Navigation durch den Regulierungs-Dschungel als Impact-Anleger im Jahr 2024

Asset management
Artikel 6 Minuten

Viele Impact-Anleger versuchen bei Investitionen ihr Bestes mit dem Ziel, sowohl ökologische als auch gesellschaftliche Herausforderungen positiv zu beeinflussen und dabei gleichzeitig solide finanzielle Renditen zu erzielen. Wie alle Anleger können sie es sich – auf vielen Ebenen – nicht leisten, bei der Regulierung Fehler zu machen. Wie navigiert man am besten durch den Dschungel der unzähligen Änderungen, die wir aktuell im ESG-Bereich sehen, wo die Anzahl und der Umfang der Verordnungen ständig zunehmen?

Die steigende Anzahl der Vorschriften wird den Aufstieg von Impact Investing nicht trüben

Impact Investing ist eine zunehmend wichtige und bevorzugte Strategie für unsere Anleger. Es ist offensichtlich, dass die derzeitige Weltwirtschaft in ihrer aktuellen Form nicht nachhaltig ist, und die Anleger sind sich der wichtigen Rolle, die sie beim Paradigmenwechsel spielen können, bewusst. Und es geht nicht darum, Renditen gegen Impact zu tauschen: Wir glauben, dass es in den Impact-Bereichen wesentliche Anlagechancen gibt. Denken Sie zum Beispiel an die Chance der erneuerbaren Energien – dieser Markt wird aufgrund der Notwendigkeit, dass Länder und Unternehmen verschiedene internationale Ziele wie Netto-Null erreichen und die Vorschriften einhalten müssen, steigen.

Der parallele Anstieg der Vorschriften in verschiedenen Ländern ist ein komplexer Bereich, durch den Impact-Anleger navigieren müssen, aber wir sind zuversichtlich, dass er ihre Überzeugung nicht zunichtemachen wird. Vontobel ist seit 2016 im Impact Investing tätig und die Ergebnisse einer wichtigen Studie, die wir letztes Jahr durchgeführt haben, bestärkten unsere Meinung. Sie zeigte, dass professionelle und institutionelle Impact-Anleger weltweit:

  • der Meinung sind, dass jetzt der Zeitpunkt für Impact Investing ist;
  • bei Impact Investing nach einer nachweislichen Erfolgsbilanz Ausschau halten;
  • ein starkes Engagement für Impact Investing gemeinsam haben, auch in schwierigen Zeiten;
  • glauben, dass ein aktives «High-Conviction»-Management erforderlich ist.

Der bevorstehende regulatorische Tsunami: drei Entwicklungen, die wir 2024 im Auge behalten müssen

Auch wenn die Bemühungen, Nachhaltigkeit und Finanzpraktiken durch Vorschriften aufeinander abzustimmen, ihre Wurzeln in der Europäischen Union haben, sehen wir sie doch weltweit. Und da so viele neue Vorschriften im letzten Jahr verabschiedet wurden, wird 2024 ein wichtiges Übergangsjahr sein.

Zu den Vorteilen gehören globale Vergleichbarkeit und Kohärenz der nachhaltigen Finanzprodukte, aber dieser eskalierende globale regulatorische Anstieg wird aus einem guten Grund auch als «regulatorischer Tsunami» bezeichnet. Der Bereich ist gross und zunehmend komplex, und einzelne Vorschriften gewinnen an Geschwindigkeit und Kraft, was zu einem kumulierten Effekt führt, dessen Navigation schwierig scheint.

Hierbei gibt es drei Punkte auf der regulatorischen Agenda, die Impact-Anleger 2024 beachten sollten:

1.    Implementierung des neuen Reporting-Systems der EU: standardisierte doppelte Wesentlichkeit beim Nachhaltigkeits-Reporting tritt in Kraft

Die EU-Richtlinie zur Unternehmens-Nachhaltigkeitsberichterstattung («CSRD») trat im Januar 2023 in Kraft. Sie verpflichtet Unternehmen, über ihre Nachhaltigkeitspraktiken Bericht zu erstatten, und ist eine wichtige Komponente der neuen regulatorischen Rahmenbedingungen der EU für nachhaltige Finanzierung. Ein klares Normenwerk für die Erstellung dieser Berichte ist in den beiliegenden Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung («ESRS») aufgeführt, die im Oktober 2023 angenommen wurden. Diese Entwicklungen markierten eine konzeptuelle Verlagerung hin zur Perspektive der «doppelten Wesentlichkeit» in der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. Im Rahmen dieses neuen Reporting-Systems werden Unternehmen berichten, wie Nachhaltigkeitsfaktoren ihre wirtschaftlichen Aktivitäten finanziell beeinflussen können. Zudem können sie klären, welche eigene Wirkung die Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft haben. Für Anleger, die nach Unternehmen mit Lösungen für ökologische bzw. soziale Herausforderungen suchen, sind das genau die Daten und Informationen, die sie brauchen.

Welche Unternehmen werden davon 2024 und darüber hinaus betroffen sein? CSRD wird für Unternehmen mit Sitz in der EU gelten (vorbehaltlich bestimmter Grössenkriterien), aber auch für Nicht-EU-Unternehmen, die in erheblichem Umfang in der EU tätig sind. Somit wird das neue Nachhaltigkeitsberichtssystem für Unternehmen schrittweise eingeführt, bis es bis 2028 für rund 50 000 Unternehmen gelten wird, die auf dem europäischen Markt tätig sind. Die ersten Unternehmen müssen ihre ersten Berichte bereits 2025 veröffentlichen. Für Anleger ist es wichtig zu beachten, dass 2024 das erste Jahr ist, in dem diese Unternehmen dieses neue Berichtssystem implementieren müssen.

Die Zeit wird zeigen, wie nützlich und vergleichbar diese Offenlegungen sein werden. Die Unternehmen müssen selbst eine Analyse auf doppelte Wesentlichkeit durchführen, weshalb wir hoffen, Berichte zu sehen, die auf die Erwartungen der Stakeholder und insbesondere der Anleger ausgerichtet sind. Als aktiver Vermögensverwalter stehen wir bereits in direktem Kontakt mit Unternehmen in unserem Portfolio, indem wir die Art von Impact-Indikatoren erklären, nach denen wir suchen und wie diese dazu beitragen können, die «doppelten Dividende», wie wir sie nennen, zu identifizieren.1 Weitere Informationen über diesen Ansatz finden Sie auf Seite 51 unseres ESG Integration and Stewardship Reports .

2.    Änderung der Vorschriften für die Kennzeichnung von Finanzprodukten

Ein zweiter Bereich, den Impact-Anleger 2024 im Blick halten sollten, ist die Kennzeichnung von Finanzprodukten im Bereich nachhaltiger Finanzierung. Eine spezielle Entwicklung, die man im Auge behalten muss, ist die Grundsatzerklärung «Sustainability Disclosure Requirements (SDR) and investment labels», die die UK Financial Conduct Authority im November 2023 veröffentlicht hat, einschliesslich einer Kategorie «Sustainability Impact». Eine weitere Entwicklung ist die mögliche Umgestaltung von gemäss der Sustainable Finance Disclosure Regulation («SFDR») erforderlichen Angaben auf Level 1, nachdem die Europäische Kommission im Dezember 2023 eine Konsultationsphase abgeschlossen hat. Im Rahmen dieser Konsultation wurde Feedback zu einer Kategorie an Finanzprodukten eingeholt, die in Assets anlegen, «die insbesondere darauf abzielen, gezielte, messbare Lösungen für Probleme im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit zu bieten, die Menschen und/oder Planet betreffen.» Ähnlich veröffentlichte die ESMA im Dezember 2023 das Ergebnis ihrer Beratung zu Namensregeln für ESG-Fonds, mit der Schlussfolgerung, dass «impact»-bezogene Begriffe auf Anlagen begrenzt werden sollen, die «mit der Absicht getätigt werden, positive, messbare soziale oder ökologischen Wirkung zu erzielen.» Anders gesagt: Impact-Fonds werden in Zukunft separat von anderen nachhaltigen Investitionen gesehen.

3.    Ein Schritt in Richtung der Regulierung von ESG-Rating-Agenturen

Die EU dominierte 2023 wirklich die ESG-Regulierungsfront, u. a. durch eine Einigung im Rat, den Vorschlag für ein Mandat auszuhandeln, das die ESG-Ratings regulieren soll. Anleger, die sich eine Meinung über das Nachhaltigkeitsprofil von Unternehmen und Finanzinstrumenten machen möchten, verlassen sich auf ESG-Ratings – daher ist eine Regulierung der Rating-Kohärenz in der EU ein grosser Fortschritt.

Die Entwicklung dürfte eine bessere Verlässlichkeit und Vergleichbarkeit von ESG-Ratings ermöglichen – indem Transparenz, Integrität und das Vermeiden von Interessenkonflikten sichergestellt werden. ESG-Rating-Anbieter mit Sitz in der EU werden die Genehmigung der ESMA benötigen, und sich an Anforderungen hinsichtlich Transparenz halten und bestimmte Massnahmen zur Verhinderung von Interessenkonflikten ergreifen müssen. Der Umfang der ESG-Ratings schliesst angepasst an die CSRD ausdrücklich ökologische, soziale und Governance-Faktoren sowie Menschenrechte ein.

ESG-Rating-Anbieter mit Sitz ausserhalb der EU müssen zudem die Äquivalenz, Billigung oder Anerkennung ihres eigenen Regulierungssystems mit dem des Rates beantragen.

Wir begrüssen diese Entwicklung, da Gespräche mit unseren Kunden und Kollegen zeigen, dass ESG-Ratings weiter für Verwirrung sorgen, auch wenn das Thema zunehmend ins Rampenlicht rückt. Ein Beispiel ist die übliche falsche Vorstellung, dass ein gutes ESG-Rating gute Nachhaltigkeitspraktiken bedeutet – eine solche Annahme ist jedoch nicht möglich, wenn es derzeit keinen standardisierten und transparenten Ansatz unter den Rating-Agenturen gibt.

Blick in die Zukunft

Ein solches gemeinsames Rahmenwerk für Rating-Agenturen wird dazu beitragen, gleiche Bedingungen zu schaffen, wenn es darum geht, zu verstehen, wie Ratings gebildet werden und was genau sie bedeuten. Der Übergang zu doppelter Wesentlichkeit ist auf ähnliche Weise eine Entwicklung, die wir begrüssen, da sie Impact-Anlegern eine umfassendere Perspektive ermöglicht und die strengeren Kennzeichnungsvorschriften wichtig sind, um Klarheit und Kohärenz sicherzustellen. Auch wenn die zunehmende Regulierung nicht die Überzeugungen, die Impact-Anleger antreiben, dämpfen wird, muss das Thema geregelt werden, um die anhaltende Relevanz der Impact-Anlagen als ESG-Anlagekategorie zu sichern. Wir wenden diesen Ansatz mit unserer Impact-Investing-Strategie bereits seit Jahren an und wir wollen an der Spitze aller regulatorischen Entwicklungen, aber auch der neuen Kundenbedürfnisse stehen, indem wir beide Faktoren kombinieren, um attraktive Produkte anbieten zu können, die konform sind. Zudem haben wir 2016 den Anlage-Ansatz Listed Impact Strategy positioniert und vor mehr als zwei Jahren unsere Anleihenstrategie mit Fokus auf ökologische und soziale Projekte gestartet, beide mit einem starken Fokus auf Transparenz und klaren Botschaften. 2020 schloss sich Vontobel auch dem Global Impact Investing Network (GIIN) an, das wir als führendes Netzwerk in dem Bereich anerkennen, und das den Bereich prägt und Konformität mit den globalen Standards sicherstellt.

 

 

 

Über den Autor

Zugehörige Insights