Schweizer Anleihen: Rendite richtig beurteilt
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Kurz und bündig
- Schweizer Anleihen bieten unseres Erachtens nach wie vor historisch attraktive Verfallsrenditen.
- Noch mehr überzeugen uns die realen Renditen unter Einbezug der Kosten zur Währungsabsicherung.
- Aus den Besonderheiten des Schweizer Anleihenmarktes können Ineffizienzen resultieren, die sich durch aktives Management ausnutzen lassen.
- Die erfahrenen Spezialisten des Swiss Bonds Team wissen solche Chancen ausfindig zu machen, um in den von ihnen verwalteten Portfolios Mehrwert zu schaffen.
Dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) diesen Sommer ihren Leitzins auf null gesenkt hat, bedeutet nicht, dass Anlegen in Schweizer Anleihen uninteressant geworden ist. Im Gegenteil: Diese Anlageklasse birgt nach wie vor attraktive Chancen, vor allem im hochwertigen Segment, wie ein Blick auf die Rendite des Swiss Bond Index (SBI) zeigt. Dieser repräsentiert die an der SIX Swiss Exchange gehandelten, von in- und ausländischen Schuldnern begebenen Staats- und Unternehmensanleihen in Schweizer Franken mit Laufzeiten ab einem Jahr und einem Kredit-Rating von mindestens BBB.
Beurteilung der Rendite: nominal ≠ real
Nominal betrachtet, liegt die Verfallsrendite des SBI per Ende August 2025 über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, ist also historisch nach wie vor attraktiv. Im internationalen Vergleich der nominalen Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen weisen die USA und Deutschland aktuell höhere Werte auf. Doch auf realer Basis – also nach Abzug der Inflation – zeigt sich ein anderes Bild: Dann nämlich liegt die Schweiz im Vergleich deutlich weniger im Rückstand. Zudem sind ihre Renditen stabiler und weniger schwankungsanfällig.
Zinsschere scharf – Zinskurve steil
Zurückzuführen ist diese Rendite-Konstellation zum einen auf die Zins-Schere, zum anderen auf die Steilheit der Zinskurven. Nicht zum ersten Mal ist die Renditedifferenz zwischen der Schweiz und den USA gross, aber zwischen der Schweiz und Deutschland ist sie derzeit ungewöhnlich ausgeprägt. Gleichzeitig sind sowohl in der Schweiz als auch in den USA und der Eurozone die Zinskurven – darauf sind die Anleihenrenditen der verschiedenen Laufzeiten abgetragen – derzeit relativ steil. Daraus resultieren die Laufzeiten-Prämien, auch «Term Premium» genannt. Dieser Renditeaufschlag von langfristigen gegenüber kurzfristigen Anleihen soll Anleger für das wegen der längeren Haltedauer höhere Zinsrisiko entschädigen. Unserer Meinung nach sind die gegenwärtigen Laufzeiten-Prämien in den USA und in der Eurozone angemessen, wenn nicht sogar zu niedrig. Jene in der Schweiz hingegen erachten wir als attraktiv. Massgebend für diese Einschätzung ist die Schuldnerqualität dieser Staaten.
Schweiz als Schuldner auf solidem Fundament
In den USA stehen die Dinge derzeit nicht zum Besten: Die dortige Regierung kämpft nicht nur mit einem Fiskalproblem, sondern auch mit derart hoher öffentlicher Verschuldung, dass jüngst auch die Rating-Agentur Moody’s dem Staat die Bestnote für Kreditwürdigkeit entzog. Dazu kommen politische Risiken, einerseits durch die willkürliche Importzoll-Politik von US-Präsident Donald Trump gegenüber den weltweiten Handelspartnern der USA, andererseits durch Trumps Versuche, in die Geldpolitik der US-Notenbank Fed einzugreifen, um das Zinsniveau zugunsten des US-Wirtschaftswachstums zu drücken, obwohl die US-Inflation immer noch hoch ist.
In der Eurozone hat zum Beispiel Deutschlands neue Regierung der Schulden-Disziplin den Rücken gekehrt, während Frankreichs massiver Staatsschulden-Last auch ein ausgewechselter Premierminister noch keinen Einhalt gebieten konnte. Letzteres zog ebenfalls eine Herabstufung des Bonitäts-Ratings für das Land nach sich.
Anders die Schweiz: Sie pflegt weiterhin fiskalische Disziplin, hält die Schuldenbremse aufrecht und hat die Inflation fest, beinah zu fest, im Griff. Diese politische und wirtschaftliche Stabilität verleiht der Schweiz ihren Status als sicherer Hafen, den viele Anleger in schwierigen Zeiten wie den heutigen gerne aufsuchen.
Währungen mit einbeziehen
Um die Attraktivität von Schweizer Anleihen richtig einzuordnen, ist die Währungsabsicherung («Hedging») entscheidend. Bei Anleihen in US-Dollar und Euro frisst der «Hedging»-Aufwand einen grossen Teil der Nominalrendite auf. Unter Berücksichtigung dieser Absicherungskosten schneiden Schweizer Anleihen, real betrachtet, noch attraktiver ab. Dies bietet Anlegern mit Verbindlichkeiten in Schweizer Franken (CHF) eine besonders stabile Kaufkraftbasis.
«Spreads» ebenfalls relevant
Bei der SBI-Rendite spielt auch die «Spread»-Komponente eine wichtige Rolle. Der «Credit Spread», auch Risikoprämie genannt, ist der Renditeaufschlag zu risikoarmen Staatsanleihen oder zu den Zinssätzen der «Swaps» mit gleicher Laufzeit. In den vergangenen sechs Jahren wiesen die Rating-Klassen im SBI (AAA bis BBB) insgesamt ziemlich konstante Risikoprämien auf. Markante Ausschläge nach oben verursachten einzig der Ausbruch der Covid-Pandemie anfangs 2020 und Russlands Invasion in die Ukraine im Februar 2022. Bei Letzterer schossen die «Spreads» im BBB-Rating-Segment, das damals Russland-Anleihen enthielt, am stärksten in die Höhe. Im laufenden Jahr stiegen die Risikoprämien kurzzeitig, nachdem Trump am 2. April, den er «Liberation Day» nannte, die neuen Importzölle für US-Handelspartner verkündet hatte. Inzwischen hat sich dies mehr als normalisiert. Derzeit sind nach unserem Ermessen die Rating-Segmente BBB und A etwas teuer bewertet, aber die Segmente AA und AAA bieten attraktive Aufschläge und einen attraktiven Mehrwert für das eingegangene Risiko.
Global gut im Rennen
Wenngleich seine aktuelle Nominalrendite optisch niedrig erscheint, übertraf der SBI in den vergangenen Jahren – nach Währungsabsicherung – sowohl europäische als auch globale und sogar Schwellenländer-Anleihenindizes bei weitem. Dies unterstreicht, wie bemerkenswert stark und relativ attraktiv sich der Schweizer Anleihenmarkt ausnimmt, obwohl er um einiges kleiner ist.
Unsicherheit als Vorteil sehen
Gegenwärtig herrscht viel Unsicherheit in weltwirtschaftlicher und geopolitischer Hinsicht – angefangen bei der wankelmütigen US-Zoll-Politik, welche den weltweiten Handel auf den Kopf stellt, über den schwer abschätzbaren künftigen Pfad der Zentralbanken, die zwischen verschiedenen Wirtschaftsfaktoren einschliesslich der Währungsentwicklung gratwandern, bis hin zur zunehmenden Verschiebung im globalen Machtgefüge, wo China auf dem Vormarsch ist. Daher rührt die in letzter Zeit ausgeprägte Volatilität an den Finanzmärkten. Stärkere Preisschwankungen können aber immer auch neue Anlagechancen eröffnen. Deshalb ist es wichtig, Anleihen-Portfolios aktiv zu verwalten, um einerseits solche Chancen zu nutzen, statt vorbeiziehen zu lassen, und andererseits die Risiken gezielt zu steuern.
Markteigenheiten ausschlachten
Der Schweizer Anleihenmarkt bietet zahlreiche Chancen für aktives Management. Seine geringe Liquidität führt immer wieder zu Preis-Ineffizienzen, die passive Ansätze nicht nutzen können. Hinzu kommen strukturelle Besonderheiten wie ein hoher Index-Turnover von bis zu 40% pro Jahr sowie Marktteilnehmer, die aus regulatorischen oder strategischen Gründen nicht ökonomisch handeln.
Unserer Meinung nach sind unter diesen Umständen Expertise und Marktzugang entscheidend. Denn nur erfahrene Manager mit tiefgreifendem Kreditverständnis und direktem Zugang zu den Primär- und Sekundärmärkten können gezielt attraktive Volumina auf- und abbauen. Gerade in Phasen erhöhter Rendite- und «Spread»-Volatilität eröffnen sich besonders viele Opportunitäten, die aktive Manager wie wir mittels eines disziplinierten Prozesses flexibel nutzen können. Dies verleiht ihnen langfristig Potenzial, ihre Referenzindizes nachhaltig zu übertreffen und Anlegern einen stabilen Mehrwert zu bieten.
Fazit
In unseren Augen bleiben Schweizer Anleihen trotz ihrer momentan optisch niedrigen Renditen eine attraktive Anlageklasse. Ihre historisch gesehen relativ günstigen Verfallsrenditen, ihre stabilen realen Erträge nach Währungsabsicherung und ihre solide Schuldnerqualität machen sie interessant – nicht nur, aber vor allem im «High Grade»-Rating-Segment. Ineffizienzen im vergleichsweise wenig liquiden Markt eröffnen zusätzliches Potenzial für aktives Management.
Dank dieser Faktoren überzeugte der SBI in den letzten Jahren international und bietet Investoren auch künftig die Chance auf nachhaltigen Mehrwert – vor allem dann, wenn erfahrene Anlage-Spezialisten auf diesem Gebiet die Eigenheiten des Marktes gezielt nutzen. Gerne bieten wir unseren an Schweizer Anleihen interessierten Kunden Hand beim Verwalten ihrer Anlagen.