Swiss Equities Outlook: Die Kleinen kommen gross raus

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Schweizer Aktienanleger sollten auf Unternehmen setzen, die über globale Marktführerschaft, Innovationskraft und eine gesunde Bilanz verfügen. Gut geführte Schweizer Nebenwerte könnten 2021 zu den vielversprechendsten Renditeträgern gehören.

Dank der raschen Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 dürfte die Pandemie ihren Schrecken verlieren. Dennoch wird 2021 ein Jahr mit grossen Unsicherheiten und Veränderungen. Um ein solches Umfeld zu meistern, lohnt sich ein Blick auf Schweizer Nebenwerte. Sie mögen zwar von der Pandemie besonders in Mitleidenschaft gezogen worden sein, konnten sich aber deutlich schneller als der Gesamtmarkt wieder erholen.

Nebenwerte sind unterschätzt

Somit könnten Schweizer Nebenwerte zu den vielversprechendsten Renditeträgern im nächsten Jahr zählen. Sie fristen am Aktienmarkt meist ein Mauerblümchendasein, denn sie stehen im Schatten globaler Riesen wie Nestlé, Roche und Richemont. Allerdings zu Unrecht, denn ihre langfristige Performance muss sich, verglichen mit den Indexschwergewichten, keineswegs verstecken. Im Gegenteil - über die letzten 25 Jahre weist das Mid-und-Small-Cap-Segment eine Rendite von über 1’000% auf, was mehr als doppelt so hoch ist im Vergleich zur Entwicklung des Schweizer Gesamtmarktes.

Dieser Erfolg rührt daher, dass viele Schweizer Nebenwerte gut geführt sind, über starke Marken verfügen und eine klare langfristige Unternehmensstrategie verfolgen. Zudem weisen sie eine hohe Innovationskraft und vielfach starke Bilanzen mit einer tiefen Verschuldung auf. Aus dieser Kombination entstehen hochwertige Produkte und Dienstleistungen, die auf der ganzen Welt grossen Anklang finden.

Es ist Unternehmen aus den verschiedensten Industriezweigen so über die letzten 20 Jahre gelungen, globale Marktführerschaft zu erlangen. Beispiele hierfür sind Ems-Chemie, Sonova und Schindler. Ursprünglich waren die Unternehmen mit Schweizer Wurzeln meistens nur im eignen Land oder allenfalls noch im benachbarten Europa tätig. Mit der Zeit wagten sie dank einer erfolgreichen Geschäftstätigkeit den Schritt in andere Länder. Neben verkaufstechnischer Präsenz ist seit mehreren Jahren der Trend auszumachen, die eigenen Produktionsstätten in die Nähe des Kunden zu verlagern. Gerade zu Beginn 2020 mit Ausbruch der Corona Krise war eine lokale Präsenz aufgrund globaler Lieferschwierigkeiten ein zentrales Erfolgsrezept. Der Trend zu lokalem Sourcing dürfte in der Zeit nach der Pandemie bestehen bleiben.

Zyklisch, aber widerstandsfähig

Das Schweizer Nebenwertesegment ist stark von der Exportwirtschaft abhängig und deutlich zyklischer als der defensiv geprägte Schweizer Gesamtmarkt ausgerichtet. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Obwohl viele Schweizer Unternehmen in den letzten zehn Jahren sehr erfolgreich in den Schwellenländern tätig waren, ist Europa neben den USA sowie China immer noch der wichtigste Handelspartner. Allein die Exporte in das benachbarte Bundesland Baden-Württemberg beliefen sich 2019 auf das gleiche Volumen wie die Exporte nach China. Daher stehen und fallen die Aussichten der Schweizer Small und Mid Caps mit der wirtschaftlichen Gesundheit ihrer Handelspartner.

Weiterhin hat der zyklische Charakter des Nebenwertesegments zur Folge, dass eine Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums die Aktienkurse kleiner und mittelständischer Unternehmen stärker in Mitleidenschaft zieht als das stabilere Schweizer Blue-Chips-Segment. So schnitten die Swiss Mid & Small Caps von September bis Dezember 2018 im Vergleich zum Schweizer Gesamtmarkt um 12% schlechter ab, als dass das Marktgeschehen durch die Unsicherheiten um den Handelskrieg zwischen den USA und China negativ geprägt war. Ähnlich erging es ihnen im ersten Quartal 2020. Aufgrund von COVID-19 büssten Schweizer Mid und Small Caps in den ersten 10 Wochen 2020 um über 25% an Wert ein, was einer unterdurchschnittlichen Leistung im Vergleich zum SPI von knapp 8% entspricht. Anderseits begünstigt die zyklische Ausrichtung eine zügige Erholung. So haben die Schweizer Nebenwerte zwischen Ende März und Anfang Dezember 2020 um mehr als 40% an Wert zugelegt und den Gesamtmarkt stark übertroffen.

Auch wenn die Gewinne für das gesamte Schweizer Nebenwertesegment 2020 um geschätzte 24% schrumpfen dürften, sind für die kommenden zwei Jahre über alle Sektoren hinweg wieder deutlich zweistellige Wachstumsraten möglich. Für 2021 ist ein Gewinnwachstum von leicht über 25% zu erwarten, welches von 15-20% im Jahr 2022 gefolgt sein dürfte.

Gute Aussichten in verschiedenen Branchen

Im Biotechnologiesektor dürfte beispielsweise Indorsia 2021 auf ein bedeutendes Jahr blicken, da die Firma den wichtigen Schritt hin zur Kommerzialisierung der ersten Produkte machen sollte. Ausserdem ist im 1. Quartal die FDA-Zulassung des Multiple-Sklerose-Medikamentes Ponesimod zu erwarten, das von Johnson & Johnson auf den Markt gebracht wird. Zudem könnte gegen Ende 2021 auch die Zulassung des Schlafmittels Daridorexant in den USA erfolgen. Mit der Verbuchung der ersten Umsätze sollte das Geschäftsmodell des Unternehmens als weniger risikoreich eingestuft werden.

Der Flughafen Zürich hat sehr schwierige Monate hinter sich. Nachdem 2019 mit 31.5 Millionen Passagieren noch ein neuer Rekord erreich werden konnte, sind die Zahlen seit Ausbruch der Pandemie zusammengebrochen. Eine Normalisierung der Passagierzahlen auf das Niveau von 2019 dürfte erst gegen 2024 möglich sein. Dennoch ist das Unternehmen gut positioniert, um sich schnell von der Krise zu erholen. Hierfür spricht die starke Bilanz, die transparente Gebührenregelung für die nächsten fünf Jahre sowie die Diversifikation der Erträge, wodurch 25% der zukünftigen Erträge unabhängig von der Passagieranzahl sind.

Der Weltmarktführer für Premiumschokolade Lindt & Sprüngli dürfte für die zweite Jahreshälfte 2020 eine deutlich bessere Geschäftsentwicklung vermelden können, da weltweit die Detailhändler rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft und im ähnlichen Ausmass wie im Vorjahr bestellt haben. Weiterhin weisen die monatlichen Verkaufsindikatoren des Marktforschungsinstitutes Nielsen auf ein solides Wachstum zum Vorjahresvergleich hin. Ausserdem hat Lindt & Sprüngli aufgrund der starken Bilanz und stabilen Cashflows die Krise genutzt, um mit einer fokussierten Marketingstrategie Marktanteile zu gewinnen.

 

 

 

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