Investors’ Outlook: Schonend behandeln

Multi Asset Boutique
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Kurz und bündig

  • Unseres Erachtens gibt es derzeit wenig Anzeichen für einen deutlichen Inflationsanstieg. Die Geldpolitik wurde zwar gelockert, ist jedoch nicht übermässig entgegenkommend. Ein deutlicher Nachfrageanstieg ist zudem unwahrscheinlich, da sich das weltweite Wirtschaftswachstum weiter verlangsamt.
  • Aus unserer Sicht wird die Dollarschwäche bis 2026 nicht nur aus konjunkturellen Faktoren wie Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und geringeren Zinsdifferenzen resultieren, sondern auch aus einem strukturellen Umdenken darüber, wie die USA mit globalem Kapital interagieren.
  • Das Investment Committee der Multi Asset Boutique hat beschlossen, keine Änderungen and der aktuellen Asset Allocation vorzunehmen.

 

 

Schonend behandeln

In den vergangenen Wochen hat sich ein frischer Anlegeroptimismus in der wirtschaftlichen Waschtrommel bemerkbar gemacht. Verschiedene Umfragen zeigten eine Stimmungsaufhellung, die durch eine Abnahme der Handelsspannungen zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt, den USA und China, sowie durch überraschend gute makroökonomische Daten begünstigt wurde. Kleinunternehmer in den USA melden höhere inflationsbereinigte Umsatzerwartungen sowie ein gestiegenes Vertrauen in die kurzfristigen Geschäftsaussichten. Auch die Konsumentenstimmung hat sich aufgefrischt angesichts eines weit verbreiteten Gefühls, dass das Gröbste möglicherweise ausgespült ist.

Die Entwicklung ist erfreulich, aber weiterhin fragil. Konsumenten nennen Zölle nach wie vor als Grund zur Sorge. Schliesslich sind die Handelsperspektiven in letzter Zeit durch einige zusätzliche Umdrehungen gegangen. Die anfängliche Rhetorik von «90 Deals in 90 Days» hat sich nicht bewahrheitet, und selbst die bislang erzielten Vereinbarungen führen zu effektiv deutlich höheren Zollsätzen als vor Beginn des Handelskonflikts.

Die US‑China‑Handelsgespräche führten zu einer Einigung: China wird Seltene Erden an die USA liefern – wichtig für Energie, Elektronik und Verteidigung. Die Märkte reagierten positiv. Vor dem 9. Juli, dem Ende der Zollpause, deuten US‑Offizielle weitere Abkommen an – mit Chancen, aber auch Risiken.

Auch die globalen geopolitischen Spannungen bleiben ein prägender Faktor. In der Ukraine sind die erhofften Verhandlungen bislang nicht zustande gekommen. In der Zwischenzeit haben die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten einmal mehr gezeigt, wie schnell geopolitische Risiken eskalieren und die Märkte verunsichern können.

Angesichts dieser zunehmenden geopolitischen Unsicherheit rücken die Verteidigungsausgaben wieder stärker in den Fokus. In ganz Europa und darüber hinaus öffnen Regierungen ihre fiskalischen Hähne für die Modernisierung des Militärs, die Energiesicherheit und mehr Autonomie. Manche sehen darin eine Gefahr für die grüne Wende. Wir hingegen sind der Meinung, dass eher das Gegenteil zutreffen könnte. Denn Energieresilienz, technologische Souveränität und Klimaanpassung spielen eine zentrale Rolle für die nationale Sicherheit.

In dieser Ausgabe des Investors’ Outlook beleuchten die Kolleginnen und Kollegen unserer Conviction Equities Boutique die Grundlagen der grünen Wende mit Fokus auf deren zentrale Bausteine. Ausserdem finden Sie eine vertiefte Analyse der sich wandelnden makroökonomischen und politischen Entwicklungen in Europa sowie ein Update zu den Ölpreisen und ihren wesentlichen Treibern.

Wir beobachten eine teilweise Verbesserung. Einige Bereiche wirken aufgehellt, andere wirbeln noch durch die Trommel. Doch insgesamt erfordert die aktuelle Lage immer noch den Schongang.

 

 

 

 

 

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