Festverzinsliche Anlagen 2023: Comeback der Erträge
TwentyFour
«Nächstes Jahr um diese Zeit, Rodney …»
Nach einem der wohlmöglich schlechtesten Jahre für typische 60-40-Portfolios möchten die meisten Anleger weltweit 2022 so schnell wie möglich hinter sich lassen und sich auf Chancen im neuen Jahr konzentrieren.
Zum 30. November lagen die Renditen seit Jahresbeginn beinahe jeder Anlageklasse (mit Ausnahme einiger Rohstoffe) tief im Minus, nachdem infolge des Inflationsanstiegs und der zunehmend aggressiver werdenden Zentralbankpolitik eine hektische Neubewertung an den Märkten stattgefunden hatte. Festverzinsliche Anlagen hatten 2022 unter der Straffung der Geldpolitik selbstredend am stärksten zu leiden. Staatsanleihen haben in puncto Performance eines der schwächsten, wenn nicht gar das schwächste Jahr ihrer Geschichte hinter sich. Unternehmensanleihen wurden vom höheren Zinsniveau und der Sorge der Anleger vor einer geldpolitisch bedingten «harten Landung» der Wirtschaft getroffen.
Doch es gibt Grund zur Hoffnung für die Anleger im kommenden Jahr. Die Märkte haben Einiges ertragen und scheinen schlechte Nachrichten bereits in erheblichem Masse eingepreist zu haben. Als wir uns für die Erstellung dieses Ausblicks zusammensetzten, bestand Einigkeit darüber, dass das Schlimmste nun überstanden ist. Zwar rechnen wir nicht mit einer linearen Erholung, wie es von April 2020 bis Mitte 2021 der Fall war, doch angesichts der derzeitigen Renditen gehen wir davon aus, dass festverzinsliche Anlagen gut für positive Erträge im Jahr 2023 positioniert sind.
Banken erscheinen uns in der gesamten Kapitalstruktur attraktiv, genauso wie hochqualitative europäische RMBS und CLOs, bei denen sich die Spreads erheblich verengen können. Aufgrund des schnellen, heftigen Abschwungs im Jahr 2022 rentieren selbst Investment-Grade-Anleihen mit kurzer Laufzeit noch höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit der globalen Finanzkrise1, weshalb wir auch am qualitativ hochwertigeren, sicheren Ende des traditionellen Risikospektrums noch gute Value-Chancen erwarten. Da wir mit einer schleppenden Erholung rechnen, erwarten wir 2023 die besten Fixed-Income-Chancen auf titelspezifischer Ebene. Die Anfangsrenditen in der gesamten Anlageklasse bedeuten jedoch auch, dass Anleger für positive Erträge nicht ins Risiko gehen müssen.
2023 mit weniger Unwägbarkeiten
Gegen Ende des Jahres 2021 waren wir uns sehr sicher, dass der Glaube der Zentralbanken an eine vorübergehende Inflation falsch war und viel zu spät mit einer Erhöhung der Leitzinsen zur Inflationsbekämpfung begonnen worden war. Es scheint, als hätten wir in diesen zwei Punkten recht behalten. Doch wie viele andere rechneten wir nicht mit einem derartigen Anstieg der Inflation und unterschätzten Geschwindigkeit und Umfang der erforderlichen geldpolitischen Schritte.
Die russische Invasion der Ukraine stellte sämtliche Inflationsprognosen auf den Kopf. Der Krieg führte zu einer Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, die zusammen mit den noch immer vorherrschenden Lieferengpässen zu einem gänzlich unerwarteten Anstieg der Inflation führten. In der Folge kam es zu einem der schnellsten Zinserhöhungszyklen durch die Fed in der Geschichte der USA, der später auch die Bank of England (BoE) und die Europäische Zentralbank (EZB) folgten. Die folgenden Entwicklungen an den Zinsmärkten waren ebenso heftig und die Auswirkungen auf die Performance der übrigen Anleihemärkte (und der meisten anderen Anlageklassen) sind allen präsent.
Die letzten elf Monate sind von der Angst der Märkte vor mehreren Unbekannten gekennzeichnet. Dazu gehören Inflation, Geldpolitik, Lieferengpässe, der Krieg in der Ukraine, die europäische Energiekrise, die Corona-Politik Chinas, politische Verwerfungen in Grossbritannien, die Belastbarkeit der Verbraucher sowie Beginn und Verlauf der Rezession.
Zumindest lässt sich aus dem Horrorjahr 2022 die Erkenntnis ziehen, dass durch die rasante Abfolge der Ereignisse nun eine Vielzahl dieser Unbekannten aus dem Weg geräumt oder zumindest klarer erkennbar sind.
Die Inflation in den USA hat endlich ihren Wendepunkt erreicht und könnte unserer Ansicht nach in den nächsten sechs Monaten deutlich zurückgehen. Wir sind daher den erwarteten Höchstzinssätzen bereits sehr nahe und können uns der weiteren Schritte der Fed sehr viel sicherer sein als im gesamten Jahresverlauf 2022. Angesichts des breiten Ausverkaufs waren die aufeinanderfolgenden Bärenmarktrallys in diesem Jahr keine Überraschung, die starke Erholung der Anleihenmärkte im Anschluss an die Bekanntgabe der rückläufigen Inflationszahlen in den USA Anfang November ist unserer Meinung nach jedoch überfällig und mehr als berechtigt. Der gleichzeitige Anstieg des Anleiheangebots am Primärmarkt zeigt, dass die Anleger über umfangreiche Bargeldreserven verfügen und – was noch wichtiger ist – diese auch einsetzen möchten.
Eine Prognose geopolitischer Krisen ist schwierig, doch die jüngsten Entwicklungen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine geben Hoffnung, dass sich die schlimmsten Szenarien abwenden lassen. Auch das für diesen Winter befürchtete Worst-Case-Szenario von Stromausfällen und Energierationierung in Europa scheint nicht mehr realistisch. Grund hierfür sind ein Preisrückgang und die erfolgreiche Beschaffung von Energie aus nicht-russischen Quellen.
Am positivsten auf das kommende Jahr lassen uns jedoch die Anfangsrenditen im Anleihenmarkt blicken, die unserer Meinung immer noch deutlich mehr schlechte Nachrichten einpreisen als wir für die nächsten zwölf Monate erwarten. Die Breakeven-Renditen bieten Anleiheinhabern derzeit einen erheblichen Schutz vor Verlusten und wir sind der Meinung, dass die Anleger ihre Portfolios 2023 ohne Angst vor ähnlichen Verwerfungen wie 2022 gestalten können.
Von den verbliebenen Unbekannten scheint uns die Unsicherheit über die Auswirkungen anhaltend hoher Leitzinsen auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten am wesentlichsten. Aus Makrosicht rechnen wir mit drei möglichen Szenarien im Jahr 2023:
- Harte Landung (Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent) – Unser Worst-Case-Szenario beinhaltet einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit, einen massiven Einbruch des Bruttoinlandsprodukts, eine Verschlechterung der Ratings sowie eine Explosion der Ausfallquoten. In diesem Falle dürfte die Fed den Leitzins deutlich senken, woraufhin US-Staatsanleihen zulegen, die Kreditrisiko-Spreads sich jedoch noch ausweiten dürften. Aufgrund der starken Fundamentaldaten der Banken sowie solider Zinsdeckungsquoten der Unternehmen scheint uns eine harte Landung jedoch recht unwahrscheinlich.
- Weiche Landung (30 Prozent) – Unser bestes Szenario geht davon aus, dass die Inflation zurückgeht – zwar nicht in die Nähe des 2-Prozent-Ziels, jedoch auf etwa 4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, jedoch nicht explosionsartig, sodass eine harte Landung ausgeschlossen werden kann. Die Fed wartet ab, sodass die Portfolios von den Leitzinsen kaum profitieren, wobei die hohen Leitzinsen für höhere Erträge sorgen würden. Auch bei den Kreditrisiko-Spreads wäre mit einer Rally zu rechnen.
- «Mittelweiche» Landung (50 Prozent) – Unser Basisszenario geht ebenfalls von einem Rückgang der Inflation auf ein für die Fed akzeptableres Niveau aus. Gleichzeitig steigt jedoch die Arbeitslosigkeit leicht an, weshalb sie eine Lockerung zumindest in Erwägung zieht. Auch wenn es 2023 nicht zu einer Leitzinssenkung kommt, rechnen wir mit Faktoren, die für einen Politikwechsel sprechen, und die Fed wird sich im späteren Jahresverlauf in Bezug auf eine mögliche Lockerung offener zeigen. In diesem Falle würde es zu einer späten Rally am Zinsmarkt kommen. Auch wenn wir nicht mit einer wesentlichen Rally der Kreditrisiko-Spreads rechnen, erwarten wir in bestimmten Sektoren jedoch eine Outperformance und die Portfolios könnten dank der Zinsunterstützung Renditen und einen leichten Kapitalzuwachs erzielen.
Die USA und die Fed
Trotz der geldpolitischen Straffung der Fed zeigt sich die US-Wirtschaft bislang robust. Die Konsumenten kommen mit dem Anstieg der Lebenshaltungskosten besser zurecht als erwartet, was nicht zuletzt auch an einem sehr angespannten Arbeitsmarkt mit einer weiterhin niedrigen Arbeitslosenquote liegt.
Die Arbeitslosenquote in den USA könnte im kommenden Jahr ein wichtiger Indikator für die Performance werden, da deren Entwicklung den weiteren Kurs der Fed – und damit auch das Potenzial eines Politikwechsels – wesentlich mitbestimmt. Bleibt die Arbeitslosenquote unter 4,5 Prozent (derzeit 3,6 Prozent) besteht unserer Ansicht nach wenig Anlass für die Fed, ihre Politik zu lockern. Trotz der angespannten Lage am Arbeitsmarkt darf nicht vergessen werden, dass ein Anstieg der Arbeitslosenquote – sollte es dazu kommen – in der Regel kräftig ausfällt. Wir werden daher sehr genau auf die Äusserungen von Firmenchefs achten und nach Hinweisen dafür suchen, ob die Jobkürzungen bei grossen Tech-Unternehmen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben.
Zwar hängen die schlussendlichen Auswirkungen der Zinserhöhungspolitik der Fed von einer Vielzahl unbekannter Variablen ab, doch wir rechnen mit einer weiter robusten US-Wirtschaft und einer milden Rezession, wenn eine solche eintreten sollte. Insgesamt sehen wir Potenzial für ein leichtes Wachstum der US-Wirtschaft im kommenden Jahr, unterstützt von einer Zinspause der Fed angesichts der weiter fallenden Inflation.
Die Inflation in den USA dürfte sich als recht hartnäckig erweisen. Die Fed hat ihre Hausaufgaben jedoch gemacht, weshalb wir für das nächste Jahr mit einem Rückgang des Verbraucherpreisindex (CPI) auf unter 5 Prozent rechnen, unter Umständen sogar bis auf 4 Prozent. Ausserdem rechnen wir für 2023 auch mit einem wesentlichen Rückgang der monatlichen Inflation in den USA im Jahresverlauf auf 0,2 Prozent bis zum Jahresende.
Wir rechnen damit, dass die Fed auf ihrer Sitzung am 14. Dezember den Leitzins um 50 Basispunkte erhöhen wird, wodurch die Obergrenze der Federal Funds Rate auf 4,5 Prozent steigen würde. Es könnte durchaus sein, dass damit der Höchststand erreicht ist, obwohl es auf der anderen Seite auch Gründe gibt, die für weitere Anhebungen um 25–50 Basispunkte im Jahr 2023 sprechen. Wir sind der Ansicht, dass wir den Endzinssätzen näherkommen, einen Politikwechsel bzw. eine Senkung der Leitzinsen im nächsten Jahr sehen wir jedoch noch nicht, da die Arbeitslosenquote unserer Meinung nach ausreichend niedrig ist, als dass die Fed ihren Fokus von der Inflationsbekämpfung abwenden müsste.
Gehen wir davon aus, dass es 2023 weder zu einer Rezession noch zu einem Kurswechsel der Fed kommt, spricht wenig für eine Verengung der Renditen von US-Staatsanleihen im nächsten Jahr. Unserer Ansicht nach dürften 10-jährige Staatsanleihen das Jahr nahe ihrem jetzigen Stand von rund 3,75 Prozent beenden. Die Märkte könnten jedoch gegen Ende nächsten Jahres damit beginnen, Zinssenkungen für 2024 einzupreisen. Wir rechnen mit einer flachen Kurve bis zur 30-Jahre-Marke, wobei die invertierte Kurve der 2- bis 10-jährigen Anleihen Bestand haben wird, da wir für 2023 mit entweder stabilen oder leicht höheren Zinsen rechnen.
Die Fed plant ausserdem eine quantitative Straffung in Höhe von 1 Billion US-Dollar im Jahresverlauf und die Vergangenheit liefert wenig Hinweise, wie sich dies auf die Wirtschaft oder die Renditen von US-Staatsanleihen im Allgemeinen auswirken wird. Einige Unsicherheiten bleiben, wie gesagt, weiter bestehen.
Europa und die EZB
Die Eurozone steht mehreren Herausforderungen gegenüber: ein Krieg vor der eigenen Haustür, externe Faktoren (insbesondere Energiekosten), welche die EZB mit einer Rekordinflation konfrontieren, ein scheinbar überhitzter Arbeitsmarkt mit historisch niedrigen Arbeitslosenquoten und Bedenken darüber, dass die Lohninflation einen Flächenbrand in der Region auslösen könnte (obwohl uns die bisherigen Forderungen der Gewerkschaften angemessen erscheinen).
Wir gehen davon aus, dass die Eurozone im nächsten Jahr in eine Rezession schlittert, die jedoch dank der jüngsten Verbesserungen beim Energieausblick mild ausfallen dürfte. Eine Vielzahl unbekannter Variablen macht sichere Prognosen für die europäische Wirtschaft jedoch weiterhin schwer, allen voran der anhaltende Konflikt in der Ukraine. Wenn ein Waffenstillstand erreicht werden könnte, hätte dies äussert positive Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Eurozone und würde unsere Einschätzungen höchstwahrscheinlich ändern.
In Sachen Inflation befindet sich die Eurozone in einer schwierigeren Situation als die USA, da die EZB sich mit Zinserhöhungen lange zurückhielt und zudem stark mit externer Inflation zu kämpfen hat, auf die sie wenig Einfluss nehmen kann. Wir rechnen mit einem Inflationsrückgang, wobei die Teuerungsrate deutlich höher als in den letzten Dekaden liegen wird, vermutlich bei rund 5,5 Prozent. Wir gehen davon aus, dass die monatliche Inflation zum Ende des Jahres 2023 doppelt so hoch wie in den USA sein wird. Erschwert werden die Prognosen allerdings durch staatliche Massnahmen wie einem «Energiepreisdeckel», dessen Auswirkungen auf die offizielle Inflation zum jetzigen Zeitpunkt schwierig einzuschätzen sind.
Die EZB hat die Zinssätze in diesem Jahr um 200 Basispunkte auf 1,5 Prozent angehoben und die Märkte gehen davon aus, dass die Zinssätze im Jahr 2023 um weitere 150 Basispunkte steigen werden, was wir weitgehend genauso sehen. Die EZB-Politik war jedoch Gegenstand lebhafter Diskussionen in unserem Team, und einige unserer Analysten waren der Auffassung, dass eine Zinserhöhung um 150 Basispunkte angesichts des Konjunkturdrucks zu extrem sei. Im Endeffekt wird es darauf ankommen, wie die Inflation auf die bisherigen Anhebungen reagiert. Noch im September lag der Leitzins der EZB bei 0 Prozent, während die Fed bereits auf 2,5 Prozent erhöht hatte. Daher rechnen wir damit, dass die EZB weiter versuchen wird, ihr zögerliches Handeln aufzuholen.
Die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen liegen weiter knapp unter 2 Prozent und wir rechnen mit einem Anstieg um 50–75 Basispunkte im kommenden Jahr. Die Meinungen im EZB-Rat gehen jedoch auseinander, da sich die Situation der einzelnen Länder sehr unterschiedlich darstellt. Dieser Dissens könnte sich 2023 noch ausweiten – mit wesentlichen Folgen für den Zinsmarkt.
Auch bei den Fortschritten der EZB in Sachen quantitative Straffung herrschte in unserem Team Uneinigkeit. Die meisten Teammitglieder zeigten sich skeptisch und rechnen mit einem Volumen von höchstens 200 Milliarden Euro.
Grossbritannien und die Bank of England
Grossbritannien sieht sich ähnlichen Problemen wie die Eurozone gegenüber. Die verheerende Marktreaktion auf die Ankündigung eines «Mini-Budgets» Ende September scheint überwunden, doch sie könnte unserer Meinung nach einen länger anhaltenden Effekt haben. In ihrem «Autumn Statement» machte die neue Regierung klar, dass die Haushaltslücke geschlossen werden muss. Wir rechnen mit einer stärkeren Rezession in Grossbritannien und einem Wachstumsrückgang um 1 Prozent im Jahr 2023, da sich Unternehmen und Verbraucher höheren Leitzinsen und Steuern gegenübersehen. Die Arbeitslosigkeit ist zwar nach wie vor sehr niedrig, die Verbraucherausgaben dürften sich jedoch deutlich verlangsamen. Die Inflation dürfte in Grossbritannien gegenüber ihrem derzeit sehr hohen Niveau deutlich zurückgehen, wird aber unserer Meinung nach in zwölf Monaten etwas höher sein als in der Eurozone. Auch hier gilt jedoch, dass die Auswirkungen wesentlicher staatlicher Eingriffe in den Energiemarkt noch nicht absehbar sind.
Die BoE hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Inflation ihrer Meinung nach hauptsächlich von externen Faktoren befeuert wird, zeigt sich jedoch entschlossen, die Inflation durch Zinserhöhungen wieder unter Kontrolle zu bringen. Dennoch werden Gouverneur Andrew Bailey und sein Team genau im Auge behalten, ob sich der Ausblick für die Wirtschaft weiter eintrübt.
Die BoE hat den Leitzins in diesem Jahr bereits um 275 Basispunkte auf 3 Prozent erhöht und muss diesen Kurs aufgrund der momentanen Inflationsrate von über 11 Prozent unserer Meinung nach beibehalten. Wir rechnen daher 2023 mit weiteren Erhöhungen des Leitzinses auf 4 Prozent. Die Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) haben seit dem Rücktritt von Liz Truss stark zugelegt, doch angesichts der zu erwartenden Zinspolitik rechnen wir mit einem Rückgang der Renditen 10-jähriger Gilts in Richtung 4 Prozent. Die Meinung des Teams zur Geld- und Zinspolitik der BoE war jedoch gespalten. Die Zinskurve der 2- bis 10-jährigen Gilts dürfte ebenfalls invertiert bleiben und bei 10- bis 30-jährigen Gilts gehen wir von einer flachen Kurve aus. Zudem dürfte die BoE eine Reduzierung ihrer Bilanz um 75–100 Milliarden GBP bewerkstelligen.
Unser Ausblick für das globale Wachstum fällt jedoch positiver aus. Insbesondere von einer möglichen Lockerung der Null-Covid-Politik in China versprechen wir uns starke Impulse. Wir rechnen für 2023 mit einem weltweiten BIP-Wachstum von mehr als 2 Prozent, was über den Erwartungen für die USA oder Europa liegt.
Prospect of strong returns from credit
Despite an outlook that includes the US skirting recession and both the Eurozone and UK succumbing to one, the starting point for yields, combined with the expectation of a relatively mild default cycle, means we think fixed income can deliver strong returns for investors in 2023. Spreads have rallied strongly in Q4 and we think a retracement in high yield spreads is likely in H1 as recession fears build and the economy weakens, though we expect spreads to recover again in H2. There is a chance we are being too cautious in our outlook for credit, and that by year-end 2023 the prospect of rate cuts in 2024 will help spreads to rally more strongly than our base case.
Banken, ABS und Investment Grade Anleihen wirken überzeugend
Obwohl wir keinen weiteren Anstieg der bereits hohen Renditen von US-Treasuries erwarten, dürfte eine Position in 10-jährigen US-Staatsanleihen für Renditen und Ausgewogenheit im Portfolio sorgen und darüber hinaus das Verlustrisiko im Falle einer schwereren Rezession in den USA begrenzen. Die FOMC-Mitglieder schlagen weiter einen restriktiven Ton an, und auch wenn eine Fortsetzung der aggressiven Zinspolitik nicht unserem Basisszenario entspricht, könnte die Zentralbank ihren Kurs trotz fallender Inflationsraten fortsetzen. Es besteht die Chance, dass die Massnahmen der Fed die Märkte dazu veranlassen, das Risiko einer geldpolitischen Fehlentscheidung einzupreisen, welche die Wahrscheinlichkeit eines Kurswechsels erhöhen würde. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Renditen von Staatsanleihen sehr schnell ändern können, wenn sich die Anleger in diesen «sicheren Hafen» retten.
Hohe Ausgangsrenditen in vielen festverzinslichen Sektoren erhöhen unseres Erachtens die Chance auf positive Erträge. Die Hochzinssektoren bieten derzeit viele Renditechancen, doch angesichts der starken Spread-Verengung in letzter Zeit könnten sich die Aussichten zu Beginn des kommenden Jahres verschlechtern, falls die Rezessionsängste anhalten und Ausfälle zunehmen. Dennoch können Anleger unserer Meinung nach von dieser Volatilität profitieren, müssen dafür jedoch titelspezifisch vorgehen und zyklische Sektoren weiterhin vermeiden, insbesondere solche mit hohem Risiko gegenüber einem Anhalten der Energiekrise. Anlegern, die weiter in Anleihen höherer Qualität investiert bleiben möchten, bieten sich unserer Meinung ebenfalls Chancen. Die Ausgangsrenditen für Investment-Grade-Indizes sind aktuell höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit der globalen Finanzkrise und die Zentralbanken haben bereits erhebliche Zinsanhebungen vorgenommen.
Der Finanzsektor stellt für uns einen der Bereiche mit hohem Wertsteigerungspotenzial dar. Banken scheinen insgesamt dank ihrer sehr hohen Eigenkapitalausstattung und ihrer sauberen Bilanzen sehr gut für die erwartete Rezession gerüstet zu sein. Darüber hinaus ermöglichen ihnen höhere Zinssätze eine wesentlich höhere Nettozinsmarge als während des langanhaltenden Niedrigzinsumfelds der letzten Jahre. Die unerwartet guten Zahlen der meisten Finanzinstitute in der vergangenen Berichtssaison verdeutlichten diesen Effekt bereits. Zwar rechnen wir im schwierigeren Wirtschaftsumfeld im kommenden Jahr mit einem Anstieg der notleidenden Kredite (NPLs), gegen den die höhere Nettozinsspanne der Bank jedoch als erste Verteidigungslinie dient. Zudem wird die Anzahl der NPLs unserer Meinung nach überschaubar sein. Der AT1-Sektor weist ein hohes Beta auf und die Bedenken über die Kündigung von Anleihen dürften anhalten. Wir rechnen jedoch mit einer angemessenen Verengung der Spreads im kommenden Jahr und angesichts der derzeitigen Renditen von 8,5 Prozent auf Indexebene und über 10 Prozent bei Einzeltiteln besitzt dieser Sektor unserer Meinung nach die Voraussetzungen für eine Outperformance. Darüber hinaus sehen wir überzeugende Wertsteigerungsmöglichkeiten entlang der Kapitalstruktur. Die jüngsten Tier-2-Emissionen boten Kupons von 7–8 Prozent in GBP für Anleihen mit IG-Rating, die unserer Ansicht nach mittelfristig hohe Erträge bieten dürften.
Auch ABS-Sektoren sind attraktiv, wobei hochwertige RMBS voraussichtlich deutlich anziehen werden, da die angebotenen Renditen nun angesichts der gestiegenen Zinsen attraktiver sind. Der CLO-Sektor musste in diesem Jahr starke Einbussen hinnehmen, nachdem Rezessionsängste zu einer Ausweitung der Spreads von Leveraged Loans geführt hatten. Aktuell liegen die CLO-Spreads für Anleihen mit BBB-Rating bei rund 600 Basispunkten und für Tranchen mit BB-Rating bei 1000 Basispunkten. Aufgrund der erwarteten Spread-Verengung bieten sich hier Chancen auf Kapitalwachstum und der Sektor könnte 2023 zu den Top-Performern im Fixed-Income-Universum gehören.
Sorgen dürften uns 2023 die Schwellenländer bereiten. ESG-Bedenken spielen dabei eine Rolle, jedoch vielmehr auch die Tatsache, dass in den Industrieländern höchst attraktive Value-Chancen warten, weshalb schnelle Rückflüsse in die Schwellenländer nicht zu erwarten sind. Dennoch erscheint die hohe Anfangsrendite attraktiv und da viele schlechte Nachrichten bereits eingepreist sind, dürften die Erträge weiterhin positiv sein.
Holprige Erholung spricht für aktives Management
Unserer Meinung nach sollten Fixed-Income-Anleger kommendes Jahr sehr selektiv vorgehen. Wir rechnen mit einer holprigen Erholung und die Zentralbanken haben gerade erst einen Zeitraum noch nie dagewesener geldpolitischer Lockerung hinter sich gelassen. Es lässt sich nur sehr schwer abschätzen, wie sich diese Kehrtwende in den nächsten zwölf Monaten und darüber hinaus auf die Performance auswirken wird. Die Volatilität kann in Bereichen zu Spannungen führen, die bislang als stabil galten. Der Ausverkauf britischer Staatsanleihen und die darauffolgenden Schwierigkeiten bei den Pensionsfonds zu Beginn des vierten Quartals sind hier ein mahnendes Beispiel. Auch der jüngste Verzicht mehrerer Real Estate Investment Trusts (REITs), hybride Anleihen vorzeitig zu kündigen, wird die Skepsis in Bezug auf diesen Sektor steigen lassen.
Trotz der künftigen Risiken gingen wir aus unseren Diskussionen mit der Überzeugung, dass Anleger deutlich positiver auf das kommende Jahr blicken können – nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Ausgangsrenditen.
Angesichts der Verwerfungen dieses Jahres werden hochqualitative Unternehmen zu Renditen gehandelt, die selten von Dauer sind. Je mehr wir uns dem Jahresende nähern, desto stärker werden die Anzeichen am Primärmarkt, dass sich die Anleger aus der Deckung wagen und die sich ihnen bietenden Opportunitäten ergreifen wollen. Zum ersten Mal seit langer Zeit erachten wir die meisten Bereiche des Fixed-Income-Sektors als attraktiv; die Zinsen bieten momentan attraktive Renditen und Schutz vor Verlustrisiken und liegen im gesamten Anleihespektrum nahe ihrer 10-Jahres-Hochs. Unser Team ist daher überzeugt, dass die Anleger über die nächsten zwölf Monate hohe Erträge erzielen können.
Mit am meisten Vertrauen hatten wir in die Robustheit und Attraktivität des Finanzsektors. Unserer Meinung nach sind Renditen von Banken und Versicherern mit IG-Rating von bis zu 10 Prozent und teilweise mehr sehr ungewöhnlich und über einen längeren Zeitraum nicht aufrechtzuerhalten. Von allen Opportunitäten im Fixed-Income-Sektor hat uns dieser Bereich am meisten überzeugt und könnte einer der am besten performenden im kommenden Jahr werden. Daneben erscheint uns für Anleger, die sich in Bereiche mit etwas geringerer Liquidität vorwagen können, insbesondere der CLO-Sektor als attraktiv, welcher selbst ohne Kapitalzuwachs zufriedenstellende Erträge generieren könnte.
Alles in allem ist dank der hohen Ausgangsrenditen unserer Meinung nach die Wahrscheinlichkeit für angemessene Erträge im Jahr 2023 recht hoch. Darüber hinaus müssen Anleger nicht ins Risiko gehen, um ein ertragsstarkes Portfolio mit Chance auf Kapitalzuwachs aufzubauen.
1. Basierend auf dem ICE BofA US Corporate Index (C0A0), ICE BofA Sterling Corporate Index (UR00) und ICE BofA Euro Corporate Index (ER00) per 30. November 2022
Wichtige Informationen:
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