Wie private und öffentliche Märkte Lösungen für gesellschaftliche Veränderungen fördern können

Asset management
Artikel 8 Minuten

Kurz und bündig

  • Private und öffentliche Märkte stehen nicht nur in einem direkten Zusammenhang mit der Klimawende – sie spielen dabei auch eine zentrale Rolle. Sie können sich zusammenschliessen und ein Kapitalkontinuum schaffen, das Anlegerinnen und Anlegern ein breites Spektrum an Investitionschancen bietet.
  • In vielen Fällen bieten private Märkte die Grundlagen und Flexibilität, um langfristige Wachstumspläne zu verfolgen. Über die privaten Märkte hinaus bieten öffentliche Märkte Zugang zu einem grösseren Pool an Investoren, um zukünftige Wachstumspläne zu unterstützen.
  • Unsicherheit macht manchen Anleger nervös. Daher werden hochwertige Anbieter von Klimalösungen oft zunächst mit Kursabschlägen gehandelt, was attraktive Einstiegsmöglichkeiten für all diejenigen schafft, die an strukturellem Wachstum in den kommenden Jahrzehnten interessiert sind.

Viele der Herausforderungen unserer Zeit, wie der Klimawandel, die Energiesicherheit und die wirtschaftliche Ungleichheit, sind eng miteinander verwoben. Dasselbe gilt unseres Erachtens für die Lösungen. Die globale Klimawende ist nicht nur ein technologisches oder politisches Problem, sondern auch mit der Herausforderung verbunden, das nötige Kapital aufzubringen. Investitionsentscheidungen, die heute an privaten und öffentlichen Märkten getroffen werden, können ausschlaggebend dafür sein, wie wir unsere Energiesysteme, Infrastrukturen und Volkswirtschaften in den kommenden Jahrzehnten gestalten.

Mit Klimapolitik wird zunehmend politisiert, einige Länder strecken sogar ihre Klimaziele oder stellen sie in Frage. Derlei politische Störfeuer können zu Unsicherheit und Volatilität führen. Aber trotz aller Schlagzeilen ist die Klimawende weiter auf einem guten Weg: Klimaschutzlösungen erreichen wirtschaftliche Wendepunkte, da erneuerbare Energien mittlerweile oft eine wettbewerbsfähige Alternative darstellen. In den letzten zehn Jahren sind die Kosten für Solar- und Onshore-Windenergie um mehr als 80 Prozent bzw. fast 70 Prozent gesunken.1 Elektrofahrzeuge nähern sich der Kostenparität gegenüber Verbrennungsmotoren.2 Nachrüstungen für mehr Energieeffizienz können sich bei Gewerbeimmobilien in kurzer Zeit amortisieren.3

Diese Veränderungen werden zunehmend von wirtschaftlichen Faktoren und nicht nur von der Politik vorangetrieben, und bislang sind keine wesentlichen Umkehrungen bei diesem Trend zu erkennen. Wir sind vielmehr davon überzeugt, dass politische Volatilität Investitionsmöglichkeiten schaffen kann. Unsicherheit macht manchen Anleger nervös. Daher werden hochwertige Anbieter von Klimalösungen oft zunächst mit Kursabschlägen gehandelt, was attraktive Einstiegsmöglichkeiten für all diejenigen schafft, die an strukturellem Wachstum in den kommenden Jahrzehnten interessiert sind.

Ein Grossteil der Diskussion rund um Klimainvestitionen konzentriert sich auf private Märkte – und das zu Recht. Ihre Rolle bei der Schaffung von Entfaltungsspielraum für Innovationen und der Einbindung von Investoren am Verhandlungstisch ist unabdingbar. Private Märkte fungieren als Wegbereiter und praxisorientierte Partner, um Transformationen, Verbesserungen und Projekte zu ermöglichen, die mit erheblichem Kapitalbedarf einhergehen. Diese Art der Unterstützung ist besonders dort wichtig, wo der Infrastrukturbedarf und hohe Vorlaufkosten den Fortschritt hemmen könnten.

Nehmen wir zum Beispiel den Infrastruktur-Manager Ancala, der mehr als EUR 1 Milliarde in Unternehmen und Projekte im Zusammenhang mit der Energiewende investiert hat. Eines dieser Unternehmen ist Magnon Green Energy , der grösste Erzeuger erneuerbarer Energien aus Biomasse in Spanien, der in seinem Werk in Huelva ein innovatives Projekt zur Abscheidung und Wiederverwendung von biogenem CO₂ vorantreibt. Diese Initiative unterstützt die Produktion von kohlenstoffarmem E-Methanol als Ersatz für herkömmliches graues Methanol, das aus Erdgas gewonnen wird. Die Initiative ist ein beispielhaftes Projekt, das entscheidend zur Beschleunigung der Umstellung auf sauberere Energiequellen beiträgt und gleichzeitig ein hohes Wertsteigerungspotenzial für das Unternehmen aufweist.

Ancala verfolgt Nachhaltigkeit mit einer langfristigen Perspektive und sucht nach Möglichkeiten, Unternehmen der kritischen Infrastruktur in allen Sektoren dabei zu unterstützen, nicht nur positive Ergebnisse zu erzielen, sondern nachhaltige Werte für alle Anspruchsgruppen zu schaffen. Dabei folgt Ancala einem pragmatischen und fokussierten Ansatz, indem Bereiche identifiziert und priorisiert werden, die das grösste Potenzial für die grösste Wirkung und die beste Kapitalrendite bieten. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen einen holistischen Ansatz gewählt und berücksichtigt wertschöpfende Nachhaltigkeitsinitiativen über den gesamten Investitionszyklus hinweg.

Ancalas Beteiligung4 an dem britischen LNG-Terminal Dragon LNG ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Dragon ist nur eines von drei LNG-Terminals in Grossbritannien. LNG dürfte auch in Zukunft eine bedeutende Rolle im Energiemix Grossbritanniens spielen, während das Land den Übergang zu umweltfreundlicheren Energiequellen vollzieht. Um diesen Wandel zu unterstützen, identifizierten Ancala und das Managementteam von Dragon LNG gemeinsam eine Reihe wichtiger Initiativen für die Energiewende und trieben diese voran. Dazu gehörten die Installation eines 10-MW-Solarparks vor Ort, die Sicherung und Weiterentwicklung von Plänen zur Installation eines 13-MW-Windparks sowie der Aufbau neuer Partnerschaften zur Dekarbonisierung des Industriestandortes Milford Haven, wo Dragon und eine Reihe weiterer führender Energieunternehmen tätig sind. Ancalas Unterstützung bei der Einbeziehung von Dekarbonisierungsüberlegungen und -projekten in den Terminalbetrieb brachte Dragon LNG eine langfristige Wertsteigerung.

In vielen Fällen bieten private Märkte die Grundlagen und Flexibilität, um langfristige Wachstumspläne zu verfolgen. Über die privaten Märkte hinaus bieten öffentliche Märkte Zugang zu einem grösseren Pool an Investoren, um zukünftige Wachstumspläne zu unterstützen.

Wie wirken private und öffentliche Märkte beim Impact Investing zusammen? Sie erfüllen unterschiedliche, aber sich ergänzende Funktionen im Finanzökosystem, wobei private Märkte sich durch die Förderung von langfristigem Wachstum und Innovation auszeichnen und öffentliche Märkte einen zusätzlichen und breiteren Kapitalpool bereitstellen, um das Wachstum weiter zu skalieren. (Grafik 1).

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Als Beispiel seien erneuerbare Energien5, energieeffiziente Baumaterialien6 oder emissionsarme Transportalternativen7 erwähnt. Viele dieser Lösungen haben sich mittlerweile bewährt, sind anerkannt und haben sich häufig auch als wirtschaftlich rentabel erwiesen. Infolgedessen werden sie zunehmend in Infrastrukturprojekte einbezogen und erhalten über öffentliche Märkte Zugang zu zusätzlichen Kapitalquellen. (Grafik 2).

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Das Impact-Investing-Team von Vontobel nennt als gutes Beispiel Saint-Gobain, einen führenden Hersteller von Baumaterialien aus Frankreich. Das Unternehmen stellt Leichtbaumaterialien für die Bau- und Sanierungsbranche her, unter anderem Spezialgläser für die Solarzellenproduktion und verbesserte Dämmtechnologien wie Doppel- und Dreifachverglasungen sowie spezielle reflektierende Beschichtungen. Diese Innovationen tragen dazu bei, die Lärmbelastung sowie den Kühl- und Heizbedarf in einem breiten Spektrum von Anwendungen wie Wohnhäusern, Fahrzeugen oder Flugzeugen zu verringern und damit die Energieeffizienz und Lebensqualität zu verbessern. Auch für die Transportbranche bieten leichte Materialien Vorteile durch eine höhere Energieeffizienz. Rund 25 Prozent der Produktpalette von Saint-Gobain sind weniger als fünf Jahre alt. Dies verdeutlicht, dass das Unternehmen für Innovation steht und in der Lage sein dürfte, weltweit Marktanteile zu erobern. So tragen mehr als drei Viertel des Unternehmensumsatzes zu wirksamen Ergebnissen bei.

Die Rolle öffentlicher Märkte

Obwohl öffentliche Märkte eine bedeutende Rolle spielen können, bleiben viele Anleger skeptisch, was das Wirkungspotenzial börsengehandelter Aktien betrifft. An privaten Märkten ist die Verknüpfung von Investition und Ergebnis greifbar: Investoren finanzieren beispielsweise ein Unternehmen für saubere Energien, und dieses Unternehmen wächst. An den Börsen ist diese Verknüpfung oft weniger offensichtlich. Wie führt der Kauf einer Aktie eines börsennotierten Unternehmens schliesslich zu einer tatsächlichen Emissionsreduktion? Anstatt den Fokus allzu sehr auf die CO₂-Bilanz auf Portfolioebene zu legen, sollten wirkungsorientierte Börsenanleger unseres Erachtens aus einem anderen Blickwinkel an diese Frage herangehen: Zu welchen konkreten Ergebnissen in der realen Welt kann ich mit meiner Anlage beitragen?

Wirkung wird an der Börse über ein zweistufiges Modell erzielt: Als erstes stellen Investoren Kapital bereit und beteiligen sich aktiv an Unternehmen durch Wahrnehmung ihrer Stimmrechte, Mitverantwortung und Dialog. Dann setzen Unternehmen dieses Kapital ein, um die Produktion und Lieferung klimapositiver Produkte und Dienstleistungen zu expandieren. Die Wirkung in der realen Welt wird in Form von Fortschritten erzielt, jenseits der Unternehmensbilanzen.

Welche Art von Unternehmen könnten aktive Manager also gewöhnlich an den Börsen ins Visier nehmen? Es gibt drei entscheidende Faktoren:

1.    Erprobte und akzeptierte Lösungen

Aktive Manager geben in der Regel Unternehmen mit geringem Technologierisiko und glaubwürdigen Lösungen den Vorzug. Es geht darum, in Technologien zu investieren, die bereits auf dem Markt sind, funktionieren und an Fahrt aufnehmen. Das Interesse gilt folglich Unternehmen, die schon heute etwas bewegen können, nicht nur hypothetisch in der Zukunft.

2.    Skalierbarkeit

Die Grösse spielt eine Rolle. Um eine echte Wirkung zu erzielen, müssen Lösungen global ausgerichtet sein. Aktive Manager würden demnach wohl nach Unternehmen suchen, die über die nötigen operativen Kapazitäten, eine entsprechende Marktnachfrage und solide Lieferketten verfügen, um ihre Lösungen deutlich zu skalieren. Ohne Skalierbarkeit können selbst die genialsten Ideen nur eine begrenzte Wirkung entfalten.

3.    Profitable Geschäftsmodelle

Als weiterer wichtiger Aspekt sollten Unternehmen ihre Lösungen gewinnbringend und mit einem Wettbewerbsvorteil monetarisieren können. Solche Unternehmen sind mit grösserer Wahrscheinlichkeit in der Lage, ihre positive Wirkung langfristig auszuweiten. Sie stimmen Wirkung und Performance aufeinander ab.

Viele dieser Unternehmen nutzen strukturelle Wachstumstrends wie Elektrifizierung, nachhaltiger Verkehr, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz , die in den kommenden Jahrzehnten für die Weltwirtschaft immer mehr an Bedeutung gewinnen dürften. Regierungen, Unternehmen und Konsumenten sorgen für eine wachsende Nachfrage nach Klimalösungen, die Renditepotenzial erwarten lässt. Darüber hinaus bietet die Betrachtung von Unternehmen unter dem Gesichtspunkt ihrer Wirkung eine alternative Bewertungsmöglichkeit, die in einem traditionellen Portfolio die Diversifikation verbessern kann.

Private und öffentliche Märkte sind beide Antriebsfedern für den Wandel

Private und öffentliche Märkte stehen nicht nur in einem direkten Zusammenhang mit der Klimawende – sie spielen dabei auch eine zentrale Rolle. Sie können sich zusammenschliessen und ein Kapitalkontinuum schaffen, das Anlegerinnen und Anlegern ein breites Spektrum an Investitionschancen bietet. Die Wirkung ist in diesem Kontext nicht nur Theorie. Sie kann messbar, profitabel und vor allem skalierbar sein.

 

 

 

 

 

 

1. Quelle: Internationale Agentur für erneuerbare Energien, veröffentlicht am 29. August 2023. https://www.irena.org/News/pressreleases/2023/Aug/Renewables-Competitiveness-Accelerates-Despite-Cost-Inflation#:~:text=Between%202010%20and%202022%2C%20solar,the%20cheapest%20fossil%20fuel%20globally.
2. Quelle: Bericht von Gartner, veröffentlicht am 7. März 2024. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2024-03-07-gartner-outlines-a-new-phase-for-electric-vehicles
3. Quelle: Artikel von EDGE, veröffentlicht am 18. Januar 2024. https://edgebuildings.com/could-property-linked-finance-be-the-silver-bullet-to-propel-green-retrofits-at-scale-in-cities/
4. Quelle: Pressemitteilung von Ancala, veröffentlicht am 8. Mai 2024. https://ancala.com/ancala-agrees-to-exit-its-interest-in-dragon/
5. Quelle: Internationale Agentur für erneuerbare Energien, veröffentlicht 2024. https://www.irena.org/mwg-internal/de5fs23hu73ds/progress?id=dKZWOlCmYtqz7zutANQomSvk_Djt_uNOLYVOEtsL8j8,&dl
6. Quelle: Global Market Insights, veröffentlicht im November 2024. https://www.gminsights.com/industry-analysis/energy-efficient-materials-market
7. Quelle: Artikel von Bloomberg, veröffentlicht am 24. September 2024. https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2024-09-24/cheaper-truck-batteries-usher-in-dawn-of-emissions-free-rigs

 

 

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