Auf Firmenbesuch: Unternehmenskultur spricht Bände
Conviction Equities Boutique
Kurz und bündig
- Bewährte Strategie: keine Aktien-Investition ohne minuziöse Qualitätsprüfung des zugehörigen Unternehmens!
- Unser Swiss Equities Team stellt bei seiner Strategie in Schweizer Aktien einen hohen Qualitätsanspruch an die eingegangenen Positionen und vergewissert sich immer wieder, dass sie diesen erfüllen.
- Zur ganzheitlichen Beurteilung einer Firma sind Besuche vor Ort ein Muss, nicht zuletzt auch, um die Unternehmenskultur zu spüren.
Unser Swiss Equities Team prüft die Qualität von rund 140 Schweizer Unternehmen akribisch und nicht umsonst auch direkt vor Ort, so neulich am Hauptsitz von Ypsomed. Der Besuch ist einer von vielen, zeigt aber den Sinn der Sache exemplarisch.
Ypsomed
Das Schweizer Unternehmen Ypsomed mit Hauptsitz in Burgdorf im Kanton Bern ist heute führend in der Entwicklung und Herstellung innovativer Systeme zur Selbstverabreichung flüssiger Medikamente. Damit beliefert Ypsomed Patienten, Apotheken und Kliniken und ist bevorzugter Partner von Pharma- und Biotech-Firmen, welche auf die ausgereiften Technologien und Dienstleistungen von Ypsomed setzen. Der international tätige Konzern mit über 2400 Mitarbeitenden ist durch Produktionsstandorte, Tochtergesellschaften und Vertriebspartner rund um den Globus vernetzt. Er wurzelt in dem vor 40 Jahren gegründeten Familienunternehmen Disetronic, welches die weltweit ersten Mikro-Insulinpumpen am Markt einführte, 2003 seinen Namen änderte und 2004 an die Börse ging. Simon Michel ist CEO und Mitglied des Verwaltungsrats der Ypsomed Holding AG, Sohn bzw. Neffe der ursprünglichen Firmengründer-Gebrüder Willy und Peter Michel sowie Mitglied des Schweizer Nationalrats.
Herr Hänni, wozu dienen einem Portfoliomanager Firmenbesuche?
Als Portfoliomanager verwalte ich Gelder, die mir Kunden anvertrauen. Deshalb muss und will ich mich bei unserer Strategie in Schweizer Aktien für jede Investition vergewissern, dass die zugehörigen Unternehmen meinen Qualitätsanspruch erfüllen, und der ist hoch. Für mich und mein auf Schweizer Aktien spezialisiertes Team genügt es nicht, Firmenvertreter der Führungsetage nur per Telefon über ihr Geschäft auszufragen. Auch wenn wir vom Büro aus möglichst viele relevante Informationen zusammentragen, Zahlenberge durchforsten, sie bis ins Detail analysieren, mit den Daten anderer Firmen derselben Branche vergleichen und uns mit Analysten anderer Finanzinstitute darüber austauschen, ist für uns ebenso wichtig, die Unternehmen direkt vor Ort in Augenschein zu nehmen, um uns ein vollständiges Bild von ihnen zu machen. Im Fall von Ypsomed übernimmt dies Carla Bänziger aus meinem Team.
Warum gerade Frau Bänziger?
Carla analysiert die Schweizer Chemie/Pharma- und Medizinaltechnik-Firmen. Sie ist hierfür prädestiniert als promovierte Molekularbiologin. Dank ihres Werdegangs mit unzähligen Stunden im Labor ist sie geübt darin, die kleinsten Dinge unter die Lupe zu nehmen. Mit derselben Akribie prüft sie nun schon seit rund sieben Jahren als Finanzanalystin in meinem Team Schweizer Unternehmen der genannten Sektoren auf ihre Tauglichkeit als Anlage für unsere Strategie in Schweizer Aktien. Sie machte mich nach ihren umfangreichen Recherchen überhaupt erst auf dieses vielversprechende Investment aufmerksam. Ihretwegen initiierten wir schliesslich im Sommer 2023 eine Ypsomed-Position.
Frau Bänziger, was beeindruckt Sie an dieser Firma?
Ich finde schon die Entstehungsgeschichte des 1984 gegründeten Familienunternehmens beachtlich. Was damals im Emmental mit einer Erfindung zweier Brüder der Familie Michel in einer Nische begann, erblühte durch Kundenorientierung, unablässige Innovation, Qualität und Spitzentechnologie zum Weltgeschäft für Lösungen zur Selbstmedikation in erster Linie für Diabetiker, die auf Insulin-Injektionen angewiesen sind. Inzwischen hat mit Simon Michel als CEO die nächste Generation das Ruder übernommen. Seit wir in die Ypsomed-Aktie investiert sind, führen Marc und ich regelmässig Gespräche mit ihm, stets auf Augenhöhe. Mich beeindruckt, mit welcher Um- und Weitsicht er die Geschicke der Firma lenkt. Dass er damit Erfolg hat, belegen die nachhaltig soliden Geschäftsergebnisse, die wir auch regelmässig mit dem Finanzchef von Ypsomed in allen Einzelheiten besprechen.
Umreissen Sie das Geschäft von Ypsomed kurz?
Der Firmenname fasst es in ein Wort: Das lateinische ‘ipso’ bedeutet ‘selbst’ und ‘med’ steht für Medikation. Die Selbstversorgung mit Medikamenten ist das Kerngeschäft von Ypsomed. Es gliedert sich in die Hauptbereiche Diabetes Care und Delivery Systems. Diabetes Care umfasst Injektions- und Infusionssysteme zum Vertrieb an Diabetes-Patienten, Apotheken und Kliniken. Unter Delivery Systems fallen massgeschneiderte Lösungen und weiterreichende Dienstleistungen für Pharma- und Biotechnologie-Unternehmen, die zur Injektion vorgesehene Medikamente entwickeln, herstellen und vertreiben. Sie arbeiten fast ausschliesslich schon vor deren Markteinführung mit Ypsomed zusammen. Denn weil Arznei und individuell zuschneidbares Verabreichungssystem miteinander zugelassen werden, kommt letzteres schon in den klinischen Studien zum Einsatz, in denen die Wirkung und Verträglichkeit eines Medikaments mit Testpersonen geprüft wird. So bot Ypsomed jüngst dem dänischen Pharmazeutika-Hersteller Novo Nordisk auf der technischen Seite Hand beim Design, der Herstellung und Verpackung der nächsten Generation der Abnehm-Spritze, welche gerade die letzte von drei Phasen der klinischen Studie durchläuft. Sie dürfte nach meiner Einschätzung den in den letzten Jahren gestiegenen Umsatz der Pen- und Autoinjektoren von Ypsomed weiter anstacheln.
Verhilft diese Spritze tatsächlich zum Abnehmen?
Gemäss Erfahrungsberichten zur aktuell erhältlichen Version der Spritze, bei der Ypsomed nicht involviert ist, können die Pfunde rasch purzeln, aber auch unliebsame Nebenwirkungen auftreten, etwa Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Verordnen darf sie nur der Facharzt. Die in der Spritze enthaltenen Wirkstoffe greifen aktiv in den Stoffwechsel ein, indem sie die Ausschüttung von Insulin fördern, dadurch den Blutzuckerspiegel senken, gleichzeitig die Verdauung im Magen und Darm verlangsamen und dem Gehirn ein Völlegefühl vermitteln.
Da ist Wissen über die Vorgänge in unserem Körper gefragt. Kein Wunder, schickt Herr Hänni Sie als ehemalige Molekularbiologin, um Ypsomed zu durchleuchten. Was hat die Firma sonst noch in petto?
Ypsomed führt im Sortiment nebst verschiedenen Varianten von Pen- und Autoinjektoren auch die herkömmlichen Insulinpumpen. Mit dieser Geschäftsidee fing 1984 alles an unter dem damaligen Namen Disetronic. Die Pumpen haben sich über die vielen Jahre zu modernen Begleitern für Diabetiker gemausert und in letzter Zeit erfreulich zum Gesamtumsatz beigetragen. Vor ein paar Monaten kündigte die Firma an, diesen Teilbereich abzustossen und die Langfrist-Strategie auf die zukunftsträchtigen Systeme zu konzentrieren, wo die Spitzentechnologie-Musik nachhaltig spielt.
Spitzentechnologie hat ihren Preis. Wie bleibt Ypsomed international konkurrenzfähig?
Ypsomed engagiert sich auch in der Verabreichung von Biosimilars. Das sind Nachahmer-Produkte biologischer Medikamente, die erst zugelassen sind, wenn das Patent des Originals abgelaufen ist. Entsprechend weniger kosten sie. Weil das Gesundheitswesen generell auf geringere Kosten pocht, findet Ypsomed immer mehr Zulauf von Biosimilar-Produzenten. Auch wenn Biosimilars für das Gesundheitssystem günstiger sind, bedeutet das nicht, dass Ypsomed damit weniger verdient als mit Originalprodukten. Ausserdem entschied die Firma vor ein paar Jahren aus Kostenüberlegungen, Produktionskapazitäten im Ausland aufzubauen. Inzwischen produziert sie auch im norddeutschen Schwerin und in Changzhou in China. Eine kosteneffizient schlanke Produktion im Inland gewährleisten die hochautomatisierten Anlagen in Burgdorf und Solothurn mit modernsten Spritzguss-Werkzeugen, Montage- und Bedruckungsmaschinen, die auf hohe Stückzahlen ausgelegt sind. Der im internationalen Wettbewerb nachteiligen Frankenstärke bietet Ypsomed die Stirn mit überzeugender Qualität, schlagkräftigen Innovationen und einem Top-Service, den die Kunden nicht missen möchten, was zu Preissetzungsmacht verhilft.
Wie hält Ypsomed mit den neusten Errungenschaften der Medizin und Technologie Schritt?
Die sogenannte Immun-Onkologie, eine noch junge, aber vielversprechende Entdeckung in der Krebsmedizin, nutzt zur Abwehr von Tumoren das körpereigene Immunsystem. Dieses wird durch das Injizieren eines Medikaments aktiviert. Dazu sind weniger häufige Injektionen als bei Diabetes nötig, aber in höheren Dosen. Auch hierfür hat Ypsomed das passende Verabreichungssystem entwickelt: einen Injektor mit entsprechend grösserem, bereits befülltem Medikament-Reservoir. Dieses am Körper tragbare Gerät klebt sich der Patient wie ein Pflaster auf die Haut und verabreicht sich die jeweilige Menge steril per Knopfdruck. In Sachen Technologie lassen sich Ypsomed-Geräte mittlerweile auch mit dem Smartphone verbinden. So können Insulinpumpen-Benutzer sich die benötigten Dosen automatisch verabreichen. In naher Zukunft werden Pen- oder Autoinjektor-Benutzer via Smartphone ihrem Arzt und ihrem Krankenversicherer übermitteln können, dass sie sich das Medikament verabreicht haben und in welcher Dosis.
Eine High-Tech-Hausapotheke sozusagen. Welches Qualitätszeugnis stellen Sie Ypsomed nach Ihrem jüngsten Besuch aus?
Ein erstklassiges. Das in seiner Branche weltweit führende Unternehmen kann eine gesunde Bilanz mit geringer Schuldenlast vorweisen. Sein Geschäftsmodell hat sich über die vielen Jahre seines Bestehens bewährt und im Zusammenspiel mit strategisch klugen Investitionen in Forschung & Entwicklung und auf die Kunden ausgerichteten Innovationen den Erfolg zementiert. Dass Ypsomed die CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis 2040 auf netto Null bringen will, war kein Lippenbekenntnis. Bereits sind an mehreren Standorten Solaranlagen in Betrieb. Als vorbildlich werte ich auch die Unternehmenskultur, die bei Ypsomed gelebt wird, wie ich mit eigenen Augen sehen konnte. Im Anschluss an den Besuch steckten Marc und ich die Köpfe zusammen und konnten wiederum alle Qualitätsanforderungen abhaken, denen jedes Unternehmen gerecht werden muss, damit es in unserer Strategie in Schweizer Aktien zum Zug kommt. Kurzum: Wir behalten die Ypsomed-Position weiterhin aus voller Überzeugung.
Noch eine letzte Frage an Sie, Herr Hänni: Sind regelmässige Firmenbesuche nicht zu aufwändig für Sie und Ihr Team, zumal Ihre Strategie in Schweizer Aktien ja nicht nur eine Handvoll Titel berücksichtigt?
Mein Ziel ist, für unsere Kunden Mehrwert zu schaffen. Dafür ist mir und meinem Team kein Aufwand zu gross. Erst durch die engen Kontakte, die wir zu rund 140 Schweizer Firmen pflegen, können wir den wahren Unternehmenswert einschätzen und beurteilen, ob deren Aktien zu einem überhöhten, fairen oder günstigen Kurs gehandelt werden. Trifft das Letztgenannte zu, ist die Anlagechance da. Mit Blick auf die langfristige Wertentwicklung unserer Strategie in Schweizer Aktien hat es sich bewährt, dass wir den Unternehmen immer wieder Besuche abstatten.
Die erwähnte Strategie investiert auch in Aktien anderer Firmen als der aufgeführten. Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass eine Investition in die Aktien der aufgeführten Firma rentabel war oder sein wird. Die in der Strategie berücksichtigten Aktien und ihre Gewichte können jederzeit ohne Ankündigung geändert werden. Für weitere Informationen zur Performance und den Anlageerwägungen für die genannte Strategie klicken Sie bitte auf den Link / die Links unter ‘Zugehörige Fonds‘.