eine Liquiditätsprämie auf GBP-Anleihen unter Investment Grade (IG) verlangt. In der Folge beobachten wir oft einen besseren währungsbereinigten Relativwert in der GBP-Verschuldung eines Emittenten im Vergleich zur Nicht-GBP-Verschuldung desselben Emittenten.

Ein Trend, den wir im Hochzins-Bereich in den letzten Jahren besonders beobachtet haben, ist der Rückgang des Nominalvolumens in den von uns analysierten entwickelten Märkten. So erreichte der EUR-Hochzins-Markt Anfang 2022 mit rund EUR 470 Mrd. seinen Höchststand, schrumpfte jedoch bis Anfang 2025 auf etwa EUR 360 Mrd. zurück. Wir hatten angesichts des im Jahresverlauf gestiegenen Nettoangebots mit einem erneuten Anstieg gerechnet, der auch eingetreten ist, doch liegt das Gesamtvolumen des EUR-Hochzins-Marktes heute immer noch rund 17 Prozent unter dem Höchststand. Der Rückgang im GBP-Hochzins-Markt fällt dabei noch drastischer aus – von ehemals fast GBP 50 Mrd. ist das Marktvolumen in den vergangenen vier Jahren um ganze 35 Prozent gesunken (siehe Grafik 1).

Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass Anleiheemittenten auf Kredite umsteigen, zum Teil darauf, dass «Rising Stars» von Hochzins- zu IG-Ratings hochgestuft werden und dies die Anzahl der «Fallen Angels», die den umgekehrten Weg gehen, übersteigt, sowie auf mehrere Restrukturierungen bei grösseren GBP-Hochzins-Emittenten wie GFK, Ardagh und Thames Water. Interessanterweise wächst der nordische Hochzins-Markt derzeit stark und hat das GBP-Hochzins-Segment inzwischen in Bezug auf die Grösse überholt – vielleicht ist jetzt also «dags att fiska» (Schwedisch für: Zeit zu angeln).

 

 

Japans fiskalische Irrationalität trifft auf die Realität der Märkte

Japan steht wieder im Fokus, seit das Kabinett von Premierministerin Sanae Takaichi Ende November ein Konjunkturpaket in Höhe von USD 135 Mrd. verabschiedet hat, um die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. Bei bereits erhöhter Inflation und der höchsten Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP innerhalb der G7 haben die Märkte reagiert: Japanische Staatsanleihen wurden abverkauft, und die Rendite für zehnjährige Anleihen nähert sich nach einem Anstieg um mehr als 80 Basispunkte seit Jahresbeginn nun der 2-Prozent-Marke. Der japanische Yen, traditionell eine sichere Währung, bewegte sich historisch im Gleichklang mit dem Renditeaufschlag zwischen japanischen und US-Staatsanleihen.

Doch wenn die fiskalische Expansion immer aggressiver wird, rückt die Politik selbst in den Mittelpunkt – und diese Beziehung brach schliesslich im Jahr 2025 (siehe Grafik 2). Japan sieht sich nun mit stark steigenden Anleiherenditen konfrontiert, die weiter steigen dürften, sofern die Bank of Japan nicht erneut zur Steuerung der Zinskurve übergeht oder die quantitative Lockerung ausweitet – beides birgt jedoch das Risiko einer weiteren Yen-Abwertung. Die Alternative wäre eine Intervention am Devisenmarkt durch den Verkauf von Reserven (hauptsächlich US-Staatsanleihen), was angesichts der beträchtlichen Bestände Japans den US-Markt erschüttern könnte.

 

 

Auswirkungen der Migration

In den vergangenen Jahren sind die Migrationszahlen in vielen entwickelten Volkswirtschaften stark zurückgegangen; die Auswirkungen auf die Nettozuwanderung im Vereinigten Königreich sind ein besonders deutliches Beispiel (siehe Grafik 3). Nach dem Anstieg der Migration nach der Covid-Pandemie, der unter anderem durch eine Rekordzahl an Menschen verursacht wurde, die aufgrund geopolitischer Konflikte ihr Herkunftsland verlassen mussten, hat sich das Thema zunehmend politisiert. Die Regierungen haben darauf reagiert, indem sie die Regelungen darüber, wer sich in ihren Ländern niederlassen darf, weiter verschärft haben.

Abgesehen von den sozialen Folgen stellt dies aus ökonomischer Sicht eine bedeutende Veränderung dar – insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit hartnäckigen und überwiegend über dem Ziel liegenden Inflation. Da das Angebot an überschüssigen Arbeitskräften schrumpft, besteht erhebliche Unsicherheit darüber, welche Auswirkungen der Rückgang der Migration auf das potenzielle BIP-Wachstum und das Lohnwachstum in den kommenden Jahren in den entwickelten Märkten haben könnte.

 

 

Mittelzuflüsse stehen im Mittelpunkt

Europäische Investment-Grade-Anleihen verzeichneten laut Barclays Research im bisherigen Jahresverlauf rekordhohe Zuflüsse von EUR 53,4 Mrd., was nahezu 12 Prozent der zum Jahresbeginn verwalteten Vermögenswerte der Stichprobe entspricht (siehe Grafik 4). Damit ist 2025 das stärkste Jahr für europäische IG-Fondszuflüsse seit 2008.

Der Anstieg wurde vor allem durch Mandate mit kurzer Duration mit historisch attraktiven All-in-Renditen sowie Umschichtungen von Anlegern aus Bargeld und Aktien getrieben. Robuste Unternehmensbilanzen und die Erwartung eines günstigen Kreditzyklus haben die Nachfrage zusätzlich gestützt.

Diese Zuflüsse, kombiniert mit Coupon-Reinvestitionen und insgesamt hohen Barbeständen der Investoren, haben geholfen, das bisher im Jahr 2025 emittierte Nettoangebot zu absorbieren. Infolgedessen hat sich der ICE BofA Euro Corporate Index seit Jahresbeginn um 26 Basispunkte verengt.

 

 

Die K-förmige Wirtschaft

Eine Entwicklung, die in den letzten Monaten stark an Bedeutung gewonnen hat, ist die «K-förmige Wirtschaft» – eine zunehmende Divergenz zwischen der wirtschaftlichen Situation von höheren und niedrigeren Einkommensgruppen.

Der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, sprach auf der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung im Oktober dieses Thema an: «Wenn Sie die Finanzberichte grosser, börsennotierter und konsumentenorientierter Unternehmen verfolgen, sagen viele von ihnen, dass es eine zweigeteilte Wirtschaft gibt. Konsumenten am unteren Ende haben zu kämpfen, kaufen weniger und wechseln zu günstigeren Produkten. Am oberen Ende hingegen wird weiterhin konsumiert, bei höheren Einkommen und Vermögen.»

Diese Divergenz zeigt sich eindeutig in der Kreditperformance von Prime- und Sub- bzw. Near-Prime-Kreditnehmern, etwa bei britischen Autokrediten (siehe Grafik 5).

Near-Prime macht zwar nur etwa 3 Prozent des britischen Autokreditmarkts aus, dennoch lässt sich dieser Punkt auf verschiedene Weise belegen, da sich der Trend in den Ausfall- und Zahlungsverzugsraten über verschiedene Kreditarten und mehrere entwickelte Märkte hinweg widerspiegelt.

Das untere Ende der Einkommensverteilung steht unter Druck. Höhere Zinsen und Inflation, gepaart mit fehlendem Immobilienbesitz oder Aktienanlagen, schaffen ein schwieriges Umfeld für Haushalte mit geringerem Einkommen. Auch wenn sich diese Schwäche nicht in den aggregierten Zahlen widerspiegelt, ist der Nachweis einer zunehmend K-förmigen Wirtschaft eindeutig.

 

 

 

 

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