US-Zölle – der Tanz ist eröffnet

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Kurz und bündig

  • Aus unserer Sicht stellen Donald Trumps Zölle ein kurzfristiges Risiko für die Inflation dar, allerdings werden sie vermutlich eher das Wachstum abschwächen. Doch dies würde auch die Nachfrage belasten und somit letztlich die Inflation dämpfen. Die Zölle scheinen nicht dauerhaft angelegt zu sein, sondern eher als Verhandlungsinstrument zu dienen.
  • Im Januar lag die Inflation in den USA über den Erwartungen, was den Weg zum 2%-Ziel der US-Notenbank Fed erschweren dürfte.
  • Das Vontobel Investment Committee hat entschieden, Schwellenländeraktien von neutral auf übergewichtet hochzustufen. Gleichzeitig wurden Hochzinsanleihen von neutral auf untergewichtet herabgestuft.

 

 

US-Zölle – der Tanz ist eröffnet

Der Februar begann mit einem orchestrierten Tanz aus Quartalsergebnissen und wirtschaftspolitischen Massnahmen, die gleichermassen Einfluss auf die Marktstimmung hatten.

Die Gewinne der Big-Tech-Unternehmen offenbarten die Ungleichheiten innerhalb des Sektors, da einige Tech-Giganten wie Meta und Microsoft bessere Zahlen vorlegten als erwartet, während andere – wie Tesla – ins Straucheln gerieten. Die Aktien der «Old Economy»1 zeigten sich standhafter, was auf eine potenzielle Verlagerung auf Sektorebene hindeutete. Interessanterweise hat nämlich nach zwei Jahren der Tech-Dominanz der Dow Jones Industrial Average den Nasdaq Composite seit Anfang Jahr wieder übertroffen – ein erstes Indiz dafür, dass sich die Anleger traditionellen Branchen und Substanzwerten zuwenden könnten, wohl wegen der Bedenken über die erhöhten Bewertungen im Technologiesektor.

Präsident Donald Trump brachte die Märkte mit einer Reihe von Zollankündigungen zusätzlich aus dem Takt. Eine Abgabe von 25% auf Importe aus Kanada und Mexiko ist nun in Kraft, worauf beide Länder mit Vergeltungszöllen reagiert haben. Zudem hat Trump den Zoll auf chinesische Waren von 10 auf 20% erhöht, und China hat seinerseits Gegenmassnahmen ergriffen. Wir behalten die US-Konsumenten genau im Blick, da sie sich zunehmend Sorgen über die Auswirkungen der Zölle auf die Inflation machen – ein Grund für die Nervosität der Märkte. Das Konsumentenvertrauen hat bereits gelitten, was besonders bemerkenswert ist, da es die US-Wirtschaft bislang gestützt hat. Sollten sich die langfristigen Inflationserwartungen verschieben, könnte das die Geldpolitik beeinflussen. Aus unserer Sicht könnten diese Massnahmen kurzfristige Inflationsrisiken darstellen, sie dürften jedoch im Endeffekt das Wirtschaftswachstum ausbremsen. Dies würde wiederum die Nachfrage belasten und letztlich die Teuerung dämpfen. Die Zölle scheinen nicht dauerhaft angelegt zu sein, sondern als Verhandlungsinstrument zu dienen, um die «America First»-Politik voranzutreiben. Wir gehen nicht davon aus, dass sie das ganze Jahr Bestand haben oder auf dem jetzigen Niveau bleiben werden.

Zudem behalten die Anleger einen möglichen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine genau im Auge. Bei einer Einigung könnte Trump Europa zu höheren Militärausgaben drängen und die US-Staatsausgaben neu ausrichten. Für Europa könnte eine Einigung ein Impuls zu weiteren Fiskalanreizen sein, wobei die geringere politische Unsicherheit die wirtschaftliche Stimmung aufhellen könnte.

Die makroökonomische Divergenz zwischen den USA und Europa ist nach wie vor eklatant, weshalb die Zentralbanken unterschiedlich reagieren könnten. Jüngste Inflations- und Makrodaten in Europa dürften den Weg für weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) ebnen, während der Weg der US-Notenbank Fed zu ihrem Zwei-Prozent-Inflationsziel schwieriger aussieht. In China strebt der Nationale Volkskongress ein Wachstum von etwa 5% an.

Im aktuellen Investors’ Outlook blicken wir auf Trumps «Handelskrieg 2.0» – seine Motive und die potenziellen Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum, Inflation und Geldpolitik – und betrachten mögliche künftige Szenarien. Ausserdem legen wir unsere Sicht auf das Thema Rohstoffe dar und gehen auf unsere Asset Allocation ein.

Die Tanzfläche ist gut gefüllt, aber wir wollen, dass jeder Schritt zählt.

 

 

1. Aktien aus traditionellen Branchen wie das verarbeitende Gewerbe, Energie, Transport oder Konsumgüter, die stabile Gewinne, Dividenden und ein langfristiges Wertpotenzial bieten können.

 

 

 

 

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