Risiken 2026 mit kurzlaufenden Anleihen steuern
TwentyFour
Kurz und bündig
- Kurzlaufende Anleihen bieten derzeit attraktive Anfangsrenditen in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Risiken, anhaltender Inflation und steigender Staatsausgaben
- Anleiheninvestoren können von einer steileren Zinskurve profitieren, ohne ein zu hohes Durationsrisiko einzugehen
- Wir bevorzugen eine aktive Titelauswahl im Finanzsektor, um die Erträge aus kurzlaufenden Anlagen zu ergänzen
Risiken 2026
Dieses Jahr zeichnet sich bereits als ein weiteres turbulentes Jahr für Geopolitik, Wirtschaft und Finanzmärkte ab. Die Ereignisse in Venezuela und im Iran bestimmten bislang die Schlagzeilen, doch im weiteren Jahresverlauf könnten unter anderem auch in Grönland und Kuba unterschiedliche Entwicklungen eintreten.
Die US-Wirtschaft wächst jedoch offenbar weiterhin mit rund 2 Prozent. Allerdings bestätigen aktuelle Daten, dass das unterste Fünftel der US-Verbraucher Schwierigkeiten mit Kreditkarten- und Autokreditzahlungen hat, was das BIP beeinträchtigen könnte. Die Inflation sinkt zwar, bleibt aber hartnäckig und ist deutlich langsamer zurückgegangen, als viele erwartet hätten.
Im Gegensatz dazu scheint die Verschuldung weder signifikant zu sinken noch von Politikern der G7 ernsthaft angegangen zu werden. Da die Verschuldung im Verhältnis zum BIP in den USA bis zum Ende dieses Jahrzehnts vermutlich auf etwa 130 Prozent steigen wird, könnten anhaltende Haushaltsdefizite die Rückkehr der sogenannten Bond Vigilantes begünstigen – was das Risiko einer weiteren Versteilerung der Zinskurve erhöht.
Wie können Anleiheninvestoren diese Risiken meistern und dennoch hochwertige Renditen erzielen?
Break-Even-Renditen
Kurz gesagt, sollten Anleiheninvestoren sich auf Segmente konzentrieren, die einen maximalen «Break-Even-Schutz» bieten. Wir meinen damit eine Kombination aus attraktiver Rendite oder Carry für solide Erträge, bei gleichzeitig niedriger Laufzeit, sodass Kapitalschwankungen durch Rendite- oder Spread-Volatilität minimiert werden und die Gesamterträge nicht beeinträchtigt werden, selbst wenn die Marktschwankungen die Renditen beeinflussen.
Da die Zinskurven aktuell steiler verlaufen, sollten Investoren nicht eigentlich mehr Duration eingehen? Bis zu einem gewissen Grad ja, aber angesichts der genannten Risiken einer weiteren Versteilerung der Zinskurve empfehlen wir Investoren, die Kapitalrisiken höherer Duration weiterhin mit Vorsicht zu betrachten. Einer der Vorteile einer steiler werdenden Zinskurve ohne zu hohe Duration ist das sogenannte «Roll-Down»: Allein der Zeitablauf erhöht die Rendite, weil die Anleihenrenditen im Zeitverlauf sinken und dies zu zusätzlichen, moderaten Kursgewinnen neben der attraktiven Anfangsrendite führt.
In den letzten zwei Jahren war eine deutliche Versteilerung der Zinskurve zu beobachten (siehe Grafik 1), wobei die US-, die britische und die deutsche Zinskurve sich jeweils um den Zweijahrespunkt drehten. Die britische Zinskurve (blaue Linien) zeigte, dass langlaufende Renditen von einem niedrigeren Niveau als die US-Renditen (rote Linien) inzwischen auf ein höheres Niveau gestiegen sind. Da die Kosten für Währungsabsicherung von GBP auf USD praktisch bei null liegen, erscheinen britische Staatsanleihen nun auch aus Bewertungssicht attraktiver.
Zum Teil war es dieser vorherigen Versteilerung der Zinskurve zu verdanken, dass der ICE/BAML-Index im Jahr 2025 eine Rendite von 5,49 Prozent erzielte, obwohl die Anfangsrendite zu Beginn des Jahres 2025 nur 4,33 Prozent betrug. Bei kurzlaufenden Anleihen setzt sich die Gesamtrendite in einem Kalenderjahr nicht nur aus der Anfangsrendite zusammen, die man am ersten Tag kauft (auch wenn das zugegebenermassen die wichtigste Grösse für die zukünftige Rendite ist). Roll-Down-Effekte und die Möglichkeit von Kursgewinnen durch Zinsbewegungen oder auch durch Veränderungen der Spreads bieten zusätzliche Renditechancen darüber hinaus.
Unsere Backtesting-Analysen haben gezeigt, dass Anleger mit dem BAML/ICE Global 1-5Yr IG Index seit seiner Einführung in den 1990er Jahren typischerweise das 1,25-Fache der Anfangsrendite als Gesamtrendite in einem Kalenderjahr erzielen, siehe Grafik 2.
Bei den aktuellen Spreads sind die Möglichkeiten für eine Spread-Einengung im Jahr 2026 begrenzt. Allerdings gibt es angesichts der zu erwartenden weiteren Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed und die Bank of England weiterhin moderate Chancen auf Kursgewinne durch den Zinseffekt bei kurzlaufenden Fonds. Wie in Grafik 2 zu sehen ist, bleibt die aktuelle Anfangsrendite selbst bei engen Spreads sowohl absolut als auch im historischen Vergleich attraktiv: Der rote Punkt zeigt, wo die Anfangsrendite derzeit liegt. Sie ist weiterhin günstiger als im historischen Durchschnitt dieses Datensatzes, der bis Ende 1996 zurückreicht.
Unsere bevorzugten Sektoren
Als überzeugte Vertreter eines aktiven Managements wissen wir, dass die Gesamtrendite nicht nur aus Anfangsrendite plus Roll-Down besteht: Auch die richtige Sektorallokation und Titelauswahl tragen erheblich zur Steigerung der Gesamtrendite bei. Welche Sektoren bevorzugen wir also aktuell?
Finanzwerte bleiben unsere erste Wahl, insbesondere europäische Banken und europäische Versicherer. Die Fundamentaldaten sind weiterhin sehr solide: Europäische Banken verfügen über die höchsten Eigenkapitalquoten ihrer Geschichte, eine hohe Asset-Qualität und nur sehr geringe Engagements im gewerblichen Immobilienbereich, im Technologiesektor und im Automobilsektor. Das bedeutet, dass die Anzahl notleidender Kredite sehr gering ist und voraussichtlich auch nicht deutlich ansteigen wird. Die Bewertungen bleiben attraktiv, da die Spreads für erstrangige Finanzanleihen bei gleicher Laufzeit und gleichem Rating breiter sind als bei Nicht-Finanzwerten – somit punkten Finanzwerte sowohl fundamental als auch bei der Bewertung. Aktuell halten wir etwa gleich grosse Positionen in erstrangigen und nachrangigen Anleihen, da die Spreads seit mehreren Jahren stetig enger geworden sind. Erstrangige Finanzwerte bieten uns somit zusätzlichen Schutz vor einer möglichen künftigen Spreadausweitung.
Bei den Nicht-Finanzwerten bevorzugen wir klar die Sektoren Versorger und Telekommunikation, da deren Erträge nicht nur robust, sondern auch inflationsgeschützt sind. Daher investieren wir gerne in die nachrangigen Varianten dieser Anleihen, die als Corporate Hybrids bekannt sind. Sie weisen zwar ein etwas höheres Risiko als erstrangige Anleihen auf, doch der zusätzliche Renditeaufschlag bietet mit kurzen Laufzeiten einen besseren Puffer gegenüber Verlusten; deshalb sehen wir sie häufig als ausgezeichnete Quelle für attraktive risikoadjustierte Erträge. In immobiliengebundene Hybride investieren wir derzeit allerdings nicht, da einige dieser Anleihen weiterhin eine höhere Volatilität aufweisen, als wir in unseren kurzlaufenden Strategien akzeptieren würden.
ABS (Asset-Backed Securities) gehören ebenfalls zu unseren bevorzugten Sektoren, da sie hervorragende Diversifikationsvorteile bieten und als variabel verzinsliche Wertpapiere deutlich weniger mit den Zinssätzen korrelieren als der festverzinsliche Portfolioanteil. Darüber hinaus bleiben die Gesamtrenditen sehr attraktiv, wobei wir ausschliesslich in Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS) investieren und nicht in Gewerbeimmobilien, da Letzteres in unseren kurzlaufenden Fonds nicht erlaubt ist.
Fazit
Die Welt bleibt volatil, und die Unsicherheit ist weiterhin hoch. Im Gegensatz dazu sind wir überzeugt, dass kurzlaufende Anleihen ein hohes Mass an Sicherheit bezüglich der Gesamtrendite bieten können – unabhängig davon, was auf den Finanzmärkten passiert. Denn die Break-Even-Renditen sind derzeit so hoch, dass sie Verluste in anderen Bereichen abfedern. Aus unserer Sicht ist die aktuelle Einstiegsrendite ausreichend, um für die nächsten Jahre gute Erträge im kurzlaufenden Bereich zu erwarten. Unsere historischen Analysen zeigen, dass Investoren bei kurzlaufenden Anleihen nicht nur die jährliche Rendite erzielen, sondern häufig zusätzlich rund 25 Prozent darüber hinaus, was sie noch attraktiver macht. Schliesslich können wir durch aktives Management in unseren bevorzugten Sektoren zusätzliche Rendite erwirtschaften und Risiken in anderen Bereichen, etwa im Automobilsektor, in dem es zuletzt Schwierigkeiten gab, gezielt vermeiden.
Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
Alle hier enthaltenen Prognosen, Vorhersagen oder Schätzungen beruhen auf unterschiedlichen Annahmen und Einschätzungen. Markterwartungen und zukunftsgerichtete Aussagen sind Meinungen, sie sind nicht garantiert und können sich ändern. Es kann nicht zugesichert werden, dass Prognosen oder Annahmen hinsichtlich der zukünftigen finanziellen Entwicklung von Ländern, Märkten und/oder Investments zutreffen; tatsächliche Ergebnisse können erheblich davon abweichen. Die Aufnahme von Prognosen oder Vorhersagen ist nicht als Hinweis darauf zu verstehen, dass TwentyFour oder die Vontobel Gruppe diese als verlässliche Indikatoren für künftige Entwicklungen einschätzen; sie sollten daher nicht als solche betrachtet werden. Wir behalten uns vor, jederzeit und ohne Vorankündigung Änderungen und Korrekturen an den hier dargestellten Informationen und Meinungen vorzunehmen.