5 Anlage-Mythen widerlegt

Asset management
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Kurz und bündig

Anleitung zum Einstieg ins Anlegen:

  • Kein überschüssiges Bargeld horten, da es an Kaufkraft verlieren kann.
  • Erspartes jetzt investieren mit längerfristigem Anlagehorizont, um inflationsbedingte Geldentwertung abzufedern.
  • Gleich mit ganzer Summe einsteigen statt gestaffelt, um den Zinseszins-Effekt voll zu nutzen.
  • Anlage diversifizieren zwecks Risikostreuung und für mehr Ertragschancen.
  • Portfolio laufend mit der Marktentwicklung abgleichen, Ruhe bewahren und Geduld walten lassen.

 

Mythos 1: Bargeld ist sicher

Wer glaubt, gehortetes Bargeld sei vor Verlusten sicher, irrt sich. Selbst wenn der Saldo auf Ihrem Sparkonto nicht kleiner wird, kann im Verborgenen der Gegenwert Ihres Ersparten schrumpfen. Schuld daran ist die Inflation.

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Inflation herrscht, wenn Waren und Dienstleistungen für die Konsumenten teurer werden. Einer erhöhten Inflation wirkt die Zentralbank des betroffenen Landes in der Regel entgegen, indem sie den Leitzins anhebt. Ein Rückblick in die Vergangenheit verdeutlicht, wie die Kaufkraft von Bargeld bei Inflation jeweils schwand.

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Anlegen als Puffer gegen Inflation

Dagegen lässt sich Abhilfe schaffen mittels Investitionen in Aktien, Anleihen oder andere Anlageklassen. Viele Sparer scheuen sich aber davor, aus Angst vor Verlusten. Es stimmt, wer investiert, muss mit Verlusten rechnen. Doch wie aufgezeigt, ist auch Bargeld kein sicherer Hafen. Wer sein Erspartes nicht brachliegen lässt, sondern investiert, verschafft sich Chancen auf Ertrag als Puffer gegen die Geldwert fressende Inflation.

 

Mythos 2: Den richtigen Einstiegszeitpunkt abwarten

Wer das Investieren vor sich herschiebt im Glauben, jetzt sei der falsche Zeitpunkt dafür, verpasst den vorteilhaften Zinseszins-Effekt. Dieser spielt für das Ertragspotenzial Ihrer Anlage eine gewichtige Rolle.

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Er funktioniert gleich wie bei einem Sparkonto. Ein solches trägt gewöhnlich jedes Jahr Zins – auch wenn derzeit eher bescheiden. Dieser wird dem Anfangsbetrag zugeschlagen und ein Jahr später mitverzinst. Je länger dieser Zinseszins-Mechanismus spielt, desto schneller wächst der Betrag auf dem Konto. Dasselbe gilt für Ihre Anlage, wenn Sie deren Erträge laufend wieder investieren. Je länger Sie dies tun, desto mehr Ertragspotenzial können Sie schaffen.

Zinseszins-Effekt voll nutzen

Den Zinseszins-Effekt bestmöglich nutzen kann, wer seine nicht benötigten Ersparnisse auf einmal investiert, anstatt in monatlichen, quartalsweisen oder jährlichen Etappen. Folgende Grafik verdeutlicht das unterschiedliche Potenzial der vier Investitionsvarianten über die Jahre unter der Annahme von 10% Rendite pro Jahr, ohne Berücksichtigung von Kosten.

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Wer im Zeitraum von 1990 bis 2024 über Monate gestaffelt in US-Aktien investierte, verpasste im Schnitt bis zu 5 Prozentpunkte an Rendite gegenüber dem, der zu Beginn eines jeden Jahres voll investiert war. Bei einer Staffelung über Quartale waren es im Schnitt bis zu 3.7 Prozentpunkte.

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In Tat und Wahrheit kann ein gestaffelter Einstieg die Rendite Ihrer Anlage stärker schmälern als ein schlecht gewählter Einstiegszeitpunkt. In der Vergangenheit erwies es sich als die bessere Option, alles auf einmal zu investieren.

 

Mythos 3: Timing ist die einzige Renditequelle

Die Vergangenheit brachte auch ans Licht, dass der Durchschnittsanleger sein Vermögen nicht vor Verlusten bewahren kann – oftmals, weil er sich zu sehr von Angst oder Gier leiten liess. Solch unüberlegtes Anlegerverhalten trägt massgeblich dazu bei, in welche Richtung sich die Marktpreise bewegen.

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Auch wenn es im Wesen der Anleger liegt, einbrechende Märkte eher in Erinnerung zu behalten als boomende, gab es in der Vergangenheit nur wenige richtige Bärenmärkte. Der Bär versinnbildlicht in der Welt des Investierens Pessimismus, der Bulle Optimismus. Gemäss Faustregel ist ein Bärenmarkt dann gegeben, wenn die Kurse binnen zwei Monaten um mindestens 20% gesunken sind, und ein Bullenmarkt dann, wenn die Kurse binnen zwei Monaten um mindestens 20% gestiegen sind.

Über den Zeitraum von 1880 bis 2009 herrschten, alle zugehörigen Tage aneinandergereiht, rund 14.8 Jahre lang Bullenmärkte, aber nur etwa 3.2 Jahre lang Bärenmärkte.

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Durchhalten, statt sich verleiten lassen

Die Binsenwahrheit «günstig kaufen, teuer verkaufen» hält sich seit Ewigkeiten. Ihr Folge leistend, passen viele Anleger den besten Moment für einen Kauf oder Verkauf ab. Oftmals warten sie jedoch zu lange. Denn wann der Marktpreis seinen Höchststand erreicht hat, ist meist erst klar, wenn er bereits sinkt. Dasselbe gilt für den Tiefststand. Was heisst überhaupt «möglichst günstig»? Ist es der niedrigste Kurs innerhalb eines Handelstages? Oder die Talsohle eines Kurssturzes in einer Region? Oder eine Kursschwäche, verursacht durch einen Börsen-Crash oder eine globale Krise?

In der Praxis sind die besten Tage für den Kauf bzw. Verkauf meist schwer zu erwischen. Sie sind aber entscheidend für die Rendite Ihrer Anlage. Ein Blick auf die Gesamtrendite globaler Aktien über den Zeitraum von 2001 bis 2025 zeigt, wie stark das Verpassen der besten Tage sie schmälerte.

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Langfristiger Blickwinkel

Ein Blick auf die Entwicklung von US-Aktien seit 1900 bis Ende 2024 zeigt, dass die innerhalb eines Jahres verbuchten Verluste jeweils bis zum Ende desselben Jahres zumindest teilweise wieder aufgeholt waren.

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Angesichts dieser Tendenz kann langfristig investiert bleiben ausgeprägte Verluste abfedern helfen.

Ausdauer verscheucht Angst

Sich auf gutes Timing versteifen birgt das Risiko, die Rendite durch falsche Kauf- und Verkaufsentscheide zu schmälern. Die bessere Option ist, einfach investiert zu bleiben. Dann legt sich die Angst, die besten Tage zu verpassen, von allein.

 

Mythos 4: Diversifikation dient nur dem Schutz, nicht der Rendite

Anleger, die auf möglichst hohe Renditen aus sind, lehnen Diversifikation als zu defensiv ab. Doch nicht jede Anlageklasse schneidet immerzu gut ab.

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Wie stark ihre Bruttorenditen von Jahr zu Jahr variieren können, verdeutlicht das unregelmässige Muster in nachstehender Grafik, welche die jährlichen Werte von links nach rechts in absteigender Reihenfolge aufführt, farblich unterlegt nach Anlageklasse.

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Ein diversifiziertes Portfolio, das verschiedene Anlageklassen berücksichtigt, kann die Risiken besser verteilen und mehr Renditechancen nutzen. Der Anlagehorizont eines langfristig orientierten Investors erstreckt sich gewöhnlich über mindestens fünf Jahre. Als langfristig solide Kernanlage erwies sich in der Vergangenheit ein ausgewogenes Portfolio mit typischerweise rund 45% Aktien und 55% Staatsanleihen. Hielt ein Anleger irgendwann im Zeitraum von 1900 bis 2024 ein solches Portfolio für mindestens fünf Jahre, erzielte er in 96% der Fälle eine positive Bruttorendite. Diese betrug im langfristigen Durchschnitt 7.9% pro Jahr.

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Diversifiziert = Risiken gestreut + Ertragspotenzial erhöht

Ein ausgewogenes Portfolio kombiniert die Stabilität risikoarmer Anleihen mit dem Renditepotenzial von Aktien. Dank der Diversifikation lassen sich Kursschwankungen gegenseitig abfedern und gleichzeitig mehr Anlagechancen nutzen.

 

Mythos 5: Wer passiv anlegt, fährt am besten

Passive Anlagen bilden in der Regel einen Index nach. Sie brauchen kein umfangreiches Research und kosten daher weniger als aktiv verwaltete Portfolios. Doch günstiger heisst nicht unbedingt besser.

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Dass sie sich normalerweise in zeitlich festgelegten Intervallen, zum Beispiel jährlich, veränderten Marktbedingungen anpassen, kann sie vorübergehend grösseren Risiken aussetzen oder ihnen Ertragschancen verwehren – ein klarer Nachteil.

Aktive Portfoliomanager hingegen gleichen ihre Anlagen mit dem Marktumfeld ab, wann immer sie Bedarf sehen. So können sie jederzeit sowohl das Risiko kontrollieren als auch Ertragschancen nutzen.

Agil mit Disziplin

Es gibt Marktphasen, in denen passive Anlagen besser abschneiden. Doch wer sein Portfolio auf tiefgreifendem Research beruhend dynamisch bewirtschaftet, sorgfältig diversifiziert, diszipliniert überwacht, weitsichtige Investitionsentscheide trifft und auch in turbulenten Zeiten durchhält, sollte langfristig mit einer stabilen Wertentwicklung belohnt werden.

 

 

 

 

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