Unsere erhitzte Welt kühlen – Klimaschutz und -anpassung in Harmonie

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Kurz und bündig

  • Durch immer häufigere und intensivere Hitzewellen werden Kühlsysteme unverzichtbar, insbesondere in Entwicklungsländern, wo die Auswirkungen des Klimawandels stärker zu spüren sind als in Industriestaaten.
  • Kühlung ist für die Anpassung notwendig, stellt jedoch zugleich eine grosse Herausforderung dar: Kühlsysteme tragen erheblich zu den Treibhausgasemissionen bei und verstärken dadurch einen Kreislauf, der die Erderwärmung weiter antreibt.
  • Wir sind überzeugt, dass effizientere Lösungen entscheidend zur Bewältigung dieses Dilemmas beitragen können. Der Einsatz innovativer Technologien, eine höhere Energieeffizienz und die Umstellung auf deutlich weniger schädliche Kältemittel können helfen, ein Gleichgewicht zwischen Anpassung und Klimaschutz herzustellen.
  • So wird Kühlung nicht nur zu einem Mittel zum Überleben, sondern auch zu einem Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Welt. Zudem eröffnen sich hier Chancen für Unternehmen ebenso wie für Anleger, sowohl vom Wachstum der Nachfrage nach Kühlungssystemen als auch vom damit einhergehenden Effizienzschub zu profitieren.

 

In unserem Anfang des Jahres veröffentlichten Viewpoint «Ist es Zeit, sich anzupassen?»1 haben wir die wachsende Bedeutung von Anpassungsmassnahmen als Reaktion auf die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen hervorgehoben. Angesichts der steigenden Temperaturen auf unserem Planeten interessieren sich natürlich viele Anleger für Unternehmen, die Lösungen für diese Herausforderungen anbieten. Wir halten es jedoch für wichtig, sich an eine alte Weisheit zu halten: Vorbeugen ist besser als heilen. Anpassung ist zwar unverzichtbar, doch auch die Eindämmung des Klimawandels und die Dekarbonisierung der Wirtschaft bleiben entscheidend, um eine nachhaltige Zukunft zu sichern. Mit der Fortsetzung unserer Viewpoint-Reihe darüber, wie Klimaschutz und -anpassung ineinandergreifen und gemeinsam zu einer nachhaltigeren Welt beitragen, widmen wir uns nun dem Thema Kühlung.

Kühlung ist mehr als ein Luxus

In diesem Jahr haben wir einen weiteren Rekordsommer mit zwei grossen Hitzewellen Mitte Juni und von Ende Juni bis Anfang Juli erlebt. Dies hat erneut das beispiellose Tempo der globalen Erwärmung verdeutlicht. Mit zunehmender Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen wird Kühlung zur Notwendigkeit – besonders in Asien und anderen aufstrebenden Regionen, die im Vergleich zu Industriestaaten noch stärker betroffen sind. Es überrascht daher kaum, dass Singapurs erster Premierminister Lee Kuan Yew die Klimaanlage einst als «die grösste Erfindung des 20. Jahrhunderts»2 bezeichnete. Angesichts der fortschreitenden Erderwärmung dürfte Kühlung künftig immer wichtiger werden, um die Gesundheit der Menschen zu schützen und belastbare Lieferketten in den Bereichen Lebensmittel und Medikamente sicherzustellen.

Ein zweischneidiges Schwert

Kühlung ist für die Anpassung notwendig, stellt jedoch zugleich eine riesige Herausforderung dar: Kühlsysteme tragen erheblich zu den Treibhausgasemissionen bei und verstärken dadurch einen Kreislauf, der die Erderwärmung weiter antreibt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) macht Kühlung bereits heute rund 10 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs aus.3 Dieser Anteil dürfte in den kommenden Jahren deutlich steigen, da sich der Bedarf bis 2050 voraussichtlich verdreifachen wird.

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Darüber hinaus kommt es im Sommer zu enormen Spitzenlasten beim Stromverbrauch für Kühlung. Da Sonnenschein und Kühlbedarf eng korrelieren, können erneuerbare Energien einen Teil dieses Bedarfs decken. Allerdings werden weiterhin fossile Energieträger wie Kohle und Gas benötigt, was zu einem Teufelskreis aus Erwärmung und Emissionen führt.

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Auch die Anschaffungskosten von Kühlsystemen sind ein Problem: In Schwellenländern dominieren oft ältere oder preisgünstige Geräte mit geringer Effizienz den Markt. In diesen werden häufig HFC-Kältemittel (Fluorkohlenwasserstoffe) eingesetzt, da die Produktionskosten niedriger und die gesetzlichen Vorgaben in diesen Regionen weniger streng sind als in Industrieländern. Diese Kältemittel enthalten besonders starke Treibhausgase, die während des gesamten Lebenszyklus dieser Kühlsysteme – von der Herstellung bis zur Entsorgung – freigesetzt werden. Damit verstärkt Kühlung die globale Erwärmung zusätzlich.

Wie Klimaschutz und -anpassung zusammenwirken können

Wir sind überzeugt, dass effizientere Lösungen entscheidend zur Bewältigung des Dilemmas im Bereich der Kühlung beitragen können. Es gibt zahlreiche vielversprechende und skalierbare Strategien, die den wachsenden Bedarf decken und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Umwelt minimieren können. Dafür braucht es jedoch eine ganzheitliche Perspektive, um das gesamte System zu optimieren.

Dies fängt bereits ausserhalb der Gebäude an, wo der Ausbau erneuerbarer Energien und zusätzliche Investitionen in eine intelligentere und widerstandsfähigere Netzinfrastruktur helfen können, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in Spitzenzeiten zu verringern. Innerhalb eines Gebäudes ermöglicht eine bessere Isolierung eine effektivere Regulierung der Innentemperatur, wodurch der Bedarf an zusätzlicher Kühlung sinkt. Darüber hinaus steigern intelligente Jalousien-Steuerung und zielgerichtete Belüftung die Effizienz.

Eine weitere Möglichkeit, den Klimaschutz zu fördern und den Strombedarf zu steuern, liegt in der Nachfragesteuerung und einer intelligenteren Energienutzung – etwa durch Kühlsysteme, die ihren Verbrauch in Echtzeit an den Netzbedarf anpassen können. So sinkt der Bedarf an zusätzlicher Stromerzeugung in Spitzenzeiten. Eine wichtige Voraussetzung für eine wirksame Implementierung solcher Systeme ist die Kombination von intelligenten Zählern mit fortschrittlicher Echtzeit-Datenanalyse.

Auch bei Klimaanlagen selbst sind technologische Fortschritte in der Kühltechnologie entscheidend: Inverter-Klimaanlagen mit drehzahlgeregelten Kompressoren zur dynamischen Anpassung der Kühlleistung, Zonensysteme für gezielte Kühlung sowie intelligente Anlagen, die sich dynamisch an die Bedingungen anpassen, steigern die Effizienz und senken den Energieverbrauch nachhaltig.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Ersatz von Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial durch nachhaltigere Alternativen. Hierbei kommen unter anderem Kohlenwasserstoffe wie Propan, das sich für kleinere Klimaanlagen eignet, sowie Ammoniak, das vor allem für grosstechnische Anwendungen eingesetzt wird, zum Tragen.

Nachfolgend finden Sie drei Beispiele für Anbieter, die Lösungen für die beschriebenen Herausforderungen im Bereich Kühlung anbieten:

Saint-Gobain produziert Glas, Hochleistungswerkstoffe und eine breite Palette an Baumaterialien. Seine Dämmprodukte für Gebäude – etwa Innen- und Aussenwanddämmstoffe oder doppelt und dreifach verglaste Fenster – tragen dazu bei, den Energiebedarf für Heizung und Kühlung zu senken.

Carrier bietet besonders energieeffiziente Inverter-Klimaanlagen an, die rund 30 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Systeme, da sie mit einer sensorgesteuerten Kompressordrehzahl arbeiten. Bei allen Geräten des Unternehmens kommen Kältemittel mit geringem Treibhauspotenzial zum Einsatz.

Itron entwickelt und implementiert intelligente Messsysteme, die vor allem von Versorgungsunternehmen eingesetzt werden, um Stromverbrauchsdaten zu erfassen, zu übermitteln und zu analysieren. In Kombination mit fortschrittlicher Echtzeit-Datenanalyse helfen intelligente Zähler den Kunden, ihre Stromkosten zu senken, und den Versorgungsunternehmen, Angebot und Nachfrage während Spitzenlastzeiten besser auszugleichen.

Der Weg zu nachhaltiger Kühlung

Da die Welt mit steigenden Temperaturen zu kämpfen hat, wird der Bedarf an Kühlung weiter zunehmen. Dies muss jedoch nicht zulasten unseres Planeten geschehen. Wir sind überzeugt, dass innovative Technologien, eine verbesserte Energieeffizienz und die Umstellung auf deutlich weniger schädliche Kältemittel ein Gleichgewicht zwischen Klimaschutz und -anpassung schaffen können. So wird Kühlung nicht nur zu einem Mittel zum Überleben, sondern auch zu einem Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Welt. Darüber hinaus eröffnet dies Unternehmen wie auch Anlegern die Möglichkeit, von zwei parallelen Trends zu profitieren: der wachsenden Nachfrage nach Kühlungssystemen sowie dem damit einhergehenden Effizienzschub.

 

 

 

 

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