Schweizer Aktienmarkt: Zuversicht für 2026 nach turbulentem 2025

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Kurz und bündig

  • Volatiles Jahr 2025: Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnete zu Jahresbeginn starke Gewinne, war jedoch aufgrund globaler Unsicherheiten von Volatilität geprägt.
  • Outperformance von Small Caps: Agile Small-Cap-Unternehmen übertrafen grössere Firmen dank ihrer Widerstandsfähigkeit und ihrem Fokus auf Nischenmärkte.
  • Bewertungsmöglichkeiten: Über die Hälfte der Schweizer Aktien wurde unter ihrem 10-Jahres-KGV-Durchschnitt gehandelt, was attraktive Einstiegsmöglichkeiten bot.
  • Optimistischer Ausblick für 2026: Stabilisierung der geopolitischen Lage, Lockerung der Geldpolitik in den USA und der Boom der künstlichen Intelligenz (KI) deuten auf Wachstumspotenzial hin.

 

2025 waren die globalen Aktienmärkte von starken Schwankungen geprägt, mit einer Vielzahl von Unsicherheiten, welche die Anleger auf Trab hielten. Der Schweizer Gesamtmarkt (SPI) verzeichnete zwar seit Jahresbeginn bis Ende November ein zweistelliges Plus, doch die stärksten Monate waren mit Abstand Januar und Februar. Die Folgemonate verliefen deutlich volatiler, was viele Investoren vor Herausforderungen stellte. Entscheidend hierfür waren einige spezifische Themen und Marktentwicklungen, die nebst Schwierigkeiten auch Opportunitäten mit sich brachten.

Rückblick: wichtigste Ereignisse und ihre Auswirkungen

2025 prägten zahlreiche wirtschaftliche und geopolitische Herausforderungen die globalen Märkte, wovon auch die Schweizer Wirtschaft nicht unverschont blieb. Es dürfte als Jahr des anhaltenden Handelskonflikts zwischen den USA und dem Rest der Welt in die Geschichtsbücher eingehen. Die Schweizer Börse legte zwar einen fulminanten Start ins 2025 hin und verzeichnete bis Ende Februar dank der Trump-Euphorie einen Anstieg von 10.8%, gemessen am SPI. Im weiteren Jahresverlauf stagnierte dieser jedoch weitgehend, und über den Zeitraum von Ende Februar bis Ende Oktober 2025 verlor er sogar knapp -1.0%.

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Überraschende Small-Cap-Rally

Ab dem zweiten Quartal 2025 zeigten die für Agilität und Innovationskraft bekannten Schweizer Mid- und Small-Cap-Unternehmen (abgebildet im SPI Extra) eine überraschend starke Performance und sorgten für eine ungewöhnliche Abwechslung am Schweizer Aktienmarkt. Nach einer längeren Phase im Hintertreffen gelang es diesen Titeln, den breiten Schweizer Aktienmarkt (SPI) schliesslich wieder zu übertreffen und ebenso die grössten Mid Caps (abgebildet im SMIM Index). Besonders hervorzuheben ist die sogar noch bessere Performance der Small Caps (abgebildet im SPI19).

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Die Outperformance der Small Caps zeigte, dass Anleger wieder verstärkt auf die Wachstumschancen und die Widerstandsfähigkeit dieser Unternehmen setzten. Während grosse Konzerne stärker von globalen Unsicherheiten und makroökonomischen Schwankungen betroffen waren, profitierten kleinere Unternehmen von ihrer eigenen Flexibilität und Fähigkeit, sich in Nischenmärkten zu behaupten. Des Weiteren weisen viele Unternehmen aus diesem Marktsegment einen überdurchschnittlich hohen Umsatzanteil innerhalb der Schweiz auf und waren somit weniger stark von den US-Strafzöllen tangiert. In diesem Kleinst-Segment sind vorwiegend sogenannte «Value»-Titel anzutreffen, welche besser abschnitten als zahlreiche Qualitätsunternehmen.

Diese aussergewöhnliche Nebenwerte-Rally verlieh dem Schweizer Aktienmarkt eine neue Dynamik und rückte die oft unterschätzten Small Caps ins Rampenlicht. Ob dieser Trend nachhaltig sein würde, blieb abzuwarten. Doch die Zahlen aus den ersten Monaten des Jahres sprachen für sich: Schweizer Small Caps hatten ihre Stärke eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Bewertung: Qualität mit unerwartetem Potenzial

Darüber hinaus liefert ein Blick auf die diesjährige Bewertung von Schweizer Aktien interessante Erkenntnisse. Im Vergleich zu ihren europäischen Pendants handeln Schweizer Aktien traditionell mit einer Prämie, untermauert durch überlegene Eigenkapitalrenditen (ROE), starke Margen und geringe Verschuldung. Dieser Bewertungsaufschlag ist besonders bei qualitativ hochwertigen Large Caps deutlich sichtbar. Wir sind der Meinung, dass sowohl die hohe Qualität als auch das Wachstumspotenzial der Schweizer Aktien diese höhere Bewertung rechtfertigt. Der Schweizer Aktienmarkt ist zudem stark von defensiven Sektoren wie der Pharmaindustrie oder dem Nahrungsmittelsektor geprägt. Dies gepaart mit der wirtschaftlichen und politischen Stabilität der Schweiz erklärt die immerwährend hohe Bewertungsdifferenz zu europäischen Aktien.

Überraschenderweise notierte 2025 jedoch mehr als die Hälfte der Schweizer Aktien unter ihrem 10-Jahres-Durchschnitt beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Daraus ergeben sich besonders bei den Mid Caps selektiv attraktive Einstiegsmöglichkeiten.

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Stimmungsabhängiges Marktumfeld führte zu hoher Performance-Dispersion

Aufgrund erheblicher makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheiten erwies sich 2025 eine fundierte Aktienselektion in Kombination mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont vielfach als herausfordernd. Gewinner eines Monats wurden nicht selten in den darauffolgenden Wochen zu Verlierern und umgekehrt. Auch die richtige Positionierung während der Berichtssaison gestaltete sich anspruchsvoll, da nach der Veröffentlichung von Quartals- oder Halbjahreszahlen Kursausschläge von bis zu 10% in beide Richtungen keine Seltenheit waren. Selbst Aktien mit insgesamt positiver Entwicklung durchliefen immer wieder Phasen teils deutlicher kurzfristiger Rückgänge, wie in nachstehender Tabelle ersichtlich.

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Ein Jahr der Herausforderungen und Chancen – Weichenstellung für die Zukunft

Trotz der turbulenten Entwicklungen des Jahres 2025 bleibt unser langfristiger Ansatz unverändert. Diese Marktsituation hat uns einmal mehr gezeigt, dass es entscheidend ist, auf Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten und einer klaren Wettbewerbsvorteil-Strategie zu setzen. Insbesondere Unternehmen, die sich gut positioniert haben, um mit den Herausforderungen des starken Schweizer Frankens und der globalen Unsicherheiten umzugehen, dürften auch in den kommenden Jahren gut abschneiden. Die diesjährigen Kurskorrekturen bei Qualitätsaktien bieten derzeit eine attraktive Gelegenheit, in unterbewertete Unternehmen zu investieren, die langfristig das Potenzial haben, überdurchschnittlich zu wachsen.

Mit Blick auf das Jahr 2026 sind wir zuversichtlich, dass sich die geopolitische Lage stabilisieren wird. Eine Beruhigung der Spannungen in Europa, besonders im Ukraine-Konflikt, könnte das Geschäftsklima weiter verbessern. Infrastruktur-Programme und eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit der Schweiz mit der EU könnten den Wiederaufbau anstossen und die Konjunktur ankurbeln. Dies würde vor allem den Schweizer Industrieunternehmen zugutekommen, die traditionell von einem stabilen europäischen Markt profitieren. Die ersten Anzeichen dafür zeigten sich bereits mit der Erholung der Einkaufsmanagerindizes (PMI) der Eurozone, welche die kritische Schwelle von 50 überschritten.

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Überdies gehen wir davon aus, dass die US-Notenbank Fed im kommenden Jahr ihre Geldpolitik weiter lockern wird, was den Märkten Entlastung verschaffen und zu moderateren Zinssätzen führen dürfte. Gleichzeitig steht US-Präsident Donald Trump unter Druck, eine wachstumsfördernde Politik zu verfolgen – nicht nur im Hinblick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen (Midterms), sondern auch aufgrund der weiterhin sinkenden Gehälter von Arbeitnehmern ausserhalb der Landwirtschaft in den USA (Non-Farm Payrolls). Eine zu restriktive Geldpolitik könnte schwerwiegende Folgen haben und eine Rezession in den USA auslösen, was Trump unbedingt verhindern will. Daher dürfte es unserer Meinung nach auch in Bezug auf die US-Strafzoll-Thematik zu weiteren Einigungen kommen.

Ausserdem plant die US-Regierung mit der «One Big Beautiful Bill» umfassende steuerliche Anreize und Erleichterungen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Haushalte könnten mit zusätzlichen Steuer-Rückerstattungen rechnen, während Unternehmen von niedrigeren Steuersätzen und Investitionsanreizen profitieren dürften. Der anhaltende Boom der künstlichen Intelligenz (KI) dürfte auch 2026 das globale Investitionsklima stärken. Die wachsende Nachfrage nach KI-Technologien in Bereichen wie Automatisierung, Daten-Analyse und maschinelles Lernen treibt Innovationen und Investitionen voran. Diese Entwicklungen könnten, unterstützt durch staatliche Förderprogramme und die Integration von KI in diversen Branchen, weltweit positive wirtschaftliche Impulse setzen.

Zuversichtlich ins 2026

All diese Faktoren – von einer weiter gelockerten Zinspolitik über wachstumsfördernde Massnahmen der US-Regierung bis hin zum anhaltenden KI-Boom – stimmen uns positiv für das kommende Jahr 2026. Wir bleiben optimistisch, dass die Schweizer Wirtschaft weiterhin Chancen nutzen wird, selbst wenn Unsicherheiten bestehen bleiben. Aus unserer Sicht sollten sich Schweizer Unternehmen gegenüber den aktuellen Turbulenzen als widerstandsfähig erweisen. Mit Blick auf 2026 eröffnen sich für sie neue Perspektiven, die sowohl ihre Stabilität als auch ihr Wachstum fördern könnten – eine spannende Zeit für Anleger, die bereit sind, in einem dynamischen Umfeld Chancen zu nutzen.

 

 

 

 

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