Conviction Equities
Konzentrierte, fundamental abgestützte High-Conviction-Aktienportfolios, verwaltet von vier Spezialisten-Teams für Schwellenländer, Impact-Anlagen, thematische Anlagen und die Schweiz.
Nach einem Jahrzehnt, in dem die Effizienzfortschritte das zugrunde liegende Wachstum übertrafen, steigt die globale Stromnachfrage erneut. Und das Zeitalter der Elektrizität hat gerade erst begonnen. Die Elektrifizierung von Verkehr, Wärmeversorgung und Industrie sowie der rasante Ausbau der Rechenzentren gestalten die Energielandschaft grundlegend um. Dieser strukturelle Wandel eröffnet erhebliche Anlagechancen. Gleichzeitig treten kritische Schwachstellen in der Strominfrastruktur immer deutlicher zutage, die unseres Erachtens nicht länger ignoriert werden können.
Stromnetze sind unverzichtbar, um die Stromerzeugung mit dem Verbrauch zu verbinden und Angebot und Nachfrage in Echtzeit auszugleichen. Die meisten Netze wurden jedoch vor Jahrzehnten für zentralisierte Systeme konzipiert, die auf fossilen Brennstoffen basierten. Sie sind für den heutigen dezentralen Energiemix mit hohem Anteil erneuerbarer Energien sowie die rasch voranschreitende Elektrifizierung schlecht gerüstet. Das Wachstum bei Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Computing, das hochzuverlässige Netzanschlüsse erfordert, verschärft die Lage zusätzlich. Gleichzeitig hielten die Investitionen in Stromnetze in vielen Regionen nicht Schritt. Infolgedessen werden Stromnetze zunehmend als grösstes Hindernis für den Ausbau neuer Stromerzeugung – und damit die Dekarbonisierung und letztlich das Wirtschaftswachstum – verlangsamt.
In den westlichen Volkswirtschaften hemmten das schwache Wachstum der Stromnachfrage im vergangenen Jahrzehnt sowie der regulatorische Druck, die Tarife niedrig zu halten, die Investitionen in die Stromnetze. Infolgedessen hat ein erheblicher Teil der ist Infrastruktur seine geplante Nutzungsdauer weit überschritten. Heute sind über 70 Prozent des US-Stromnetzes mehr als 25 Jahre alt – der Grossteil wurde in den 1960er und 1970er Jahren gebaut.1 Ähnlich verhält es sich in Europa, wo rund 40 Prozent der Netze über 40 Jahre alt sind.2
Trotz zuletzt höherer Investitionsausgaben bleiben die Infrastrukturengpässe ausgeprägt. Unzureichende Übertragungskapazität führt häufig zur Abregelung erneuerbarer Energien — nämlich dann, wenn das Stromangebot die Transportkapazität des Netzes zu den Verbrauchszentren übersteigt. Zwar tritt Abregelung häufiger in Energiesystemen mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien auf, doch unzulängliche Netze und mangelnde nachfrageseitige Flexibilität verschärfen das Problem zusätzlich.
Gleichzeitig wachsen die Anschlusswartelisten für neue Energieprojekte weiter. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) warten weltweit derzeit mehr als 2500 Gigawatt an Projekten aus den Bereichen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, industrielle Grossabnehmer und Speicherung auf den Netzanschluss.3 Immer längere Lieferzeiten, steigende Ausrüstungskosten und Inflation engen die Budgets zusätzlich ein und vergrössern die Lücke zwischen Investitionsvolumen und tatsächlichem Netzausbau.
Netzinstabilität kann zu Stromausfällen, Netzunterbrechungen und weitreichenden wirtschaftlichen Störungen führen. Veraltete Anlagen erhöhen thermische und magnetische Verluste. Fehlerhafte Messung, Ineffizienzen und Stromdiebstahl belasten die Finanzen der Versorgungsunternehmen, was letztlich zu höheren Tarifen für die Verbraucher führen kann. Der Klimawandel verschärft diese Risiken. Häufigere Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme belasten Stromnetze zusätzlich, die für solche Bedingungen nicht ausgelegt wurden, und unterstreichen damit die Dringlichkeit resilienzorientierter Investitionen.
Darüber hinaus ist Resilienz zu einer sicherheitspolitischen Notwendigkeit geworden, angetrieben und verstärkt durch die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten (Unsere Welt im Umbruch erfordert Energie-Eigenständigkeit). Stromnetze bilden das Fundament wesentlicher Dienstleistungen, militärischer Operationen und digitaler Infrastruktur. Daher haben viele Länder Initiativen gestartet, die auf Netzstärkung und Speicherausbau sowie auf schnellere Genehmigungsverfahren und verbesserte Cybersicherheit ausgerichtet sind. Ein stärkerer Schutz vor physischen und Cyber-Bedrohungen dürfte die Anfälligkeit gegenüber Preisschocks und das Risiko von Versorgungsunterbrechungen verringern.
Wenig überraschend bietet die Netzmodernisierung erhebliche Wachstumschancen. Die Ausgaben steigen von einem niedrigen Ausgangsniveau, und derzeit fliesst ein grosser Teil in den Ersatz alter Infrastruktur. Die Investitionen in den Netzausbau und in fortschrittliche Technologien dürften in den kommenden Jahren jedoch zweistellig zulegen. Innovative Lösungen in der Netzautomatisierung – etwa fortschrittliche Lastflusssteuerung und KI-gestützte Software – werden zunehmend unverzichtbar. Sie sichern die Zuverlässigkeit in Systemen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien und dezentraler Energieressourcen. Die Umsetzung ist jedoch komplex. Projekte können durch steigende Lohn- und Materialkosten, langwierige Genehmigungsverfahren oder lange Lieferzeiten belastet werden.
Energiespeichersysteme dürften noch rascher wachsen als die Netzinfrastruktur selbst, da Sorgen um die Versorgungssicherheit und die Nachfrage nach Netzflexibilität den Ausbau weiter vorantreiben. Ein wachsender Anteil an Solar- und Windenergie erfordert Speicherlösungen, um die Volatilität zu glätten, Notstromversorgung bereitzustellen und die Nachfrage aus den Spitzenlastzeiten zu verlagern. Auch wenn Marktdesign und Vergütungsmechanismen regional nach wie vor uneinheitlich sind, verbessern sinkende Batteriekosten die Investitionsgrundlage kontinuierlich.
Investitionen in Energienetze bleiben ein zentrales Wachstumsfeld, gestützt durch einen breiten politischen Konsens. Genehmigungsverfahren werden gestrafft, und Regulierungsbehörden passen die zulässigen Renditen an, um den Kapitaleinsatz zu fördern. Davon profitieren Versorgungsunternehmen, deren Erträge an die regulierte Vermögensbasis geknüpft sind. Höhere und besser planbare Renditen regen zusätzliche Investitionen an. Tatsächlich nehmen die Investitionsausgaben (Capex) in einem Sektor der «traditionellen» Wirtschaft zu. Die Infrastruktur dieser Branche lässt sich angesichts hoher Markteintrittskosten, strenger regulatorischer Anforderungen, mehrjähriger Bauzeiten und erheblicher ingenieurtechnischer Komplexität kaum rasch replizieren.
Ein erheblicher Teil der Investitionsausgaben (Capex) von Versorgungsunternehmen kommt direkt den Industrieunternehmen zugute, die die entsprechende Ausrüstung liefern. Darunter Hochspannungskabel, Transformatoren, Synchronkondensatoren, Leistungselektronik, Smart-Grid-Technologien sowie Mess- und netzbildende Lösungen. Da viele Netzbetreiber weltweit gleichzeitig ihre Stromnetze modernisieren wollen, steigt die Nachfrage nach der benötigten Hardware stark an, und die Auftragsbücher füllen sich.
Die Konvergenz von Elektrifizierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung treibt einen anhaltenden Investitionszyklus in Stromnetze an. Anleger, die dazu beitragen, Engpässe im Energiesystem zu beseitigen und dessen Resilienz zu stärken, treiben dessen Wandel zu einem saubereren und zuverlässigeren System voran. Darüber hinaus können sie langfristig das Potenzial für Mehrwert erschliessen.