Investors’ Outlook: Schadens-Check nach dem Sturm
Multi Asset Boutique
Kurz und bündig
- Nach Meinung der Multi Asset Boutique kann ein starker Abschwung vermieden werden, da die Konsumenten seit der Finanzkrise weniger stark verschuldet und die Unternehmensbilanzen weiterhin solide sind.
- Das Team wartet vorerst ab und hält an seiner Einschätzung fest, dass sich die Inflation abkühlt, die Zinsen sinken und die Renditen vermutlich folgen werden. Aus Makrosicht ist die Multi Asset Boutique nicht pessimistisch, sondern vorsichtig. Sie hält Liquidität vor, beobachtet die Lage genau und wartet auf mehr Klarheit.
- Die Multi Asset Boutique geht davon aus, dass die US-Notenbank Fed wohl einen Kompromiss als Strategie verfolgen wird: Sie dürfte die Zinsen nicht sofort, dafür aber zu einem späteren Zeitpunkt deutlicher senken, sollte die Wirtschaft Zeichen einer Abschwächung zeigen und die Beschäftigungslage sich verschlechtern.
Schadens-Check nach dem Sturm
Die Zölle bleiben eine der disruptivsten Kräfte an den globalen Märkten, und obwohl sich der Wind gelegt hat, sind wir noch weit davon entfernt, das volle Ausmass des Schadens zu begreifen. Derzeit verharren die Märkte in beklommener Stille, nachdem das Auge des Sturms vorübergezogen ist und eine erhebliche Unsicherheit hinterlassen hat.
Letztlich war es der Anleihenmarkt, der US-Präsident Donald Trump dazu brachte, seine aggressive Strategie zu pausieren – eine stille Rebellion der Anleiheninvestoren angesichts steigender Renditen und der herrschenden Verunsicherung.1 Doch diese Pause bietet wenig Grund zur Beruhigung. Durch die anhaltende Unsicherheit wurde auch das Vertrauen in einen anderen traditionell sicheren Hafen erschüttert: den US-Dollar. Der Goldpreis hingegen ist weiter in die Höhe geschnellt, getrieben von sicherheitsorientierten Anlegern. Und die Märkte sind weiterhin hochgradig reaktiv: Trump attackiert den Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, und die Börsen knicken ein.2 Er rudert zurück, und die Kurse erholen sich3. Es scheint, als befänden wir uns in einem Marktumfeld, in dem Stimmung mehr zählt als Substanz. Für die Anleger könnte das ein Signal zur Vorsicht sein.
Wir bleiben zurückhaltend und sind weiterhin überzeugt, dass sich die Inflation abkühlt, die Zinsen weiter sinken und die Renditen entsprechend nachziehen werden. Makroökonomisch sind wir nicht pessimistisch gestimmt. Wir sind aber vorsichtig, setzen entsprechend auf Liquidität und beobachten die Lage genau, bis sie transparenter wird. Diese Klarheit dürfte sich nicht vor Ende des zweiten Quartals einstellen, wenn die Berichtssaison hinter uns liegt und sich hoffentlich eine geopolitische Deeskalation abzeichnet.
In den USA sind die Aktienbewertungen gesunken, aber immer noch nicht günstig angesichts des Risikos, dass es bei den Unternehmensgewinnen zu weiteren Abwärtskorrekturen kommen könnte. Das Investment Committee der Multi Asset Boutique hat sich dazu entschieden, keine Änderungen an seiner Asset-Allokation vorzunehmen.
Zum jetzigen Zeitpunkt gilt unser Interesse der Schadensanalyse. Wie viel Vertrauen herrscht noch unter Konsumenten und Kleinbetrieben, zwei tragenden Säulen der US-Wirtschaft? Was signalisieren die Unternehmen durch ihre Investitionspläne? Wie passen sich die Lieferketten an die anhaltenden Spannungen mit China an? Solange wir nicht bessere Antworten haben, ist es unseres Erachtens zu früh, Entwarnung zu geben.
Wir glauben nicht, dass jetzt der Moment für kühne Schachzüge ist. Ein Kurswechsel in Richtung Deregulierung und Steuererleichterungen könnte bevorstehen und die ersehnte Wolkenlücke für die Märkte bringen. Aber im Augenblick halten wir Geduld und Diversifikation für entscheidend. Wir haben auch ein Auge auf die bevorstehenden Handelsgespräche und -abkommen. Die Fed hat die Zinssätze unverändert gelassen und betont, dass es angesichts der Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten keinen Grund zur Eile für eine Senkung gibt.
In diesem Investors’ Outlook beschäftigen wir uns detailliert mit Trumps Ambitionen, «Amerika wieder gross zu machen». Ausserdem untersuchen wir die Botschaft des Anleihenmarktes und nehmen den Gold-Hype genauer unter die Lupe.
Es mag heller am Himmel werden, doch bevor der Wiederaufbau beginnen kann, müssen wir uns erst über die Schäden im Klaren sein.
1. Quelle: Artikel von CNN, veröffentlicht am 9. April 2025. https://edition.cnn.com/2025/04/09/politics/trump-tariffs-retreat-bond-market/index.html
2. Quelle: Artikel von Bloomberg, veröffentlicht am 21. April 2025. https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-04-21/us-stocks-tumble-as-trump-s-threat-to-fire-powell-adds-pressure
3. Quelle: Artikel von Reuters, veröffentlicht am 23. April 2025. https://www.reuters.com/world/us/trump-no-plans-fire-fed-chair-powell-wants-lower-rates-2025-04-22/