US-Handelszölle: Schweizer Unternehmen bleiben resilient
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Kurz und bündig
- Unser Schweizer Aktien-Team hat rund 50 Schweizer Unternehmen auf Chancen im Zusammenhang mit potenziellen Zollauswirkungen untersucht.
- Sie stellten fest, dass Schweizer Unternehmen insgesamt widerstandsfähig im globalen Markt positioniert sind.
- Sie bleiben optimistisch, dass die Schweizer Wirtschaft weiterhin ihre Chancen nutzen wird, selbst angesichts anhaltender Unsicherheiten.
Anfangs Jahr haben wir bereits in einem ersten Artikel1 über die möglichen Auswirkungen der von den USA angedrohten Zölle berichtet. Seit Donald Trump’s Einzug in das Weisse Haus als 47. Präsident hat sich einiges getan und die Folgen für die Wirtschaft sowie die Weltpolitik waren deutlich spürbar. Mit dem „Liberation Day“ am 2. April sowie der Androhung neuer Zölle wurde die Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten weiter verstärkt. Ein darauffolgender Handelsstreit zwischen den USA und China sorgte für zusätzliche Spannungen, doch bisher wurden nur wenige der angekündigten Zollmassnahmen tatsächlich auch umgesetzt.
Alle Augen richten sich nun auf den 9. Juli, welcher ein potenzieller Wendepunkt in der Zollpolitik der USA darstellen könnte. Die Finanzbranche spekuliert nun darauf, dass entweder Trump oder einige seiner Zielscheiben (Europa?, Japan?) nachgeben werden, bevor echter Schaden entsteht. Auch wir teilen diese Ansicht. Eine positive Marktgegenbewegung sah man dann bereits ab Mai. Aber was, wenn die Verhandlungen scheitern und Trump seine Drohungen wahr macht? Was würde das für den Schweizer Aktienmarkt im Allgemeinen und, genauer gesagt, auf Unternehmensebene bedeuten?
«Zölle stellen ein Risiko für die US-Wirtschaft dar»
Inwieweit die neue Trump-Regierung die angedrohten Handelszölle gegenüber China, Europa und der restlichen Welt tatsächlich umsetzen wird, bleibt vorerst abzuwarten. Schliesslich würde sie damit gleichzeitig auch für die eigene Wirtschaft erhebliche Risiken eingehen, da sowohl China als auch Europa zu den wichtigsten Abnehmern von Gütern und Dienstleistungen aus Amerika gehören. Viele Experten gehen davon aus, dass, wenn die angekündigten Zölle vollständig umgesetzt und sowohl Exporteure als auch Importeure ihre Gewinne beibehalten, die Kosten grösstenteils auf die US-Verbraucher abgewälzt werden. Dies könnte die Konsumausgaben verringern und das Risiko einer Rezession erhöhen, falls Ersparnisse diese Auswirkungen nicht ausgleichen können.
Ein wirtschaftlicher Abschwung in den USA und allenfalls weltweiter, wäre auch für Schweizer Unternehmen schädlich, da ein grosser Teil abhängig vom US-Zyklus ist. Vor diesem Hintergrund teilen wir die Einschätzung, dass die Zölle nicht in der ursprünglich angekündigten Form umgesetzt werden. Die politischen und wirtschaftlichen Realitäten sprechen dafür, dass ein vollständiger oder rigoroser Zollmechanismus weitgehend unwahrscheinlich scheint. Mittel- bis langfristig sehen wir die US-Wirtschaft als den Hauptverlierer solcher protektionistischen Massnahmen an. Denn die Abhängigkeit globaler Lieferketten sowie die Gefahr potenzieller wirtschaftlichen Gegenmassnahmen anderen Ländern sind zu gross und könnten somit die Wettbewerbsfähigkeit der USA auf lange Sicht gefährden.
Gut 50 Schweizer Firmen auf Chancen möglicher Zoll-Folgen untersucht
Die USA sind und bleiben der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der Schweizer Unternehmen. Jährlich exportiert die Eidgenossenschaft Waren im Wert von über 50 Milliarden Schweizer Franken in die Vereinigten Staaten, was die Abhängigkeit vieler hiesiger Unternehmen von der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft unterstreicht. Bereits in früheren Analysen haben wir auf diese enge Verflechtung hingewiesen und sind genauer darauf eingegangen, was es effektiv für die Unternehmen bedeuten würde, welche der USA stark exponiert sind.
Dennoch haben die Diskussionen um Handelsbarrieren unsere Lernkurve im Bezug auf die Zollsensitivität von Schweizer Aktien deutlich gesteigert. Durch die Analyse der potenziellen Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen konnten wir ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, welche Branchen und Firmen besonders betroffen sein könnten, wie sie sich auf diese Risiken vorbereiten und wie agil sie in der Lage sind Produktionsstätten verschieben zu können. Schweizer Unternehmen haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sehr flexibel und äusserst innovativ auf Veränderungen im globalen Handelsumfeld reagieren können. Dies stärkt unsere Überzeugung, dass die Auswirkungen potenzieller Zölle auf Schweizer Aktien begrenzt bleiben dürften.
Trotz der Unsicherheiten zeigt sich, dass viele Schweizer Unternehmen nicht nur negativ von der Zollthematik betroffen, sondern insgesamt relativ gut im globalen Markt aufgestellt sind und womöglich sich sogar Chancen aus den Zoll-Folgen ergeben könnten. In der Abbildung ist ersichtlich, welche Schweizer Unternehmen einen besonders hohen Anteil des Gruppenumsatzes in den USA erwirtschaften (horizontale Achse: Umsatzanteil USA in % am Gruppenumsatz) und wieviel von diesem Umsatzanteil in Form von Importen in die USA gebracht werden müssen (vertikale Achse: Anteil Importe in die USA in % am US-Umsatz).
Zur besseren Veranschaulichung ein Beispiel: In der unteren Grafik erzielt Logitech etwa 40% seines Gesamtumsatzes in den USA (dargestellt auf der horizontalen Achse). Von diesen US-Umsätzen müssen aber 90% der verkauften Produkte in die USA importiert werden (dargestellt auf der vertikalen Achse).
Die meisten der untersuchten Unternehmen weisen einen doch beachtlichen Umsatzanteil in den USA, im Schnitt von über 30% auf. Auf den ersten Blick wirkt die grosse US-Last gerade im Hinblick auf die Zollthematik bei vielen Unternehmen äusserst negativ. Mit der Darstellung möchten wir jedoch verdeutlichen, dass Zölle nicht pauschal für alle Unternehmen gleich gewertet werden dürfen. Denn fast wichtiger als die erzielten US-Umsätze im Detail zu betrachten, ist es, den effektiven Import der einzelnen Firmen in die USA anzuschauen, welcher im Falle einer Zollerhebung tatsächlich auch betroffen wäre.
So haben viele Schweizer Konzerne über die letzten Jahre bereits substanzielle lokale Produktionen vor Ort aufgebaut. Auch gibt es Unternehmensbeispiele, die auch gar keinen resp. einen sehr kleinen Umsatz in den USA erzielen (wie bspw. Holcim nach der kürzlichen Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts «Amrize», Aryzta, DKSH oder Vetropack).
Relativ selten gibt es aber auch Schweizer Firmen, welche einen hohen Umsatz- sowie Importanteil an den USA besitzen. Sie befinden sich in der Grafik 2 im oberen rechten Quadrat, müssen nicht zwangsläufig von einem Wettbewerbsnachteil betroffen sein. Denn ein grosser Teil dieser betroffenen Schweizer Exporteure profitieren von den Stärken der Schweizer Wirtschaft: hohe Innovationskraft, enorme Kostendisziplin, Verankerung in Nischenmärkten, sowie einzigartige Schweizer Qualität, resultierend in einer unglaublichen Preismacht. So bleiben viele Schweizer Unternehmen gegenüber zukünftig potenziellen Herausforderungen widerstandsfähig.
Beispiele widerstandsfähiger Schweizer Unternehmen:
- Lindt & Sprüngli: Dank der einzigartigen Positionierung im Prämienbereich der Schokoladenindustrie, einer starken Brand, sowie hervorragender Qualität hat Lindt & Sprüngli kein Problem damit, die Preise zu erhöhen und erzielt so ein kontinuierliches Margenwachstum.
- VAT: Mit einem geschätzten Marktanteil von gut 70% im Nischenmarkt der Vakuumlösungen für die Halbleiterindustrie verfügt VAT über eine sehr hohe Preismacht und kann Preise direkt an Kunden übertragen. Deshalb sind wir der Meinung, dass das Unternehmen, trotz knapp 18% Umsatzanteil in den USA sowie keiner lokalen Produktion vor Ort, nicht negativ von den Zöllen tangiert sein dürfte.
- Georg Fischer: Mit diversifizierter Produktion, die grösstenteils lokal in den USA hergestellt und bezogen wird, minimiert das Unternehmen Risiken.
- Belimo: Trotz gewisser Abhängigkeiten von Exporten (z.B. für Datacenter) bleibt das Unternehmen durch seine hohe Innovationskraft, aber auch Marktführerschaft wettbewerbsfähig.
Deutliche Unterschiede zwischen Large Caps und Small-/Mid-Caps
Die grosskapitalisierten Schweizer Unternehmen (Large Caps), gemessen am Swiss Market Index, haben im Durchschnitt einen höheren US-Umsatzanteil als die Mid & Small-Caps. Dies macht sie zwar anfälliger für direkte Auswirkungen von Zöllen, doch ihre globale Präsenz und starke Marktposition bieten im Allgemeinen Schutz.
Historisch über die letzten 30 Jahre betrachtet, zeigen die Schweizer Nebenwerte im Gegensatz zu den Large Caps eine attraktive Bewertung sowie ein höheres Performancepotenzial. In den letzten 5 Jahren wurden die Mid & Small Caps jedoch mit einem sogenannten Bewertungs-Abschlag («Discount») gegenüber den Large Caps gehandelt.
Diese Tatsache ist vor allem auf die angespannte geopolitische Situation in Europa, wie andauernde Kriege, politische Situation oder hoher Energiekosten, zurückzuführen, wo die Mid & Small Caps auch ein höheres Exposure als die Large Caps aufweisen.
Durch eine antizipierte wirtschaftliche Erholung in Europa, beispielweise gemessen an Auftragseingängen oder den PMI-Statistiken (Einkaufsmargenindizes) konnten sie jedoch seit Beginn des 2. Quartals in diesem Jahr seit längerer Zeit wieder stärker an Wert zulegen und besser abschneiden als der Schweizer Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index. Wir sind der Meinung, dass dieser Trend weiter anhalten dürfte und dass das Schweizer Nebenwertesegment in den kommenden Quartalen überproportional profitieren wird. Kombiniert mit einer attraktiven Bewertung sind wir für die schweizerischen Mid- und Small Caps insgesamt positiv gestimmt.
Fazit
Die USA bleibt der wichtigste Exportmarkt für Schweizer Unternehmen, und dennoch halten sich die Risiken durch Zölle in Grenzen. Dank Innovationskraft, starken Marktanteile, hoher Preissetzungsmacht und globaler Präsenz weisen sie eine gute Positionierung auf, um potenzielle Herausforderungen zu meistern. Viele kotierte Schweizer Unternehmen aus den unterschiedlichsten Sektoren und Endmärkten sind über die Jahre hinweg zu globalen Playern in Nischenmärkten geworden und zeigen, dass sie auch in einem schwierigen Umfeld widerstands- und wettbewerbsfähig bleiben.
Sicher ist, dass es in diesem anspruchsvollen Marktumfeld umso wichtiger ist, an unseren hohen Qualitätsanforderungen bei der Unternehmensanalyse festzuhalten. Denn unabhängig von der Sektor-Zugehörigkeit, geografischer Umsatzaufteilung sowie der agierenden Endmärkte legen wir einen sehr hohen Fokus auf starke Bilanzen, globale Marktführerschaft, Innovationskraft und eine einwandfreie Unternehmenskultur. Wir bleiben optimistisch, dass die Schweizer Wirtschaft weiterhin Chancen nutzen wird, selbst wenn die Unsicherheiten anhalten. Aus unserer Sicht sollten sich Schweizer Unternehmen als widerstandsfähig gegenüber den aktuellen Turbulenzen erweisen.