Wie investieren, wenn die Welt am Abgrund steht?
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«We Can. We Will.» So tönt es derzeit aus New York, wo sich Staats- und Regierungschefs sowie Klima-Experten zur diesjährigen «Climate Week» zusammengefunden haben. Seit Jahren hallt auf Konferenzen, in Studien und Berichten rund um den Globus der Ruf nach dringenden Massnahmen zum Klimaschutz wider. Doch jetzt schrillen die Alarmglocken lauter denn je.
Die Erderwärmung schreitet unaufhaltsam voran und macht sich immer heftiger bemerkbar. Diesen Sommer wurden in verschiedenen Regionen der nördlichen Hemisphäre die heissesten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Auch das Abfall-Management ist ausser Kontrolle: Wir nähern uns dem Punkt, an dem in unseren Meeren, am Gewicht gemessen, mehr Plastik schwimmt, als sich Fische tummeln. Die globale Artenvielfalt – sie ist unverzichtbar für nachhaltiges Leben auf unserer Erde und ihr wirtschaftlicher Wert wird auf 44 Billionen US-Dollar geschätzt (rund doppelt so viel wie das BIP der USA) – befindet sich am Rande einer «Natur-Apokalypse», wie ein Bericht der Vereinten Nationen (UN) es nennt.
Trotz bereits etlicher ergriffener Massnahmen steht unsere Welt gefährlich nah am Abgrund. Einzelne Länder erzielten in jüngster Zeit zwar einige Erfolge im Kampf gegen die Abholzung, etwa Brasilien. Dennoch entwich 2022 durch die Zerstörung des Regenwaldes etwa gleich viel CO2 in die Atmosphäre, wie Indien während eines ganzen Jahres durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht. Dies trotz des Pariser Klimaabkommens von 2015, welches vorsieht, die Treibhausgas-Emissionen um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, und trotz der vor knapp zwei Jahren bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP26) getroffenen Vereinbarung, die Abholzung zu stoppen.
Können Anleger zu nachhaltigen Veränderungen beitragen und …
Können wir die erforderlichen Veränderungen noch rechtzeitig herbeiführen? Die Weltgemeinschaft benötigt dringend einen Plan, um diese Herausforderungen erfolgreich anzugehen. Zur Umsetzung dieses Plans sind erhebliche finanzielle Mittel erforderlich.
Hierbei müssen Investment-Firmen ihren Part als Kapitalvermittler übernehmen. Wir sind überzeugt, dass immer mehr Investoren Wert auf Nachhaltigkeit legen, ihr daher immer mehr Beachtung schenken und sie auch bei ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen. Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzt beispielsweise, dass die weltweit für Investitionen in eine nachhaltige Entwicklung vorgesehenen Mittel inzwischen einen Wert von 1,3 Billionen US-Dollar erreicht haben. In den nächsten zehn Jahren, dem sogenannten «Jahrzehnt der Umsetzung» der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (UN SDGs), dürfte die Menge an Produkten mit Nachhaltigkeitsbezug beträchtlich wachsen.
Deshalb zielt das Konzept des Impact Investing von Vontobel darauf ab, den Kunden eine sogenannte «doppelte Dividende» zu bieten: die Chance, eine finanzielle Rendite zu erzielen und gleichzeitig die Möglichkeit, messbar positiv auf unseren Planeten und unsere Gesellschaft einzuwirken. Wir möchten mit Impact Investing zur Lösung der dringlichsten Probleme unserer Welt beitragen, indem wir in Unternehmen mit innovativen und skalierbaren Produkten und Dienstleistungen investieren.
… von dem damit einhergehenden Wachstum profitieren? Hier winken auch strukturelle Chancen
Manche Anleger mögen denken, Impact Investing würde zwingend ihre Rendite schmälern. Abgesehen vom Expertenwissen, das wir bei unserem Anlageprozess einfliessen lassen, hat die Chance auf Renditen beim Impact Investing auch eine strukturelle Komponente.
BloombergNEF hat die Investitionschancen auf 200 Billionen US-Dollar beziffert, müssen doch die Massnahmen für die Energiewende noch wesentlich gesteigert werden, damit die Welt ihre Netto-Null-Ziele bis 2050 erreichen kann. Dies bedeutet jährliche Ausgaben in Höhe von rund 6,5 Billionen US-Dollar (verglichen mit 2 Billionen US-Dollar im Jahr 2021), was durchschnittlich 2 Prozent des weltweiten BIP gleichkommt oder in etwa den Militärausgaben der NATO-Partner.
Bereiche wie Windkraft, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen müssen massiv ausgebaut werden. Laut einer Studie von Bank of America Global Research müssten zum Beispiel die Windkraft-Kapazitäten in den USA von derzeit gerade einmal 100 Gigawatt bis zum Jahr 2050 auf 4 200 Gigawatt erhöht werden. Man denke nur an die vielen Hunderttausend Ladestationen für Elektrofahrzeuge, die es für den Übergang zu einem batteriebetriebenen Strassenverkehr braucht.
Alle diese Bereiche müssen um das 40- bis 200-fache ihrer heutigen Grösse zulegen. Ein solches Wachstum ist nur mit entsprechendem Kapital möglich. BloombergNEF schätzt, dass rund 110 Billionen US-Dollar erforderlich sind, um die Art, wie wir heute Energie verbrauchen, zu transformieren – man denke hier an Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und nachhaltiges Recycling. Weitere 90 Billionen US-Dollar sollen in Anlagen zur Energieversorgung, einschliesslich Netz-Infrastruktur und Technologien zur Bindung von CO2, fliessen.
Die Investitionsanreize in den USA und in Europa greifen zusehends, und es dauert nicht mehr lange, bis die in die Energiewende investierten Mittel jene in fossile Brennstoffe überholen. Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Jahren weiter verstärken. Unternehmen, die in diesem Bereich über einen Wettbewerbsvorteil verfügen, entsprechen genau unserer Zielgruppe für Investitionen. Denn sie dürften vom Kapitalzufluss profitieren, können oft kostengünstigere Lösungen anbieten und haben häufig auch mehr Wachstumspotenzial.
Der Trend dürfte auch ohne politische Unterstützung und Subventionierung jenen Unternehmen langfristig strukturellen Rückenwind verleihen, die mit praktikablen Lösungen für die Umweltbedrohungen aufwarten, mit denen wir konfrontiert sind. Investitionen in Technologien, die energieeffiziente Gebäude, grünen Strassenverkehr und Alternativen zu kohlenstoffintensiven Prozessen fördern, sind genauso wichtig wie der Aufbau von Wind- und Solarparks. Daher sind wir überzeugt, mit unseren Portfolio-Positionen, die verschiedene Wirkungsbereiche umfassen, gut aufgestellt zu sein.
Was bringt dies den Anlegern? Unter dem Strich ermöglicht ihnen Impact Investing, langfristige Wachstumschancen im Bereich globaler Aktien zu nutzen und gleichzeitig skalierbare Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels sowie anderer ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen zu unterstützen. So können sie am Gewinnpotenzial von Unternehmen teilhaben, die Lösungen für die Probleme der Welt bieten und damit den Weg in eine bessere Zukunft ebnen helfen.
Der Appell findet Gehör
Das Interesse an solchen Investitionen ist zweifellos vorhanden. Unser eigenes Research bestätigt das beträchtliche Interesse professioneller Anleger an Impact-Investing-Strategien und lässt darauf schliessen, dass noch viel ungenutztes Potenzial im Markt vorhanden ist.
So gaben im Rahmen unserer Impact-Investing-Umfrage 2023 bei institutionellen und professionellen Anlegern mehr als die Hälfte der Befragten an, ihr Beweggrund für Impact Investing sei der Wunsch, sowohl eine finanzielle als auch eine nicht-finanzielle Rendite zu erzielen. 70 Prozent der Befragten planen, ihre Impact-Anlagen in börsengehandelte Aktien in den nächsten drei Jahren auszubauen.
Regulatorischer Druck dürfte dem Interesse der Anleger an Impact Investing zusätzlich förderlich sein. Das Weisse Haus gab kürzlich den Plan von US-Präsident Joe Biden bekannt, die Emissionen der USA gegenüber 2005 zu halbieren. Dies entspricht nahezu einer Verdoppelung des ursprünglichen, von der Obama-Regierung festgelegten Ziels. Die Gesetzgeber der Europäischen Union haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, ihr Ziel der Emissionsverminderung gegenüber 1990 von 40 Prozent auf 55 Prozent zu erhöhen. Dies wird die Unternehmen zusätzlich unter Druck setzen, sich dem Kampf gegen den Klimawandel anzuschliessen.
Die Alarmglocken schrillen ohrenbetäubend. Die Menschheit kann aber nicht einfach Hals über Kopf zum Notausgang rennen. Wir müssen unsere bisherigen Anstrengungen verdoppeln. Hierbei sind die Investoren zentral, damit wir die Wende zum Besseren schaffen. Es ist höchste Zeit, zu handeln. Nicht morgen. Nicht nächste Woche oder nächstes Jahr. Nein, jetzt!
Dieses Dokument dient ausschliesslich zu Informationszwecken. Keine der darin enthaltenen Informationen stellt eine Aufforderung, ein Angebot oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Anlageinstrumenten, zur Durchführung von Transaktionen oder zum Abschluss von Rechtsgeschäften gleich welcher Art dar. Entscheidungen, die auf Grundlage der in diesem Dokument enthaltenen Informationen getroffen werden, liegen in der alleinigen Verantwortung des Lesers. Es wird davon abgeraten, sich bei Investment- oder sonstigen Entscheidungen auf die in diesem Dokument enthaltenen Informationen zu verlassen. Dieses Dokument wurde nicht unter Berücksichtigung der individuellen Situation des Anlegers verfasst. Alle in diesem Dokument enthaltenen Prognosen, zukunftsgerichteten Aussagen oder Schätzungen sind spekulativ. Aufgrund verschiedener Risiken und Ungewissheiten kann nicht garantiert werden, dass sich die vorgenommenen Schätzungen oder Annahmen als zutreffend erweisen. Demzufolge können die tatsächlichen Ereignisse oder Ergebnisse erheblich von denen abweichen, die in diesem Dokument aufgeführt oder in Erwägung gezogen werden. Die in diesem Dokument geäusserten Ansichten können sich aufgrund von Markt-, Wirtschafts- und anderen Bedingungen ändern. Die Informationen in diesem Dokument dürfen nicht als Empfehlungen verstanden werden, sondern dienen der Veranschaulichung allgemeiner wirtschaftlicher Themen. Die frühere Wertentwicklung ist kein zuverlässiger Indikator für die künftige Performance. Aufgrund von Wechselkursschwankungen zwischen den Währungen kann der ROI sowohl steigen als auch fallen. Der Wert des in einen Fonds investierten Kapitals kann steigen oder fallen, und es gibt keine Garantie dafür, dass investiertes Kapital ganz oder teilweise zurückgezahlt werden kann.