Bewältigung der Energiewende: Weg in die Zukunft

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Artikel 5 Minuten

Kurz und bündig

  • Anleger, die sich erfolgreich an der Energiewende beteiligen möchten, sollten hierfür einen Zeithorizont festlegen und die passenden Instrumente zur Hand haben. Dazu gehören robuste staatliche Anreize und technologische Durchbrüche.
  • Aus unserer Sicht sollten Anleger ihr Engagement in der Energiewende auf drei Haupt-Pfeilern abstützen: Zeithorizont, regionaler Fokus und Themen.
  • Das Ergebnis der COP28-Verhandlungen: Die Welt muss sich von fossilen Brennstoffen verabschieden, die Energieeffizienz bis 2030 verdoppeln und die Kapazität der erneuerbaren Energien bis dann zu verdreifachen.

Die sich verschärfenden geopolitischen Konflikte, die Spaltung der Gesellschaft, die Inflation und die drohende Rezession mögen die Frage aufwerfen: «Wen kümmert der Klimawandel?» Wie auch immer Anleger zu dieser Thematik stehen, viele haben kürzlich den Blick nach Dubai gerichtet, wo die 28. Weltklimakonferenz (COP28) stattfand und Vertreter von fast 200 Ländern die Umwelt-Agenda für die nächsten fünf bis 30 Jahre festlegten. Dieses Thema ist in unseren Augen zu wichtig geworden, als dass Anleger es ausser Acht lassen dürfen, welche von den Chancen der bislang grössten Herausforderung des Klimawandels profitieren möchten: der Energiewende. Sich jetzt darin zu engagieren, kann darüber entscheiden, wer im nächsten Jahrzehnt zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern gehört.

Warum jetzt?

Die Diskussionen zum Klimawandel auf der 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen im Jahr 2015 (COP21) setzten mit dem Pariser Abkommen einen beachtlichen Meilenstein. Damals einigten sich die teilnehmenden Länder darauf, die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, und legten entsprechende Verpflichtungen fest. Dieser Ambition werden sie heute, auf halber Strecke zu den Zielen für 2030, aber noch bei weitem nicht gerecht. Viele sind der Meinung, dass die COP28 ein Erfolg hätte werden können, wenn sich die Regierungen auf mutigere Massnahmen geeinigt hätten: Um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen ab jetzt bis 2050 über 270 Billionen US-Dollar in die Bereiche Energie, Verkehr, Gebäude und Industrie investiert werden – das Doppelte des jährlichen weltweiten Bruttoinlandprodukts (Grafik 1).

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COP28 und was sie für Anleger bedeutet

Viele forderten sofortige Massnahmen und starke Verpflichtungen, während andere zurückhaltender waren und sich wegen der geopolitischen Lage und der bevorstehenden Winterkälte um die Energiesicherheit sorgten. Das Hauptaugenmerk liegt auf den 20 Ländern, die am meisten Schadstoffe ausstossen und für 80 % der weltweiten Emissionen verantwortlich sind – allen voran China, die USA und Indien. Trotz der Kritik an der COP28 wurden zwei wichtige Meilensteine erreicht, nämlich die erste «globale Bestandsaufnahme», um die Pariser Ziele zu erreichen, und die Einigung auf die Einrichtung eines «Fonds für Verluste und Schäden», der den Ländern helfen soll, sich von den Auswirkungen des Klimawandels zu erholen. Viele Beobachter erwarteten Fortschritte bei einem Paket zur Beschleunigung der Energiewende. Das Ergebnis der Verhandlungen: die Welt muss sich von fossilen Brennstoffen verabschieden, die Energieeffizienz bis 2030 verdoppeln und die Kapazität der erneuerbaren Energien bis dann verdreifachen.

urwandel bei der Energieversorgung und beim Energieverbrauch zu verstehen. Solche Strukturwandel-Beispiele aus der Vergangenheit sind die industrielle Revolution, bei welcher Kohle Brennholz als Haupt-Energiequelle ablöste, und die Einführung des Automobils im 20. Jahrhundert, wodurch der Verbrauch von Öl und Kohle stiegen. Die moderne Energiewende bezeichnet den Übergang von fossilen Brennstoffen (Öl, Erdgas und Kohle) zu erneuerbaren Energiequellen (Sonne, Wind, Wasserkraft und Lithium-Batterien).

Energiewende eröffnet Anlagechancen

Wir sind überzeugt, dass wegen der aktuellen Besorgnis um die Energiesicherheit die Energiewende eindrücklich an Dynamik gewonnen hat und nun an einem Wendepunkt steht. Der Anteil erneuerbarer Energie am weltweiten Energie-Mix stieg in den letzten Jahrzehnten markant, mit der Europäischen Union (EU), China und den USA als Zugpferden – vergleichbar mit der ausgeprägten Zunahme des Kohle-, Öl- und Erdgas-Verbrauchs aufgrund der industriellen Revolution und der Einführung des Autos (Grafik 2).

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Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich eine Energiewende rasch vollzieht, wenn die richtigen Anreize und technologischen Durchbrüche gegeben sind. Beides ist aktuell gegeben: Kohlenstoffarme Technologien sind auf dem Vormarsch und ihre Entwicklungskosten sind in den letzten 10 Jahren drastisch gesunken. Der springende Punkt sind staatliche Anreize: in den USA durch den «Inflation Reduction Act» (IRA) und das Engagement für saubere Technologien, in China durch die beschleunigte Einführung von Elektro-Fahrzeugen und einen neuen, ambitionierten Fünfjahres-Plan zur Erzeugung erneuerbarer Energie und in der EU durch den «Green Deal Industrial Plan» zur Förderung der Entwicklung von Technologien für die Erzeugung von sauberer Energie. Dass die Regierungen diesen Verpflichtungen letztes Jahr nachkamen, zeugt von der starken Unterstützung der Dekarbonisierung und Regulierung, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Sich in der Energiewende engagieren

Aus unserer Sicht sollten Anleger ihr Engagement in der Energiewende auf drei Haupt-Pfeilern abstützen: Zeithorizont, regionaler Fokus und Themen. Der Zeitfaktor ist wichtig. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) prognostiziert in ihrem jüngsten Ausblick, dass sich die Energiewende schneller als erwartet vollzieht, woraus Gewinner und Verlierer hervorgehen. Diese Prognosen gehen von einem hohen Grad an technologischen Neuerungen aus. Das spricht dafür, in Unternehmen zu investieren, die in der Klimatechnologie aktiv sind. Alle gemachten Zusagen für netto Null Emissionen bis 2050 stützten sich darauf, dass zum Beispiel CCS-Technologien zur CO2-Abscheidung und -speicherung entwickelt werden, damit das Ziel erreicht werden kann. Somit wird erwartet, dass langfristige Investitionen in CCS ein attraktives Renditepotenzial bieten. Weniger risikofreudige Investoren sollten in Erwägung ziehen, ihr Engagement in fossilen Brennstoffen gegen allfällige Wertverluste oder Abschreibungen abzusichern, die aus dem Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft resultieren könnten. Sogenannte Klima-Nachzügler, also Unternehmen aus CO2-intensiven Branchen, die bei den Klima-Kennzahlen noch hinterherhinken, sich aber intensiv der Reduktion ihrer CO2-Emissionen widmen oder an der Entwicklung von Klima-Lösungen arbeiten, sind eine interessante Möglichkeit für Anleger, die zur Energiewende beitragende Unternehmen bevorzugen, welche reif und etabliert sind.

Was geschieht, wenn dies alles nicht genügt und zu spät erfolgt?

Kritiker argumentieren, dass all die ergriffenen Massnahmen nicht ausreichen, um die Emissionen einzudämmen, und dass der weltweite Bedarf an fossilen Brennstoffen hoch bleiben wird. Jüngste Daten zeigen, dass die Produktion von Erdöl, Erdgas und Kohle 2022 um 4 % stieg und dass die Investitionen in fossile Brennstoffe ab 2022 bis 2050 um 814 Milliarden US-Dollar reduziert werden müssen, um das Pariser Abkommen erfüllen zu können. Das sind düstere Aussichten: Laut IEA müsste der Verbrauch an Öl, Erdgas und Kohle bis 2030 um mehr als 20 % sinken, um bis 2050 das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Viele befürchten auch, dass die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen die Agenda für die Energiewende ins Wanken bringen könnten. Ein republikanischer Präsident würde deren Umsetzung ziemlich sicher bremsen. Doch selbst in einem solchen Szenario gehen wir davon aus, dass regionale Themen auf der Agenda verbleiben werden. Unseres Erachtens dürften beispielsweise Elektro-Fahrzeuge stark nachgefragt bleiben. In China stieg ihr Anteil am gesamten Auto-Absatz seit 2020 in allen Segmenten, vom Kleinwagen bis zur Luxusklasse, deutlich. In der EU dürften bis zum Jahr 2030 schätzungsweise 65 % aller verkauften Autos Elektro-Fahrzeuge sein, wie aus dem World Energy Outlook 2023 der IAE hervorgeht. Ihm ist das «Stated Policies Scenario» zu entnehmen, welches der Verbreitung von Elektro-Fahrzeugen (Grafik 3) und dem Ausbau der Lade-Infrastruktur den Weg ebnet.

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Den Weg beschreiten

Die Energiewende zu bewältigen ist ein spannendes und zugleich herausforderndes Vorhaben. Anleger, die sich erfolgreich daran beteiligen möchten, sollten hierfür einen Zeithorizont festlegen und die passenden Instrumente zur Hand haben. Dazu gehören robuste staatliche Anreize und technologische Durchbrüche. Beides ist aus unserer Sicht vorhanden und dürfte dem Wandel Vorschub leisten. Die politische Agenda bestimmt dessen Fortschritt, und die Klimakonferenz COP28 könnte sein Tempo beschleunigen.

Für welchen Weg sich Anleger entscheiden, ist ihnen überlassen, aber ihn beschreiten sollten sie jetzt, damit sie ihre Anlageziele in Ruhe verfolgen können. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es für schwierige und unsichere Zeiten keine Patent-Lösung gibt, aber dass sich dann jeweils neue Anlagemöglichkeiten eröffnen. Wir sind überzeugt, dass es jetzt an der Zeit ist, sich als Anleger in der Energiewende zu engagieren.

 

 

 

 

 

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