Investors’ Outlook: Zuckerbrot und Peitsche
Multi Asset Boutique
Kurz und bündig
- Die Multi Asset Boutique erwartet eine Verbesserung des Wirtschaftswachstums, gestützt durch günstige geldpolitische Bedingungen und die Aussicht auf globale fiskalpolitische Impulse.
- Seit dem Liberation Day hat US-Präsident Donald Trump nach Ansicht des Multi-Asset-Teams eine wachstumsfreundlichere Haltung eingenommen, die mit dem Herannahen der Zwischenwahlen und sinkenden Zustimmungswerten an Bedeutung gewinnen könnte.
- Die Zinsentscheide der US-Notenbank Fed werden wesentlich von der Lage am Arbeitsmarkt abhängen, die sich jedoch nur schwer einschätzen lässt. Die Multi Asset Boutique rechnet damit, dass die Fed die Zinsen wieder in einen neutralen Bereich zurückführen wird.
Zuckerbrot und Peitsche
Als der Juli in den August überging, sahen sich die Märkte mit Zuckerbrot und Peitsche konfrontiert: Jede Schlagzeile versprach entweder eine Belohnung oder versetzte einen Schlag. Zölle und geopolitische Machtdemonstrationen stellten die Märkte auf die Probe, während starke Unternehmensgewinne und Hoffnungen auf Zinssenkungen den Optimismus nährten.
Die Anleger fanden derweil ihr eigenes Zuckerbrot und schüttelten die handelspolitischen Turbulenzen ab – die Stimmung drehte klar in Richtung Risikobereitschaft. Begründet wurde dies mit der Erwartung baldiger Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed. Diese Hoffnungen wurden noch verstärkt, als Fed-Chef Jerome Powell am jährlichen Jackson-Hole-Symposium in Wyoming vorsichtig signalisierte, dass die erste Zinssenkung seit neun Monaten bereits im September erfolgen könnte. Die Währungshüter stehen unserer Meinung nach vor einer schwierigen Abwägung: die hartnäckige Inflation auf der einen Seite, die wachsenden Risiken für den Arbeitsmarkt auf der anderen – dazu kommt die Herausforderung, den richtigen Zeitpunkt für die Lockerung zu finden. Der Dot Plot1 der Fed deutet zwar auf eine Senkung um insgesamt 50 Basispunkte bis Jahresende hin. Die Inflation macht es aus unserer Sicht jedoch nicht einfach, die Schleusen weit zu öffnen. Sie erschwert die Lage und schränkt den Handlungsspielraum ein.
Mit Inkrafttreten der reziproken Zölle erhöhte US-Präsident Donald Trump den Druck auf Indien. Wegen der russischen Ölimporte des Landes verdoppelte er die Einfuhrabgaben auf 50%. Den gleichen Zollsatz verhängte er gegenüber Brasilien unter Verweis auf das Verfahren gegen Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Ein kleiner Lichtblick war die Verlängerung des US-China-Handelsfriedens bis November, die die Spannungen zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften vorübergehend linderte. Dennoch bleibt die chinesische Wirtschaft auf einem Abwärtspfad, belastet durch einen schwächelnden Immobilienmarkt und eine geringere Kreditnachfrage. Unseres Erachtens werden zusätzliche Konjunkturmassnahmen aus Peking in absehbarer Zeit wahrscheinlicher.
Starke Unternehmensgewinne trugen dazu bei, dass US-Aktien trotz Zöllen auf Rekordhöhen stiegen. Konsumenten zeigten sich resilient, weitere Impulse kamen von Staatsausgaben in Europa bis hin zu NATO-Budgets – und sogar die Aussicht auf eine Waffenruhe in der Ukraine wirkte wie ein kleines Zuckerbrot. Anfang August trafen sich Trump und Wladimir Putin in Alaska. Zwar brachten die Gespräche keinen Durchbruch, doch sie nährten Hoffnungen auf eine Abkühlung der Feindseligkeiten. Es scheint, als ob Anleger nach der Sommerpause bereit sind, ihr Geld wieder einzusetzen.
Dies führt bei manchen Anlegern zur Frage, ob die Märkte inzwischen zu optimistisch auf Aktien blicken. Wir denken: nicht unbedingt. Es scheint noch Kapital auf seinen Einsatz, das weitere Kursanstiege stützen könnte. Gleichzeitig halten wir Selektivität für entscheidend, sei es über nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes oder regionale Allokationen statt breit gestreuter Indexanlagen.
In diesem Investors’ Outlook richten wir den Fokus auf ein Thema, das Anlegern zuletzt Sorgen bereitete: die Unabhängigkeit der Zentralbanken. Ausserdem erfahren Sie, was die US-Rindfleischpreise antreibt und wie wir die Aktienmärkte einschätzen.
Wir möchten unseren Kundinnen und Kunden helfen, nach dem Zuckerbrot zu greifen – und zugleich ihre Portfolios vor den Schlägen der Peitsche schützen.
1. Der Dot Plot ist ein Diagramm, das von der US-Notenbank veröffentlicht wird. Er zeigt, wo die einzelnen Fed-Mitglieder die Zinssätze künftig erwarten. Jeder Punkt steht für die Prognose eines einzelnen Entscheidungsträgers.