Investors’ Outlook: Risse flicken

Multi Asset Boutique
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Kurz und bündig

  • Die Märkte zeigten sich optimistisch, dass der Grossteil des durch die Zölle verursachten Schadens nun ausgebessert werden könnte. Wir sind der Meinung, dass die Märkte die positiven Entwicklungen zu schnell eingepreist haben. Wenn Optimismus zum Konsens wird, ist das Potenzial für weitere Kursgewinne meist begrenzt.
  • Eine weitere Verringerung der Unsicherheit ist unseres Erachtens entscheidend, um zu verhindern, dass sich die Schwäche der weichen Daten (z. B. Umfragen zur Konsumenten- und Unternehmensstimmung) auf die harten Daten (z. B. den US-Arbeitsmarkt) überträgt.
  • Das Investment Committee der Multi Asset Boutique hat beschlossen, keine Änderungen an seiner Asset Allocation vorzunehmen.

 

 

Risse flicken

Die Märkte haben viele überrascht, indem sie einem wirtschaftlichen Ausblick standgehalten haben, der zunehmend Risse zu zeigen schien. Ein politischer Flickversuch der USA und Chinas in Form einer 90-tägigen Pause im Handelskonflikt trug dazu bei, die unmittelbaren Spannungen zu entschärfen. Washington senkte vorübergehend seine Zölle auf chinesische Importe von 145% auf 30%, während Peking seinerseits die Zölle auf 10% reduzierte. Kurz darauf trat US-Präsident Donald Trump erneut ganz als Dealmaker auf und unterzeichnete bedeutende Vereinbarungen im Nahen Osten.

Dies übertraf die Erwartungen der Anleger und hob die Stimmung. Die Märkte zeigten sich optimistisch, dass der Grossteil des durch die Zölle verursachten Schadens nun ausgebessert werden könnte. Das wiederum stärkte die Hoffnung auf eine wieder an Fahrt gewinnende US-Wirtschaft, die – belastet durch steigende Importe vor Trumps «Liberation Day» – einen schwachen Jahresstart hatte. Von den Handelsgesprächen bis zum Krieg in der Ukraine: Die diplomatischen Bemühungen sind zwar positiv, bedeuten aber aus unserer Sicht noch keine Rückkehr zu Stabilität und bleiben anfällig für Spannungen. Insofern sind wir der Meinung, dass die Märkte die positiven Entwicklungen zu schnell eingepreist haben. Wenn Optimismus zum Konsens wird, ist das Potenzial für weitere Kursgewinne meist begrenzt.

Eine zentrale Frage ist, ob eine vorübergehende politische Entspannung das Vertrauen wiederherstellen kann, bevor grössere Risse im wirtschaftlichen Gewebe auftreten. In den USA sind die offenen Stellen und Konsumausgaben rückläufig, und der Arbeitsmarkt scheint sich an einem Wendepunkt zu befinden: Die Unternehmen stellen nicht mehr massiv ein, entlassen Personal aber auch noch nicht im grossen Stil.

Die US-Notenbank Fed zeigt sich ähnlich abwartend. Im Gegensatz zu früheren Zyklen, die Notfallmassnahmen der Fed auslösten, erreichten die Marktturbulenzen nach dem «Liberation Day» indes nicht das dafür erforderliche Ausmass. Die Fed hat auch keine Eile in Bezug auf Zinssenkungen signalisiert und will angesichts des Risikos einer höheren Inflation und Arbeitslosigkeit infolge von Trumps Zollpolitik lieber abwarten, bis die Datenlage klarer ist. Unseres Erachtens werden die Anleger bis zur nächsten Zinssenkung in den USA daher wohl noch etwas mehr Geduld an den Tag legen müssen. Derweil hat die jüngste Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody’s den Fokus auch wieder auf andere Themen gelenkt, die Anlass zur Sorge geben, wie etwa das ausufernde US-Haushaltsdefizit, das teilweise durch die Aussicht auf nicht gegenfinanzierte Steuersenkungen und die Auswirkungen von Trumps Ausgabengesetz angetrieben wird.

Die letzten Monate haben aus Anlegersicht gezeigt, wie wichtig es ist, über verschiedene Regionen und Anlageklassen hinweg zu diversifizieren. Und trotz US-Dollar-Schwäche und lauter werdender Rufe nach einer «Entdollarisierung» ist festzuhalten, dass nicht alle auf US-Dollar lautenden Anlagen gleichermassen gelitten haben. So stehen US-Staatsanleihen zwar unter Verkaufsdruck, doch US-Aktien und US-Unternehmensanleihen konnten sich recht gut behaupten.

Im aktuellen Investors’ Outlook analysieren wir den US-Dollar und nehmen die Baisse der Währung genau unter die Lupe. Ausserdem beleuchten wir das makroökonomische Umfeld und teilen unsere Einschätzungen zu Anlageklassen.

Die weiteren Entwicklungen an den Finanzmärkten dürften kaum nahtlos verlaufen. Doch als aktive Manager ziehen wir nicht an jedem losen Faden.

 

 

 

 

 

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