Investors’ Outlook: Kommen wir nun zu etwas völlig anderem
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Kurz und bündig
- Eine restriktivere Geldpolitik dürfte die Kurs-Gewinn-Verhältnisse belasten. Wir sind der Meinung, dass Unternehmen stärkeres Gewinnwachstum liefern müssen, damit Aktien von ihrem aktuellen Niveau aus weiter zulegen können.
- Unser Basisszenario geht davon aus, dass die US-Notenbank Fed mit einer Zinserhöhung bis September warten wird. Ein Zinsschritt im Sommer wäre aber unseres Erachtens wahrscheinlich keine grosse Überraschung, da der robuste US-Arbeitsmarkt den Währungshütern Spielraum für eine Straffung geben könnte, ohne die Wirtschaft übermässig zu belasten.
- Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran dürfte eine der wichtigsten Ursachen der jüngsten Inflation – die steigenden Energiepreise – abschwächen. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass die Zentralbanken ihre Geldpolitik voraussichtlich nicht so aggressiv straffen werden, wie von manchen befürchtet.
Kommen wir nun zu etwas völlig anderem
Die Märkte haben zuletzt eine Reihe von Ereignissen verarbeitet, darunter den grössten Börsengang der Geschichte durch Elon Musks SpaceX1, die Ankündigung zahlreicher grossvolumiger KI-bezogener Kapital- und Anleiheemissionen sowie die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik. Die Europäische Zentralbank hat diesen weithin erwarteten Kurswechsel bereits eingeleitet. Anleger fragen sich nun jedoch, ob es sich dabei um einen einmaligen Schritt oder den ersten von mehreren in diesem Jahr handelt. Wir haben bereits früher argumentiert, dass die Erholung in der Eurozone fragil ist und eine straffere Geldpolitik kaum hilfreich sein dürfte. All dies wirft die Frage auf, ob die Märkte ihren Aufwärtstrend fort-setzen können. Denn selbst mit einem unterzeichneten Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das die Strasse von Hormus öffnet, werden die wirtschaftlichen Folgen des Krieges nicht einfach über Nacht verschwinden. Eine restriktivere Geldpolitik dürfte die Kurs-Gewinn-Verhältnisse2 belasten. Wir sind der Meinung, dass Unternehmen stärkeres Gewinnwachstum liefern müssen, damit Aktien von ihrem aktuellen Niveau aus weiter zulegen können.
Unserer Ansicht nach ist der Ausverkauf im Technologiesektor im Juni eine Folge dieser Anpassung. Die Anleger scheinen weniger bereit zu sein, positive Entwicklungen in immer höhere Bewertungen einzupreisen, und gehen selektiver vor. Der Optimismus stützte sich bislang auf Investitionen in KI-Infrastruktur, die greifbar und vergleichsweise leicht zu beurteilen waren. Der nächste Schritt ist jedoch die Monetarisierung, deren Erfolg sich deutlich schwerer abschätzen lässt und die den Markt zunehmend in Optimisten und Skeptiker teilt. Mit dem Übergang in diese nächste Phase werden die skeptischen Stimmen allmählich lauter. Die Anleger scheinen sich stärker darauf zu fokussieren, was Unternehmen absehbar liefern können, als auf das, was sie in einigen Jahren erreichen könnten. Das stellt eine Abkehr von den Pandemiejahren dar, als die Anlagephilosophie von Cathie Wood2 insbesondere bei Privatanlegern grossen Anklang fand. Damals war ein grosser Teil des Marktes bereit, traditionelle Kennzahlen auszublenden und hohe Bewertungsmultiplikatoren für Unternehmen zu akzeptieren, die als disruptive und wachstumsstarke Innovatoren galten. Ein ausgewogenerer Ansatz ist aus unserer Sicht zu begrüssen. Daher erachten wir die Konsolidierung als gesund, zumal die längerfristigen Aussichten unserer Meinung nach robust bleiben. Gleichwohl sind wir der Auffassung, dass eine Anpassung der Erwartungen notwendig war.
Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen unverändert belassen, sich jedoch die Tür für Zinserhöhungen offen gehalten. Zwar gehen wir in unserem Basisszenario davon aus, dass die Fed bis September zuwarten wird, bevor sie die Zinsen erhöht, doch wäre eine Zinserhöhung bereits im Sommer wahrscheinlich keine grosse Überraschung. Angesichts des Doppelmandats der Fed und eines Arbeitsmarktes, der weiterhin neue Stellen schafft, könnten die Währungshüter in der Lage sein, die Geldpolitik zu straffen, ohne die Wirtschaft übermässig zu belasten.
In diesem Investors’ Outlook finden Sie unsere Einschätzungen zur britischen Wirtschaft, zur Welle von Börsen-gängen und deren mögliche Bedeutung für Marktteilnehmer sowie zu den Auswirkungen von El Niño auf die Rohstoffmärkte. Der Investors’ Outlook geht nun in die Sommerpause und wird mit neuen Perspektiven in der Septemberausgabe zurückkehren. Bis dahin wünschen wir Ihnen einen Sommer voller angenehmer Überraschungen – und möglichst wenige völlig unerwartete.
1. Quelle: Bloomberg-Artikel, veröffentlicht am 12. Juni 2026. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-06-12/spacex-s-mega-ipo-sets-records-makes-musk-trillionaire
2. Bezieht sich auf eine Kennzahl, die zeigt, wie viel Investoren bereit sind, pro Aktie für USD 1 Unternehmensgewinn zu bezahlen. Sie wird zur Bewertung einer Aktie verwendet.
3. Cathie Wood ist eine Investorin, deren Anlagestrategie darin besteht, in Unternehmen zu investieren, die disruptive Technologien (wie KI, Genomik, Robotik und Elektrofahrzeuge) entwickeln und ihrer Ansicht nach Branchen grundlegend verändern sowie langfristiges Wachstum ermöglichen können – auch wenn sie kurzfristig starken Schwankungen unterliegen. Ihr Fonds erlitt Verluste, weil sie stark auf nicht etablierte, schnell wachsende Technologieunternehmen setzte, die während der Pandemie stark zulegten, jedoch einbrachen, als die Zentralbanken die Zinsen anhoben.