Schweizer Aktien: sorgfältig auswählen

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Kurz und bündig

  • Unser Swiss Equities Team hat 140 Schweizer Unternehmen eng im Blick.
  • Für das Team sind wiederholte Gespräche mit wichtigen Firmenvertretern sowie Werksbesuche vor Ort unabdingbar zur Ermittlung der Qualität einer Firma.
  • Das Team investiert nur, wenn es auch von der jeweiligen Unternehmenskultur überzeugt ist.
  • Seiner Meinung nach sind in der sich wandelnden Welt von heute innovative, breit abgestützte und agile Firmen klar im Vorteil.

 

Unser Swiss Equities Team befasst sich tagtäglich mit rund 140 Schweizer Unternehmen. Als sogenannte «Stock Pickers» gehen wir jedem einzelnen von ihnen auf den Grund in unseren sogenannten «Bottom up»-Analysen. Unser Anspruch an die Qualität der Schweizer Firmen, in die wir investieren, ist hoch – angefangen bei der globalen Marktstellung der untersuchten Gesellschaft über die Bilanzstärke, Langfrist-Strategie und Innovationskraft bis hin zur Unternehmenskultur sowie dem sozialen und ökologischen Fussabdruck. In all diesen Punkten verlangt unsere Messlatte erste Güte.

Dank Schweizer Qualität an die Weltmarkt-Spitze

Vor rund 30 Jahren waren hauptsächlich grössere Schweizer Finanz- und Pharma-Firmen auf dem internationalen Parkett erfolgreich. Seither mauserten sich aber auch immer mehr kleine bis mittelgrosse Schweizer Unternehmen verschiedenster Branchen zu globalen Marktführern. Ihre heutige Anzahl ist beeindruckend für ein so kleines Land wie die Schweiz. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Schweizer Qualität ist rund um den Globus begehrt.

Bemerkenswertes Beispiel eines Schweizer Unternehmens, das diesen Aufstieg mit Bravour geschafft hat und all unsere Qualitätskriterien seit vielen Jahren erfüllt, ist die Spezialitätenchemie-Firma Sika. Sie entwickelt Klebstoffe, Abdichtungssysteme und Lösungen zum Verbinden verschiedenster Materialien und bedient damit das produzierende Gewerbe, in erster Linie die Auto- und die Bauindustrie. Gegründet wurde Sika vor rund 140 Jahren als Familienbetrieb. Nicht erhärtet ist, ob der Firmenname die Anfangsbuchstaben der Vornamen des Gründers Kaspar Winkler und seiner Frau Sibylle kombiniert oder jene von Silizium und Kalzium, angelehnt an Sikas erstes Top-Produkt, den Abdichtungsmörtel. Gleich wie dieser hatte das Kürzel Bestand und mit ihm das Unternehmen, welches sich inzwischen mit 34 000 Mitarbeitern in 103 Ländern auf fünf Kontinenten etabliert hat. Seine finanzielle Qualität und die Kompetenz seiner Führungsriege haben uns längst überzeugt. Deshalb halten wir Sika schon seit vielen Jahren als Kern-Position in unseren Portfolios aus Schweizer Aktien.

Bei diesen sogenannten «Core holdings» steht für uns die Performance an erster Stelle. Auch hier kann Sika trumpfen. Im Swiss Market Index (SMI), welcher die 20 grössten an der Schweizer Börse gehandelten Unternehmen verkörpert, sticht Sika über die letzten zwei Dekaden als das erfolgreichste heraus. Seinem beachtlichen Wertzuwachs kann der gesamte Schweizer Aktienmarkt – repräsentiert durch den Swiss Performance Index (SPI) – über den gleichen Zeitraum das Wasser bei weitem nicht reichen.

Regelmässige Gespräche und Inspektionen ein Muss

Bei allen Schweizer Firmen, die wir eng verfolgen, wenden wir diszipliniert die gleichen Prinzipien an. Dazu gehört die sorgfältige Pflege eines regelmässigen Austauschs mit dem jeweiligen Management und, wenn wir einmal investiert sind, auch mit Vertretern des zugehörigen Verwaltungsrats. Das ist für uns zur Einschätzung der Unternehmensqualität ebenso zentral wie das Besichtigen der Produktionsstätten vor Ort.

Bei Sika findet unser Austausch mit dem CEO, CFO oder anderen Vertretern der Konzernleitung stets auf Augenhöhe statt. Zudem durften wir bereits Sikas Werke in der Schweiz, anderen europäischen Ländern, den USA, und Asien in Augenschein nehmen. In dortigen Gesprächen mit Mitarbeitern kam deutlich zum Ausdruck, wie stolz sie sind, für Sika zu arbeiten und wie gut sie nicht nur ihr eigenes Arbeitsgebiet, sondern auch das grosse Ganze kennen und wissen, wo sich ihr Puzzle-Teil darin einfügt. Das ist keineswegs selbstverständlich für ein Unternehmen dieser Grössenordnung mit 34 000 Mitarbeitern, welches über die Jahre nicht nur organisch, sondern auch durch zahlreiche Akquisitionen gewachsen ist.

Innovation bringt Rosen

Die meisten Schweizer Firmen, welche es an die Spitze des Weltmarkts geschafft haben, wuchsen vor allem dank ihrer eindrücklichen Innovationskraft. Bei Sika zum Beispiel wird sie bis heute von der Maxime getragen, stets Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie durch Innovation immer wieder Neues entsteht, nannte uns der CEO von Sika, Thomas Hasler, höchstpersönlich. Er trat sein Amt 2021 an, war aber bereits vor 35 Jahren in das Unternehmen eingestiegen, zunächst als Chemiker. Rund sechs Jahre später trug er als Techniker in der Entwicklung mit engem Kundenbezug zum Erfolg seines ersten Kunden bei, einem seinerseits innovativen und die hohe Ingenieurskunst beherrschenden Autobauer, der für sein Flaggschiff-Modell neue Sika-Klebstoffe ausprobieren liess. Das Ergebnis: Innovationskraft hoch zwei.

Flexibilität verleiht Flügel

Thomas Hasler beschrieb uns, dass er in seiner Firma von Anfang an Vertrauen genoss, viele Ideen einbringen, Dinge in Frage stellen und dadurch einiges bewegen konnte. Davon angespornt durfte er bald mehr Verantwortung übernehmen. Später wechselte er auf die kommerzielle Seite und führte Sikas Automotive-Geschäft in Europa mit Erfolg. 2005 wurde er damit betraut, Sikas unter die Räder der Autoindustrie-Krise geratenen Absatzzahlen in den USA wieder auf Vordermann zu bringen. Innerhalb von vier Jahren gelang ihm der Turnaround durch Zurückstutzen des US-Geschäfts auf halbe Grösse. Zu guter Letzt lief dieses, als die Autoindustrie wieder auf Touren kam, zur Hochform auf. Die bezeichnende Stärke des Unternehmens: sich in der Krise anpassen, um vom Boom danach voll profitieren zu können.

Die kurz umrissene Karriere des CEO zeigt eine weitere Facette von Sika, die wir als vorzügliches Qualitätsmerkmal einer Firma werten, nämlich dass ihr Management die Talente in der Belegschaft erkennt, fördert und pflegt, um sie nicht zu verlieren. Nicht von ungefähr besteht bei Sika die gesamte Konzernleitung aus langjährigen Mitarbeitern, die vormals zum Beispiel schon einen Bereich oder eine Region leiteten. Das nach unserem Ermessen sauber eingespielte Team ist Teil einer vorbildlichen Unternehmenskultur, von der wir mit Fug und Recht behaupten können, dass sie bei Sika durch und durch gelebt wird. Das war so deutlich zu spüren, als wir die Angestellten dort bei ihrer Arbeit erlebten. Keine Firma kann dies ihren Aktionären gegenüber bloss vortäuschen oder den Investoren am Kapitalmarkt-Tag vermitteln.

«Den Status Quo beibehalten genügt uns nicht. Unsere Technik muss einen Kundennutzen bringen. Wir treiben uns selbst nach vorn – eine äusserst starke Kraft.»

Thomas Hasler, CEO von Sika

Grenzenlos am gleichen Strick ziehen

Weitere Pluspunkte auf unserer Qualitätsskala verdienen global tätige Schweizer Firmen mit Niederlassungen an den unterschiedlichsten Orten der Welt, deren Unternehmenskultur dennoch keine Landesgrenzen kennt. Das Erfolgsgeheimnis des CEO von Sika hierfür ist ein menschenorientiertes Grundverständnis, begleitet von Respekt und Toleranz. Für ihn ist zentral, dass die gesamte Belegschaft die Vision seines Unternehmens gemeinsam verfolgt, nämlich Performance für die Kunden zu erzielen, wobei Innovation Mittel zum Zweck ist. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter spüren, dass sie ernst genommen und befähigt werden und sich weiterentwickeln können. Bei Sika geniesst jedes Land Autonomie, aber die dortigen Mitarbeiter erhalten bei Bedarf Unterstützung, damit sie mit den lokalen Möglichkeiten reüssieren können.

Breiter abgestützt stabiler

Global tätige Schweizer Unternehmen mit Standbeinen in diversen Ländern sind in der Regel gut verankert und damit Herausforderungen, wie etwa den neuen US-Importzöllen, besser gewachsen als kleinere Schweizer Firmen, die einzig im Heimmarkt produzieren. Eine breitere Abstützung ist auch nützlich, um dem Wandel die Stirn zu bieten, den die bisherige Weltordnung gerade vollzieht. Die sich abzeichnende Bildung neuer Wirtschaftsblöcke bedeutet, wie vormals bei der Globalisierung, neue Handelsmöglichkeiten, welche jene Firmen, die dort bereits Pflöcke eingeschlagen haben, wohl einfacher nutzen können. Sika ist zum Beispiel ist seit geraumer Zeit eng mit China und Japan vernetzt und macht die dortige Entwicklung im Handel auf Schritt und Tritt mit.

«Für uns bedeutet wahre Firmenqualität Innovationskraft, Weltmarktführerschaft, Flexibilität und Unternehmenskultur in Kombination.»

Marc Hänni, Head of Swiss Equities, Vontobel

Schon in der Vergangenheit bewiesen viele Schweizer Qualitätsunternehmen, die innovativ und agil genug waren, dass sie geopolitische und wirtschaftliche Schwierigkeiten meistern können. Jene von ihnen, die zudem ihr Standort-Netz breit genug auszuwerfen wissen, haben in unseren Augen gute Chancen, auch im künftigen Wettbewerb ganz weit vorn mitzumischen.

 

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