Schweizer Aktien: Qualität und Unternehmensnähe zentral

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Kurz und bündig

  • In einem weiterhin anspruchsvollen Anlageumfeld erwarten wir in der zweiten Jahreshälfte 2024 eine wirtschaftliche Entspannung.
  • Das aktuelle Bewertungsniveau von Schweizer Small & Mid Caps finden wir im historischen Vergleich attraktiv.
  • Wir setzen hohe Qualität voraus und sind nah bei den Unternehmen in der Absicht, uns einen Wissensvorsprung zu verschaffen.

Durchschnittliches 2023 für die Schweizer Börse

2023 ging als durchschnittliches Jahr in die Geschichte des Schweizer Aktienmarktes ein mit einer Performance von 6.1%, gemessen am breit gefächerten Swiss Performance Index (SPI). Dessen Jahresrenditen der letzten 95 Jahre lagen, entsprechend der Normalverteilung der modernen Finanz-Theorie, gehäuft in der Mitte im Bereich von 0 bis 10% (Grafik 1). Ausgeprägt positive oder ausgeprägt negative Abweichungen davon kamen seltener vor, und mehrere aufeinanderfolgende negative Börsenjahre waren eher die Ausnahme. Seit Mitte der 60er Jahre erzielten Anleger am Schweizer Aktienmarkt über fünf aufeinanderfolgende Jahre immer eine positive Rendite. Daher erachten wir für Investitionen in Aktien einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont als sinnvoll, gerade auch weil das gegenwärtige Anlageumfeld in konjunktureller und geopolitischer Hinsicht mit Unsicherheit behaftet ist.

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Schweizer Small & Mid Caps – eine Erfolgsgeschichte

Über die letzten 15 Jahre, seit der globalen Finanzkrise 2009 bis Ende 2023, warfen Schweizer Small & Mid Caps eine jährliche Rendite von 8.8% ab, gemessen am SPI Extra, und übertrafen damit den SPI um 1% (Grafik 2). Noch eindrücklicher ist der Unterschied der Gesamt-Performance seit 1995 bis Ende 2023: 1080% für den SPI Extra gegenüber 570% für den SPI. Grund dafür ist das erfolgreiche Wirtschaften zahlreicher Schweizer Unternehmen mit anfänglich klein- bis mittelgrosser Marktkapitalisierung, welche über die letzten 30 Jahre in vielen verschiedenen Sektoren die weltweite Marktführerschaft erlangten, zum Beispiel Kühne + Nagel, Lindt & Sprüngli, Logitech, Sika, Straumann und VAT.

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Anders sah das Bild während der letzten fünf Jahre aus. Da setzten der verschärfte Handelskrieg, die Pandemie, eingeschränkte Lieferketten, hohe Inflation, aggressive Leitzins-Erhöhungen der Notenbanken und geopolitische Instabilität den stärker von der Konjunktur abhängigen Schweizer Small  & Mid Caps mehr zu als den eher defensiv ausgerichteten Schweizer Large Caps, wie dem Nahrungsmittel-Multi Nestlé oder den Pharma-Riesen Novartis und Roche. Doch mittel- bis langfristig überzeugt uns die Qualität vieler Schweizer Small & Mid Caps. Entsprechend gehen wir davon aus, dass sie mit einem Anlagehorizont von über einem Jahr zu ihrer alten Stärke zurückfinden werden.

 

In unserem Blickpunkt

Makroökonomische Situation: das weltweite Bild erfassen

  • Aktienkurse nehmen einen Teil der erwarteten Leitzins-Senkungen bereits vorweg
  • Entspannung bei den Unternehmen dürfte erst im zweiten Halbjahr 2024 ersichtlich sein
  • Wir erwarten eine weiche Landung in den USA
  • Heterogenes Wirtschaftsbild in Europa
  • Konjunktur in China dürfte 2024 allmählich anziehen

Angesichts des kräftigen Schluss-Spurts, den die Aktienkurse 2023 hinlegten, preisen sie in unseren Augen einen Teil der im laufenden Jahr erwarteten Leitzins-Senkungen bereits ein. Auf der Zinsseite erwarten wir erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 eine Entspannung. Bis dahin werden die Unternehmen mit hohen Refinanzierungskosten konfrontiert bleiben.

Für die US-Wirtschaft, die sich aus unserer Sicht bereits in einer milden Rezession befindet, erwarten wir keine harte Landung. Die Länder Europas zeigen derzeit ein heterogenes Wirtschaftsbild. Besonders schwierig ist die Lage zum Beispiel in der Bau- und Autoindustrie Deutschlands, dem zweitwichtigsten Handelspartner der Schweiz. In China verzögert sich die Konjunkturerholung, mit der wir nach den langwierigen pandemiebedingten Stilllegungen schon letztes Jahr rechneten. Nach unserer jetzigen Einschätzung sollte sich die dortige Lage im weiteren Jahresverlauf allmählich entspannen, auch dank Unterstützungsmassnahmen der chinesischen Regierung.

Geopolitische Risiken: stets im Auge behalten

  • Krieg in der Ukraine
  • Eskalation in Nahost
  • Uneinigkeit zwischen den Grossmächten
  • Konflikt zwischen China und Taiwan
  • Präsidentschaftswahlen in den USA

Unsicherheiten in der Geopolitik beobachten wir eng und beziehen deren mögliche Folgen bei unseren Anlageentscheiden stets mit ein.

Bewertung: im Kontext beurteilen

  • Aktuelle Bewertung des Schweizer Aktienmarktes insgesamt entspricht dessen KGV-Durchschnitt der letzten 15 Jahre
  • Schweizer Small & Mid Caps weisen derzeit einen Abschlag von über 10% zu ihrem langfristigen KGV-Durchschnitt auf
  • Im Vordergrund stehen für uns nicht die absoluten Bewertungen, sondern deren relative Betrachtung

Die Bewertung des Schweizer Aktienmarktes auf Basis der Kurs/Gewinn-Verhältnisse (KGV) entspricht aktuell dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre (Grafik 3). Die Schweizer Small & Mid Caps sind derzeit im historischen Vergleich nach unserem Ermessen besonders attraktiv bewertet. Ende 2021 handelten sie noch mit einem Aufschlag von 35% zum langfristigen Durchschnitt, heute dagegen mit einem Abschlag von rund -13%.

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Wichtiger als die absoluten Bewertungen ist für uns deren relative Betrachtung. Zum einen vergleichen wir die Bewertungen der Schweizer Unternehmen mit jenen ihrer direkten Konkurrenten, viele davon auch im Ausland. Zum anderen vergleichen wir die Bewertungsentwicklung der einzelnen Unternehmen über die letzten fünf oder zehn Jahre. Dies ist unseres Erachtens insofern relevant, als die derzeitigen Bewertungen vieler Schweizer Unternehmen hoch sind, verglichen mit jenen ihrer direkten Konkurrenten. Das ist zum Beispiel bei Ems-Chemie, Lindt & Sprüngli, Straumann oder VAT der Fall und aus unserer Sicht gerechtfertigt, da viele Schweizer Unternehmen aus den unterschiedlichsten Sektoren weltweit mit Abstand die höchsten Margen erzielen.

Unternehmensqualität: dank Nähe Wissensvorsprung erlangen

  • Widerstandsfähiges Geschäftsmodell
  • Bilanzstärke
  • Innovationskraft
  • Preissetzungsmacht
  • Margenstabilität
  • Unternehmenskultur
  • Dividendenpolitik

Die Qualität der Unternehmen ist in unserem Anlageprozess zentral. Unter Qualität verstehen wir Firmen mit führender Position im Weltmarkt, starker Bilanz mit geringer Verschuldung, Innovationskraft, Preissetzungsmacht, stabilen Margen, vorbildlicher Unternehmenskultur und nachhaltiger Dividendenpolitik. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie jetzt bevorzugen wir Unternehmen, die nur wenig von der Konjunktur- oder der Zinsentwicklung abhängen, weil sie nebst den genannten Qualitätseigenschaften auch über ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell verfügen.

Hohe Priorität räumen wir in unserem Anlageprozess auch den erwarteten Unternehmensgewinnen ein, denn sie beeinflussen die Aktienmärkte wesentlich. Dies lässt sich ablesen an der historischen Gewinnentwicklung der 140 von uns analysierten Schweizer Unternehmen – 20 Large Caps und 120 Small & Mid Caps, die zusammen rund 95% der Börsenkapitalisierung des SPI ausmachen (Grafik 4). Ihre Gewinne brachen 2022 um 11% ein gegenüber dem Vorjahr, jene der Small & Mid Caps sogar um 25%, gemessen am SPI Extra. Entsprechend sackten im Jahr 2022 auch die Aktienkurse ab (SPI: -16% vs. SPI Extra: -24%). Gemäss unseren Schätzungen für das Jahr 2023 (die Jahresergebnisse vieler Unternehmen liegen noch nicht vor) dürften die Gewinne gegenüber dem Vorjahr wieder um rund 4-5% gewachsen sein.

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Im Vergleich der wichtigsten Aktienmärkte über die letzten drei Jahre sticht jener der Schweiz mit den stärksten Abwärtsrevisionen der Gewinne hervor, vor allem im vergangenen Jahr und besonders ausgeprägt in dessen zweiten Hälfte – anders als beispielsweise der US-Aktienmarkt, den markante Aufwärtsrevisionen prägten aufgrund des hohen Anteils an Technologiefirmen, die den Rückenwind der künstlichen Intelligenz (u.a. ChatGPT) genossen. Daraus schliessen wir, dass die gegenwärtigen Kurse an der Schweizer Börse einen Teil der Rezessionsängste bereits vorwegnehmen. Die Grössenordnung der aktuell erwarteten Gewinne erscheint uns realistisch. Mit anderen Worten erwarten wir vorderhand keine weiteren substanziellen Revisionen nach unten.

Gemäss unserer Einschätzung dürften die erwarteten Gewinne 2024 für die Schweizer Large Caps leicht sinken oder stagnieren, jene für die Schweizer Small & Mid Caps dagegen um 1.3% steigen (Grafik 5). Diese Schätzung beruht auf der Annahme, dass viele Unternehmen zunächst noch mit Herausforderungen zu kämpfen haben werden, ihre Bestellungseingänge in der zweiten Jahreshälfte dann aber anziehen und sich schliesslich positiv im Aktienkurs niederschlagen dürften – vor allem auch angesichts der im historischen Vergleich attraktiven Bewertung.

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Das Segment der Schweizer Small & Mid Caps ist deutlich zyklischer ausgerichtet als jenes der Schweizer Large Caps, weil Letztere stark vertreten sind in defensiven Sektoren wie Nahrungsmittel, Gesundheit und Telekommunikation. In der Vergangenheit schnitten Schweizer Small & Mid Caps jeweils schlechter ab als Schweizer Large Caps, wenn die Weltwirtschaft abkühlte und die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) sanken oder die Wachstumsschwelle von 50 unterschritten (Grafik 6). War die Phase rückläufiger PMI aber vorbei, bot sich jeweils ein günstiger Zeitpunkt für Umschichtungen in Small & Mid Caps. Aus unserer Sicht dürfte dies in den nächsten zwei bis drei Quartalen wieder der Fall sein.

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Zuversicht trotz verhaltener Unternehmensstimmen

Bei unserem engen Austausch mit den Unternehmen spüren wir momentan wenig Visibilität für die kommenden Monate. Schon die Zahlen für das vierte Quartal 2023 zeigten, dass etwa im Industriesektor die Bestellungseingänge kontinuierlich abnehmen. Somit dürften die Ausblicke der Unternehmen für das laufende Jahr grösstenteils verhalten ausfallen. Denn sie wollen keine allzu hohen Erwartungen wecken. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Lage der Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2024 verbessern wird, unterstützt von Leitzins-Senkungen verschiedener Notenbanken.

Viele Unternehmen erwähnen als zusätzliche Hürde den anhaltend starken Schweizer Franken. Dieser macht vor allem jenen Unternehmen zu schaffen, die aus verschiedenen Gründen ihre Produktionsstätten nicht ins Ausland oder näher zu ihren Kunden hin verlagern können. Mit dieser Problematik sind jedoch viele in der Schweiz ansässige Firmen schon seit über 20 Jahren konfrontiert. Nicht wenige von ihnen wussten sich immer wieder überraschend schnell den veränderten Begebenheiten anzupassen, bewiesen vor allem auf der Kostenseite Agilität und warteten mit Innovationen auf. So konnten sie den Wettbewerbsnachteil der Frankenstärke in einen Vorteil ummünzen.

Sich besser zeitig positionieren

Mit einem Anlagehorizont von über einem Jahr sind wir für Schweizer Aktien insgesamt positiv gestimmt. Zugleich sind wir überzeugt, dass Schweizer Small & Mid Caps mittel- bis langfristig zu ihrer alten Stärke zurückfinden werden. Den idealen Einstiegszeitpunkt zu finden, ist mitunter die grösste Herausforderung beim Investieren. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass erfolgreiche Anleger sich besser ein wenig zu früh als zu spät für den nächsten Wirtschaftsaufschwung positionieren.

Wir halten aktuell ein ausgewogenes Portfolio aus defensiven und frühzyklischen Schweizer Qualitätswerten. In Anbetracht der gegenwärtigen Unsicherheiten treffen wir unsere Investitionsentscheide mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont von 18 bis 24 Monaten. Bei der Auswahl der Unternehmen liegt unsere Qualitäts-Messlatte hoch. Diesbezüglich sind wir zu keinerlei Kompromissen bereit.

Je unsicherer die Zeiten, desto wichtiger ist unserer Meinung nach die Nähe zu den Unternehmen. Aus unseren regelmässigen Gesprächen mit Vertretern der Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte und Betriebsbesichtigungen direkt vor Ort nehmen wir jedes Mal wichtige Erkenntnisse mit. Dieser Wissensvorsprung bildet zusammen mit dem über viele Jahre gewachsenen Erfahrungsschatz unseres auf Schweizer Aktien spezialisierten Teams das Fundament für erfolgreiches Anlegen.

 

 

 

 

 

Die vergangene Performance ist kein zuverlässiger Indikator für die laufende oder zukünftige Performance. Die Prognosen beruhen auf Schätzungen und bestimmten Annahmen und sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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