Quanta Byte: Ein Schock für die Magnificent Seven – aber nicht für den Markt
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Noch vor wenigen Wochen hätte kaum jemand erwartet, dass ein chinesisches KI-Startup die Magnificent Seven ins Wanken bringen könnte. Doch genau das ist passiert – und führte innerhalb weniger Handelsstunden zu einem Kursrückgang von 4 Prozent des Bloomberg Magnificent 7 Index.
Wie unsere Kollegen aus der Conviction Equities-Boutique in einer aktuellen Analyse hervorheben, stellt DeepSeek einen Wendepunkt in der Kosteneffizienz dar1. Das Unternehmen widerlegt die Annahme, dass modernste Chips und immense Rechenleistung entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit in der KI sind.
Die deutliche Marktkorrektur hat für Nervosität gesorgt – ist das der Beginn eines breiteren Tech-Abverkaufs? Wird der Gesamtmarkt in Mitleidenschaft gezogen? Wir glauben nicht. Ein genauerer Blick auf die Aktienmärkte spricht eher für eine Korrektur, die auf einige großen Tech-Werte beschränkt bleibt – und nicht für den Beginn eines systemischen Abschwungs.
Trotz des hohen Gewichts der Magnificent Seven im S&P 500 konnte der Index seine anfänglichen Verluste am Montag, den 27. Januar, wieder ausgleichen. Während Halbleiteraktien sich schwerer taten, sehen wir kaum Anzeichen für eine Ausweitung auf andere Sektoren.
Unser positiver Marktausblick beruht jedoch auf mehr als nur diesen Beobachtungen. Die Kombination aus einem unterstützenden wirtschaftlichen Umfeld – mit anziehendem, aber nicht überhitzendem Wachstum – und unserer Erwartung weiterer geldpolitischer Lockerungen sind die zentralen Gründe für unseren Optimismus in den kommenden Monaten. Beginnen wir mit dem wirtschaftlichen Umfeld und werfen einen Blick auf unsere Konjunkturanalyse.
Positive Signale des Konjunkturmodells
Die Konjunkturdaten haben sich im Januar weiter verbessert – ein Trend, den unser Konjunkturmodell Wave2 bestätigt. Ein Beispiel hierfür ist China. Die im zweiten Halbjahr 2024 angekündigten fiskalischen Stimulus-Massnahmen zeigen Wirkung. Das reale BIP-Wachstum beschleunigte sich bis zum Jahresende auf 5 Prozent, die Konsumnachfrage zieht an, und der Einzelhandel übertraf die Erwartungen. Sogar der angeschlagene Immobiliensektor zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung.
Die entwickelten Märkte konnten ihr Wachstumstempo hingegen halten, gestützt durch steigende reale Haushaltseinkommen in den vergangenen Quartalen3. In Europa zeigte Wave in den letzten Monaten zwar abschwächende Tendenzen, doch die jüngsten vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für Januar deuten zumindest auf eine gewisse Widerstandsfähigkeit der europäischen Konjunktur in den kommenden Monaten hin.
Diese positiven Entwicklungen haben ein Expansionssignal für Schwellenmärkte ausgelöst und das Expansionssignal für entwickelte Märkte bestätigt. Unser Konjunkturindikator unterstützt daher weiterhin eine konstruktive Markteinschätzung in unserem hybriden Investmentprozess.
Die Hürde für «dovishe» Überraschungen ist gesunken
Der Ausblick für die Finanzmärkte wird in den kommenden Monaten stark von den geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve abhängen. Abbildung 2 zeigt den Fed Surprise Index4, der die 12-monatige Prognose des Fed Funds-Satzes aus dem Vorjahr nimmt und den tatsächlich realisierten Leitzins subtrahiert. Dieser Indikator misst, ob die Fed mit ihrer Zinspolitik die Erwartungen des Marktes über- oder untertroffen hat.
Abbildung 2 zeigt, dass eine lange Phase der «hawkischen» Fed-Überraschungen hinter uns liegt. Das bedeutet, dass der Leitzins nicht so stark gesenkt wurde, wie es die Märkte vor 12 Monaten erwartet hatten5.
Abbildung 3 zeigt die starke Korrelation zwischen diesen Überraschungen und der Performance des Anleihemarktes. Wie erwartet fallen «dovishe» Überraschungen mit positiven Renditen bei US-Staatsanleihen im selben Zeitraum zusammen, während «hawkische» Überraschungen den Anleihemarkt belasteten. Der Einfluss geht jedoch über festverzinsliche Wertpapiere hinaus. «Dovishe» Überraschungen sind auch positiv mit den Renditen riskanterer Anlageklassen korreliert, was die weitreichende Wirkung der Fed auf die Finanzmärkte unterstreicht.
Da die Zinserwartungen für die nächsten 12 Monate bereits bekannt sind, soll nun anhand dieser Prognosen bewertet werden, ob eine Investition in risikoreiche Anlagen weiter sinnvoll ist. Dies entspricht der Einschätzung, ob der Fed Surprise Index in den Bereich der «dovishen» Überraschungen übergehen wird.
Zu diesem Zweck haben wir drei Szenarien modelliert:
- Die Fed lässt die Zinsen unverändert.
- Die Fed hebt die Zinsen zweimal an – jeweils um 25 Basispunkte – im 2. und 3. Quartal 2025.
- Die Fed senkt die Zinsen zweimal in den gleichen Quartalen, was eng mit unserer eigenen Einschätzung übereinstimmt.
Die zu erwartenden Indexstände des Fed Surprise Index für die drei Szenarien sind in Abbildung 2 durch die blaue, gelbe und rote Markierung dargestellt. Wie die Grafik zeigt, führt jedes dieser Szenarien dazu, dass der Index in den kommenden Monaten in den Bereich der «dovishen» Überraschungen übergeht. Bis zum Herbst würde der Index jedoch in allen drei Szenarien wieder in den Bereich der «hawkischen» Überraschungen zurückkehren6.
Wie bereits erwähnt, zeigt Abbildung 3, dass diese Überraschungen eng mit den tatsächlichen Renditen des Anleihemarktes korreliert sind.
Wir erkennen an, dass die Szenarioanalyse des Fed Surprise Index bestimmte Faktoren vereinfacht. Elemente wie Konvexität und Term Premium spielen ebenfalls eine Rolle bei der Vorhersage von Anleiherenditen. Dennoch bietet der Index eine solide Annäherung an die Schwelle, die für eine «hawkische» oder «dovishe» Überraschung erforderlich ist. Er stellt somit ein nützliches Maß dar, um die Markterwartungen und mögliche Stimmungsänderungen zu verstehen . Da die Schwelle für «dovishe» Überraschungen in der ersten Hälfte des Jahres 2025 niedrig angesetzt ist, hat sich der Ausblick für Anleiherenditen verbessert.
Wir behalten eine „risikofreudige“ Haltung Bei
Da die Schwelle für «dovishe» Fed-Überraschungen sinkt und unser Konjunkturindikator eine verbesserte Risikobereitschaft signalisiert, betrachten wir die jüngste Marktkorrektur eher als eine Anpassung der Positionierungen von Investoren und nicht als den Beginn eines breiteren Abschwungs oder gar einer Neubewertung der Tech-Aktien.
Das größte Risiko für unseren Ausblick besteht darin, dass die Fed in den nächsten 12 Monaten eine Notwendigkeit für eine straffere Geldpolitik signalisiert. Allerdings bekräftigte die Fed-Sitzung am 29. Januar ihr Engagement für einen datengestützten Ansatz, wobei eine weitere Lockerung der Geldpolitik realistisch ist. Wie Jerome Powell es ausdrückte, ist die Fed „nicht in Eile, die geldpolitische Haltung anzupassen“. Zudem deutet die Prognose der neutralen Zinsrate darauf hin, dass eine Lockerung der Geldpolitik in den nächsten zwei Jahren wahrscheinlicher ist als eine Straffung8.
Daher behalten wir eine risikofreudige Haltung bei, mit einem positiven Ausblick auf Aktien und einer Präferenz für Spreads anstelle von Duration in den Anleihemärkten. Wir sehen Chancen in Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und in Schwellenländern, um attraktive Überrenditen zu erzielen. Unsicherheiten in Bezug auf die US-Handelspolitik erfordern jedoch Absicherungen, darunter der US-Dollar, der japanische Yen, Gold9 und optionsbasierte Tail-Hedging-Strategien.
1. Weitere Informationen finden Sie in “DeepSeek’s strong new AI model – AI’s Sputnik moment?”
2. Weitere Details zu unserem Konjunkturmodell Wave finden Sie in „The Vontobel Wave – ein überlegenes Konjunkturmodell”
3. Das Lohnwachstum in den entwickelten Märkten ist relativ stabil geblieben, während die sinkende Inflation die realen Löhne gestärkt hat.
4. TEin Indikator welcher erstmals von BCA gezeigt wurde. Siehe zum Beispiel „The Golden Rule of Bond Investing”
5. Beispielsweise eskomptierten die Terminmärkte am 24. Januar 2024 einen Fed Funds Satz von 4,1 % für Januar 2025. Ein Fed Funds-Satz von 4,5 % am 24. Januar 2025 entspricht einem Fed Funds Surprise Index von etwa -40 Basispunkten.
6. Letzteres (nicht in der Grafik dargestellt) ist auf die extremen Lockerungserwartungen im Herbst 2024 zurückzuführen, die schwer zu übertreffen sind, wenn wir uns dem Herbst 2025 nähern.
7. Es lässt sich zeigen, dass die Beziehung zwischen dem Fed Funds Satz und den Renditen von US-Staatsanleihen schwächer wird, wenn Marktteilnehmer gegen die Fed wetten. Dies deutet darauf hin, dass die Renditen von Staatsanleihen eher negativ werden, wenn die Zinserwartungen von hier aus aggressiv steigen, selbst im aktuellen Umfeld eines «dovishen» Überraschungsindex.
8. Weitere Details finden Sie in der "Fed-Presseerklärung” und der "Zusammenfassung der Wirtschaftlichen Projektionen”
9. Weitere Informationen finden Sie in unserem kürzlich veröffentlichten Quanta Byte „Makroökonomische Unterstützung für Gold“.