Investors’ Outlook: Den Fokus justieren
Multi Asset Boutique
Kurz und bündig
- Der Krieg im Iran hat das positive Basisszenario, das die Multi Asset Boutique für 2026 prognostiziert hatte, getrübt, obwohl sie höhere Ölpreise für nicht ausreichend hält, um die Wirtschaft in eine Rezession zu treiben.
- Unseres Erachtens dürfte die US-Notenbank Fed, die nun unter der Führung von Kevin Warsh steht, länger in abwartender Haltung verharren, als die Märkte derzeit erwarten, da sie sowohl auf Überhitzungen als auch auf Verlangsamungen der Wirtschaft tendenziell verzögert reagiert.
- Das Investment Committee der Multi Asset Boutique stufte europäische Aktien von übergewichtet auf neutral zurück und Hochzinsanleihen von untergewichtet auf übergewichtet hoch.
HINWEIS: Portfolioallokationen, -merkmale und -bestände können sich ändern.
Den Fokus justieren
Über weite Strecken des vergangenen Jahres schien der weitere Weg recht klar vorgezeichnet zu sein. Die Inflation kühlte sich ab, die Zentralbanken bewegten sich in Richtung weiterer Zinssenkungen, das Wirtschaftswachstum blieb robust und geopolitische Spannungen ebbten ab, bevor sie die Risikobereitschaft ernsthaft beeinträchtigen konnten.
Nach der zuletzt starken Entwicklung könnten die Märkte nun jedoch in eine Phase eintreten, in der es schwieriger wird, die Erwartungen zu übertreffen. Unseres Erachtens dürfte ein Grossteil der positiven Aspekte bereits eingepreist sein – gerade jetzt, da die Märkte in die traditionell ruhigeren Sommermonate übergehen. Die Anleger scheinen sich auch zunehmend der vielen weiterhin bestehenden ungelösten Probleme bewusst zu werden. Die Liste potenzieller Belastungsfaktoren, von Inflationsrisiken für den weiteren Zinspfad über die Strasse von Hormus bis hin zu Private Credit, ist nicht kürzer geworden, wenngleich sich die Märkte bislang relativ robust gezeigt haben.
Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran bleiben angespannt. Dabei wechseln sich Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte mit Phasen verschärfter Rhetorik ab. Zwar ist eine erneute breitere Eskalation nicht auszuschliessen, doch gibt es zugleich Gründe für die Annahme, dass alle Seiten bemüht sind, den Konflikt nicht ausser Kontrolle geraten zu lassen, insbesondere da dieser Konflikt die Ölpreise abermals deutlich in die Höhe treiben könnte. US-Präsident Donald Trump, dessen Zustimmungswerte bereits auf den niedrigsten Stand seiner zweiten Amtszeit gefallen sind,4 dürfte kaum daran interessiert sein, im Herbst mit Ölpreisen von über USD 100 in die Zwischenwahlen zu gehen.
Auch im Verhältnis zwischen den USA und China scheint sich ein ähnlicher Versuch abzuzeichnen, mit Differenzen umzugehen. Zwar brachte Trumps erster Besuch in Peking seit 2017, bei dem er mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zusammentraf, weder in Handelsfragen noch im Hinblick auf die Strasse von Hormus einen Durchbruch. Der Tonfall hat sich jedoch etwas abgeschwächt, auch wenn die Unstimmigkeiten weiterhin spürbar blieben. Xi bezeichnete das Verhältnis als «konstruktive strategische Stabilität» und distanzierte sich damit teilweise vom Ansatz des «strategischen Wettbewerbs», den Trumps Vorgänger Joe Biden verfolgt hatte. Xi dürfte im Herbst die USA besuchen, und die jüngsten makroökonomischen Daten der beiden grössten Volkswirtschaften der Welt könnten beiden Seiten zusätzliche Gründe liefern, die Spannungen bis dahin nicht weiter eskalieren zu lassen. In den USA zog die Inflation im April leicht an, während das Lohnwachstum zurückblieb. Damit schwanden die ohnehin geringen Hoffnungen der Märkte auf eine weitere Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed vor Jahresende nahezu vollständig.2 In China verlangsamte sich das Wachstum, wodurch bekannte Fragen zur Binnennachfrage und zur Notwendigkeit zusätzlicher Konjunkturmassnahmen zur Stützung der Wirtschaft erneut in den Vordergrund rückten.
Das Investment Committee der Multi Asset Boutique hat beschlossen, europäische Aktien von übergewichtet auf neutral zurückzustufen und Hochzinsanleihen3 von untergewichtet auf übergewichtet hochzustufen. In dieser Ausgabe des Investors’ Outlook erläutern wir diese Entscheidung, teilen unsere Einschätzung zum Ölmarkt und widmen uns ausführlich einem Thema, das viele Menschen verunsichert: den möglichen Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die weltweite Erwerbsbevölkerung.
Die Märkte könnten vor einer Verschnaufpause stehen. Wir bleiben konstruktiv, treten jedoch einen Schritt zurück, um das Gesamtbild klarer zu erfassen.
1. Quelle: Artikel von The New York Times, veröffentlicht am 18. Mai 2026. https://www.nytimes.com/2026/05/18/us/politics/poll-trump-republicans-midterms-iran.html
2. Quelle: Artikel von Bloomberg, veröffentlicht am 5. Mai 2026. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-05/traders-ramp-up-bets-warsh-s-fed-could-hike-rates-before-cutting
3. Bezieht sich auf Anleihen, die von Unternehmen mit schwächerer Bonität und einem höheren Ausfallrisiko emittiert werden. Sie bieten höhere Zinssätze, um Anleger für das erhöhte Risiko zu entschädigen.