Gold-Rallye könnte eine Erholung für Schwellenmarktanleihen in Lokalwährungen einläuten

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Gold und die Lokalwährungen der Schwellenländer tendieren dazu, sich zusammen zu bewegen, aber vor kurzem wurde das Muster durch ein ungewöhnliches Ereignis durchbrochen, als Gold nach oben kletterte, die Schwellenländerwährungen sich aber seitwärst bewegten. Dieses Phänomen trifft auch auf EM-Lokalwährungsanleihen zu, da deren Risiko und Ertrag grösstenteils durch Wechselkurseinflüsse bestimmt werden. Die Divergenz in der relativen Performance ist jedoch nicht gerechtfertigt und dürfte auf lange Sicht nicht fortbestehen.

Gold und Schwellenmarktwährungen haben etwas gemeinsam: Sie sind beide Anti-Dollar-Trades. Gold ist eine Alternative zu Papiergeld, da es als gesetzliches Zahlungsmittel ohne inneren Wert definiert ist. Solange der US-Dollar die Weltreservewährung bleibt, gilt der Kauf von Gold als der ultimative Anti-Dollar-Trade. Tatsächlich ist Gold in Zeiten der geldpolitischen Expansion und negativer Realzinsen eine gute Investition.

Aus zwei Hauptgründen ist ein Umfeld niedriger Realrenditen für Schwellenmarktwährungen günstig, womit sie zum «Anti-Dollar-Lager» gehören. Niedrige Realrenditen sind wichtig für Anleger, die in Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer investieren, da der Deviseneffekt im Durchschnitt etwa 2/3 des Risikos und der Rendite ihrer Performance ausmacht.

  • Fällt der US-Dollar, verbessern sich die makroökonomischen Fundamentaldaten, die den Schwellenländerwährungen zugrunde liegen. Im Gegensatz zu den Industrieländern, die über hoch entwickelte inländische Anleihenmärkte verfügen, sind Schwellenländer oft erheblich in US-Dollar verschuldet. Ein schwächerer US-Dollar in Verbindung mit niedrigen Zinssätzen stärkt die Gewinn- und Verlustrechnung der aufstrebenden Volkswirtschaften aufgrund von fallenden Schuldentilgungskosten. Darüber hinaus florieren diese Volkswirtschaften dank der Teilnahme an globalen Wertschöpfungsketten, indem sie entweder Rohstoffe, Zwischenprodukte oder Fertigprodukte verkaufen, die in US-Dollar fakturiert werden. Ein schwächerer US-Dollar bei konstantem Handelsvolumen führt zu höheren Einnahmen in lokaler Landeswährung.
  • Ein schwächerer US-Dollar, der mit niedrigen Realrenditen behaftet ist, könnte globale Investoren dazu motivieren, anderswo nach höheren Renditen zu suchen, und könnte die Renditen in Schwellenländern vergleichsweise attraktiver machen. Dies ist wiederum sehr wichtig für Entwicklungsländer, die nicht über genügend inländische Ersparnisse verfügen, um ihre Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren, und von ausländischen Kapitalflüssen abhängig sind.
Schwellenländerwährungen gebunden an US-Dollar Wechselkurse freigegeben
  1970-1980 1980-2000 2000-2010 2010-2019
Gold

Golds glänzende Performance in den 1970er Jahren wurde durch die beiden Ölschocks von 1973 und 1979 getrieben. Der eigentliche Treiber war jedoch die künstliche Währungsbindung, die das Metall vom Goldreservegesetz von 1934 bis zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 zwangsweise unterbewertet hielt. In diesem Zeitraum wurde die Parität zwischen Gold und US-Dollar auf 35 Dollar pro Feinunze festgelegt und garantiert.

Zwei verlorene Jahrzehnte für Gold, aufgrund einer langen Periode rückläufiger Ölpreise und hoher Realzinsen. Gold zu halten war eine so schlechte Investition, dass die Zentralbanken begannen, die Märkte mit ihren eigenen Reserven zu überschwemmen. Der US-Dollar hatte seine Rolle als Hauptwertanlage wiedergewonnen, und es machte keinen Sinn, ein "ertragloses Relikt" aus einer anderen Ära zu halten. Gold machte in den 2000er-Jahren ein fulminantes Comeback, als Rohstoffe boomten und China im Jahr 2001 zur Welthandels-organisation beitrat. Seinen eigenen Siegesmoment ohne Hilfe anderer Rohstoffe konnte Gold jedoch erst zwischen 2008 und 2011 feiern. Der Grund dafür war eine Kombination aus massiven monetären Stimuli, die die Realzinsen drückten, und der Befürchtung, dass der Euro inmitten der Krise in den so genannten PIIGS-Ländern seinen Status als Reservewährung verlieren würde. Gold machte in den 2000er-Jahren ein fulminantes Comeback, als Rohstoffe boomten und China im Jahr 2001 zur Welthandels-organisation beitrat. Seinen eigenen Siegesmoment ohne Hilfe anderer Rohstoffe konnte Gold jedoch erst zwischen 2008 und 2011 feiern. Der Grund dafür war eine Kombination aus massiven monetären Stimuli, die die Realzinsen drückten, und der Befürchtung, dass der Euro inmitten der Krise in den so genannten PIIGS-Ländern seinen Status als Reservewährung verlieren würde.
Schwellenländer-währungen In diesem Zeitraum waren Schwellenländer-währungen entweder an den US-Dollar, das Pfund Sterling oder den französischen Franc gebunden. Bis Ende der 90er Jahre waren die meisten Schwellenländer-währungen noch an harte Währungen gebunden, was in vielen Schwellenländern wie Mexiko, Thailand, Russland und Brasilien zu berüchtigten Krisen führte. Aus den gleichen Gründen wie Gold konnten sich die Schwellenländer-währungen bis zur globalen Finanzkrise gut behaupten. Danach konnten sie jedoch nicht mit Gold mithalten, wie die meisten Risikoanlagen zu dieser Zeit. Die Schwellenländer-währungen verzeichneten eine ähnliche Performance wie Gold.

Wie die untenstehenden Grafiken zeigen, ist die Korrelation zwischen Schwellenländerwährungen und Gold im Durchschnitt positiv. Bis jetzt wurde das Korrelationsmuster nur selten und lediglich für kurze Zeiträume durchbrochen. Die extreme Divergenz, die seit Ende Mai zwischen den beiden Vermögenswerten zu beobachten ist, ist durch keinen der treibenden Faktoren gerechtfertigt. Zu diesen gehören die Goldnachfrage, die Rohstoffnachfrage und die Realzinsen.

Es könnte also nur eine Frage der Zeit sein, bis Anleger eine Rückkehr zum «Normalfall» erleben und die Schwellenländerwährungen zu Gold aufschliessen. Dies birgt  das Potenzial für beträchtliche Gewinne.

 

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In Hinblick auf vergangene Krisenepisoden hätte man erwarten können, dass die Zentralbanken einiger Schwellenländer, insbesondere solche mit Leistungsbilanzdefiziten, die Zinssätze anheben, um die Attraktivität ihrer Währungen zu erhalten. Denn Renditevorteile tragen dazu bei, ausländische Kapitalströme anzuziehen. Diesmal jedoch veranlassten die Aussichten auf eine Rezession und Deflation die EM-Zentralbanken zu einer beispiellosen Welle von Zinssenkungen, die sich negativ auf einige Schwellenländerwährungen ausgewirkt haben. Andere Zentralbanken in (grösstenteils asiatischen) Schwellenländern mit Leistungsbilanzüberschüssen haben an den Devisenmärkten interveniert, indem sie ihre US-Dollar-Reserven zu günstigen Konditionen aufgestockt haben, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Währungen aufrechtzuerhalten. Dies mit dem Ziel zu verhindern, dass ihre Exporte zu teuer werden.

Im historischen Vergleich liegen die lokalen Zinssätze in den Schwellenländern im Durchschnitt immer noch auf einem angemessenen Niveau im Vergleich zu ihren Industrieländerpendants. Dies könnte nicht nur renditehungrige Anleger anziehen, sondern auch solche, die nach einer günstigeren Alternative zu Gold suchen, um ihre Anti-Dollar-Gesinnung auszudrücken.

 

 

 

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