Investors’ Outlook: Kontinentales Frühstück

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Kurz und bündig

  • Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte sieht das Multi-Asset-Team wenig Anlass, sich über die US-Inflation übermässig Sorgen zu machen. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass die Stärke der Konsumenten nachlässt und sich der nach wie vor robuste Arbeitsmarkt allmählich abschwächt.
  • Die US-Notenbank Fed scheint sich in einem Dilemma zu befinden und wartet weiter ab. Sie verringerte die erwarteten Zinssenkungen für 2024 von 0,75% auf 0,25% – das entspricht nur noch einem Zinsschritt. Wir halten eine zweite Zinssenkung jedoch durchaus für möglich.
  • Die Europawahlen, insbesondere die Ergebnisse in Frankreich, haben für Unsicherheit gesorgt und die europäischen Märkte belastet. Das Vontobel Investment Committee erachtet dies als eine Gelegenheit und hat Aktien aus der Eurozone von neutral auf übergewichtet hochgestuft. Im Gegenzug wurden Schweizer Aktien herabgestuft.

 

Kontinentales Frühstück

Die politische Konstellation auf dem Alten Kontinent stand im Juni nach der Europawahl auf dem Prüfstand. Von Deutschland über die Niederlande und Italien bis Spanien zeigten die Wahlergebnisse einen markanten Rechtsruck. In Frankreich verkündete Präsident Macron vorgezogene Neuwahlen, nachdem der rechtsextreme Rassemblement National deutlich hinzugewonnen hatte. Dies führte zu Unsicherheit über den politischen Kurs des Landes und schürte Sorgen vor einem «Frexit». Es folgte ein Ausverkauf bei französischen Aktien, der auch andere europäische Märkte belastete.

Aus Anlegerperspektive halten wir Paris (und Europa insgesamt) derzeit für eine gute Idee. Die politischen Entwicklungen haben die Vermögenspreise innerhalb der Eurozone unter Druck gesetzt. Unser Augenmerk richtet sich indes auf einen oft übersehenen Teil der Speisekarte: das Potenzial europäischer Aktien. Diese hinken ihren US-Pendants hinterher, der Stoxx Europe 600 Index kann kaum mit den USA Schritt halten. Zudem scheinen sie vergleichsweise unterbewertet und bieten den Anlegern daher unseres Erachtens gute Gelegenheiten. Dies ist einer der Gründe, weshalb unser Investment Committee an seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat, europäische Aktien von einer neutralen auf eine übergewichtete Position hochzustufen.

Trotz der weit verbreiteten Konzentration auf Unzufriedenheit und Ärger, vor allem bei Themen wie Massenmigration und Klimawandel, und trotz der Sorgen, wie sich die aktuellen Umbrüche auf die Handels- und Regulierungspolitik und die Marktstabilität in der Region auswirken werden, dominieren im Europaparlament weiterhin Mitte-Rechts-Parteien. Die ausgewogenen politischen Ansätze dieser Parteien dürften ihren Einfluss untermauern und somit könnte die Lage in Europa stabiler sein, als es derzeit scheint.

Eine Machtverschiebung im französischen Parlament könnte inmitten eines EU-Defizitverfahrens zu höheren öffentlichen Ausgaben führen. Die Aussen- und Verteidigungspolitik fällt in Frankreich jedoch grösstenteils in den Zuständigkeitsbereich des Präsidenten. Folglich dürfte sich die Unsicherheit über die Haltung des Landes zur EU bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen, die für das Frühjahr 2027 vorgesehen sind, in Grenzen halten.

In den USA scheint der Arbeitsmarkt weitere Anzeichen einer Abkühlung aufzuweisen und einen Teil seiner bisherigen Dynamik einzubüssen. Die Zahl der neuen Stellen ist rückläufig und das Lohnwachstum lässt nach. Daraus lässt sich schliessen, dass sich der mit Ende der Pandemie eingetretene Boom wohl seinem Ende zuneigt. Vor diesem Hintergrund stellt die Fed für den weiteren Jahresverlauf nur noch eine Zinssenkung in Aussicht. Der globale Kontext legt nahe, dass die Inflation kein grosses Problem mehr darzustellen scheint, da der Preisdruck weltweit auf ein überschaubares Mass zurückgegangen ist. Ersichtlich wird dies daran, dass einige Zentralbanken bereits die Zinsen gesenkt haben, während die Fed derzeit noch abwartet, bis mehr Klarheit in Bezug auf das Gleichgewicht zwischen Inflationskontrolle und Wirtschaftswachstum herrscht.

Auch diese Publikation wird über die Sommermonate eine Auszeit nehmen. Wir werden die globalen Marktentwicklungen weiter im Auge behalten und in unserer September-Ausgabe mit neuen Ideen zurückkehren.

Wir wünschen Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre und geniessen Sie Ihren Urlaub! Europa ist immer eine gute Idee.

 

 

 

 

 

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