Quartalsausblick Rohstoffe – Wird die Renditestreuung anhalten?
Multi Asset Boutique
Einführung
Die Aussichten für risikoreiche Anlagen, darunter auch Rohstoffe, bleiben für 2026 positiv. Das globale BIP dürfte dank robustem Konsum, soliden Unternehmensinvestitionen und einer entgegenkommenden Fiskal- und Geldpolitik über dem Trend wachsen. Ein schwächerer US-Dollar dürfte ein weiteres günstiges Umfeld für Rohstoffe schaffen. Die Faktoren, die das überdurchschnittliche Wachstum der USA im Jahr 2025 beflügeln, dürften auch 2026 bestehen bleiben: ein starker Konsum, gestützt durch gesunde Haushaltsbilanzen und steigenden Wohlstand, sowie robuste Unternehmensinvestitionen, insbesondere KI-getriebene Investitionen. Der Arbeitsmarkt bleibt ein wichtiger Schwerpunkt. Während einige Analysten mit einer Abschwächung rechnen, hat er sich bislang als widerstandsfähig erwiesen und weist nur wenige Schwachstellen auf. Sollte sich der Arbeitsmarkt verschlechtern, scheint die Fed bereit zu sein, die Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu unterstützen, da die jüngste FOMC-Sitzung die Bereitschaft signalisiert hat, eine höhere Inflation zu tolerieren, um die Beschäftigungzahlen zu stützen. Die US-Politik könnte sich zunehmend auf die Zwischenwahlen konzentrieren, wobei mögliche Massnahmen Initiativen zur Verbesserung der Erschwinglichkeit, steuerpolitische Anreize und möglicherweise zusätzliche geopolitische Interventionen umfassen könnten. Im Euroraum dürfte das Wachstum 2026 an Dynamik gewinnen, unterstützt durch höhere Verteidigungsausgaben, eine expansive Geldpolitik und lockerere steuerpolitische Bedingungen. China betreibt weiterhin eine „Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten” (starke Auslandsnachfrage vs. schwache Binnennachfrage). Dank starker Exporte konnte Peking trotz Handelsspannungen sein Wachstumsziel von 5 Prozent erreichen, während der Binnenkonsum hinterherhinkt. Wenn sich die Exportdynamik 2026 fortsetzt, dürften die fiskalischen Impulse moderat bleiben. Eine Abschwächung der Exporte würde jedoch wahrscheinlich gezielte Impulse, insbesondere im Wohnungsbau, nach sich ziehen, um sicherzustellen, dass die Binnennachfrage zur Erreichung der Wachstumsziele beiträgt. Dieses globale Umfeld dürfte für Rohstoffe insgesamt vorteilhaft sein.
Rohstoffe erzielten 2025 starke Renditen: Der Bloomberg Commodity Total Return Index stieg um 15,8 Prozent. Mit Blick auf das Jahr 2026 bleiben Rohstoffe ein wichtiger Faktor für Multi-Asset-Portfolios. Angesichts der akkommodierenden Geld- und Fiskalpolitik werden Rohstoffallokationen für die Diversifizierung und Inflationsabsicherung immer wertvoller. Sollten sich die Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed oder erneute Handelsspannungen bewahrheiten, könnten Rohstoffe auch eine einzigartige Absicherung für traditionelle Portfolios bieten. Geopolitische Risiken dürften bestehen bleiben, und Rohstoffe dienen weiterhin als eine der wirksamsten Absicherungen gegen solche Unsicherheiten. Die jüngste Vergangenheit unterstreicht dies: Im Jahr 2022, als das geopolitische Risiko hoch war, waren Rohstoffe die einzige Hauptanlageklasse, die positive Renditen erzielte. Das breite Rohstoffuniversum bietet zudem eine integrierte Diversifizierung (wie im Jahr 2025 zu sehen ist). Selbst wenn ein Sektor eine unterdurchschnittliche Performance erzielt (Rohöl), können andere Sektoren die Verluste ausgleichen (Industriemetalle, Edelmetalle) und so für Stabilität in einem Multi-Asset-Portfolio sorgen.
Edelmetalle
In unserem letzten Quartalsausblick haben wir uns ausführlich mit den Gründen für unsere Übergewichtung in Edelmetallen befasst. Und das zu Recht: Edelmetalle hatten ein beispielloses Jahr hinter sich, in dem sie einen Rekord nach dem anderen brachen. Allein die Anzahl der neuen Allzeithochs der einzelnen Spotpreise – Gold #60, Silber #66, Platin #47 und Palladium #35 – vermittelt einen Eindruck davon, wie stark die Preise gestiegen sind. Was können wir für die Zukunft erwarten? Der jüngste Anstieg war zwar bemerkenswert, aber wir glauben, dass die Aufwärtsrisiken für Edelmetalle im nächsten Quartal grösser sind als die Abwärtsrisiken. Dementsprechend sind wir überzeugt, dass wir übergewichtet bleiben sollten, wobei es je nach Risikobereitschaft Nuancen zwischen den einzelnen Metallen gibt.
Wir bleiben weiterhin optimistisch für Gold und behalten unsere Übergewichtung bei. Die Stärke von Gold wird zunehmend eher durch seine makroökonomische Rolle als durch die Knappheit auf dem physischen Markt bestimmt. In einer Welt, die von anhaltender politischer Unsicherheit geprägt ist, profitiert Gold weiterhin von der starken Nachfrage der Zentralbanken, erhöhten geopolitischen Risiken und seinem Status als bevorzugter sicherer Hafen. Die Zentralbanken kaufen in überdurchschnittlichem Tempo, unterstützt durch die anhaltende fiskalische Expansion und das Fehlen glaubwürdiger Alternativen zum US-Dollar als Reservewährung.
Das allgemeine makroökonomische Umfeld bleibt günstig. Gold bietet eine wirksame Absicherung, wenn sich das globale Wachstum verlangsamt und der US-Arbeitsmarkt schwächelt (ein Szenario, das wahrscheinlich weitere Zinssenkungen der Fed im Jahr 2026 nach sich ziehen würde). Kurzfristige politische Ereignisse, darunter die Rechtsunsicherheit im Zusammenhang mit den US-Zöllen und die anhaltenden Handelsspannungen, könnten zu Volatilität führen, letztlich aber die Unsicherheit in Bezug auf die Wirtschaftspolitik und die steuerpolitische Nachhaltigkeit verstärken, was beides für Gold konstruktiv ist. Nach einem aussergewöhnlichen Jahr 2025 sind Konsolidierungsphasen wahrscheinlich, aber die strategischen Investitionsargumente bleiben bestehen. Die strukturelle Nachfrage bietet eine dauerhafte Basis: anhaltende Käufe durch die Zentralbanken, die Wiederbelebung der ETF-Zuflüsse, die Wiederaufnahme des Lockerungszyklus der Fed und der potenzielle Eintritt neuer langfristiger Käufer (wie zum Beispiel chinesische Versicherungsgesellschaften und indische Pensionskassen). In einem Umfeld wiederkehrender Schocks und politischer Unsicherheit bleibt Gold eine Kernallokation, und wir sehen weiterhin attraktives Aufwärtspotenzial auf mittlere Sicht.
Die Aussichten für Silber lassen sich am besten als vorsichtig optimistisch, aber sehr volatil beschreiben. Das Metall hat bereits eine aussergewöhnliche Rallye hingelegt und ist 2025 um rund 138 Prozent gestiegen. Wir sind vorsichtig, wenn es darum geht, Preise auf diesem Niveau zu verfolgen. Im Gegensatz zu Gold fehlt es dieser Entwicklung an einer starken fundamentalen Grundlage und sie wurde weitgehend durch spekulative Positionierungen angetrieben. Da sich der anfängliche „Knappheitshandel” abkühlt, könnten eine potenzielle Nachfrageschwäche und ein Anstieg des Recyclings zu starken Rückgängen führen. Aus diesem Grund haben wir uns in unserer Strategie neutral gegenüber Silber positioniert.
Ein wichtiger Treiber der jüngsten Preisentwicklung waren vorgezogene Zölle und Marktverwerfungen. Spekulationen über US-Importzölle führten dazu, dass grosse Mengen Silber in COMEX-Tresoren vorpositioniert wurden, wodurch die Lagerbestände in London, dem preisbestimmenden Markt, ungewöhnlich gering waren. Dies hat zu einer vorübergehenden physischen Verknappung geführt, die sich in erhöhten Leasingraten niederschlägt. Das heisst, Händler zahlen für das Ausleihen von Metall. Das Ergebnis ist eine instabile Situation: Hohe COMEX-Lagerbestände koexistieren mit einer Knappheit in London, was die Preisbewegungen in beide Richtungen verstärkt. Wenn Klarheit über die Zollpolitik herrscht und Silber aus den USA zurückfliesst, könnte sich die Liquidität in London schnell normalisieren, was den Weg für eine starke Korrektur ebnen würde. Andernfalls dürften die Knappheit und die Volatilität anhalten.
Bei Platin und Palladium bleiben wir weiterhin in einer abwartenden Haltung. Die bevorstehende Untersuchung gemäss Section 232 des US-Zollgesetzes1 ist ein wichtiger Treiber für die Preisentwicklung, über deren Ergebnis wir keine Erkenntnisse haben. Beide Metalle haben in diesem Jahr aufgrund des allgemeinen Aufschwungs bei Edelmetallen, der Handelsspannungen und der Angebotsengpässe zugelegt, aber ein Grossteil der Gewinne spiegelt eher die Angst vor Zöllen und Spekulationen wider als die Fundamentaldaten. Daher ist ein weiterer Aufwärtstrend fragil. Auslöser für die jüngste Rally war die Einführung von Palladium- und Platin-Futures an der Shanghai Exchange. Innerhalb weniger Wochen stieg ihr Open Interest auf ein Viertel des Open Interest der CME. Es ist davon auszugehen, dass die hohe Volatilität beider Metalle anhalten wird. Auslöser für eine stärkere Korrektur könnte das Ergebnis der Section 232-Untersuchung sein.
Industriemetalle
Kupfer stand in letzter Zeit im Rampenlicht und stieg von 10.700 USD pro Tonne Mitte November auf einen Rekordwert von 13.000 USD Anfang Januar, was einem Anstieg von 20 Prozent in nur sechs Wochen entspricht. Wir haben in unserer Strategie Gewinne mitgenommen, da wir glauben, dass die Preise von hier aus wahrscheinlich zu kämpfen haben werden. Hier sind die Gründe dafür:
- Drohender Nachfragerückgang: Bei Rohstoffpreisen dreht sich alles um Angebot und Nachfrage. Angesichts der Rekordhochs ist bei Kupfer bereits ein Nachfragerückgang zu beobachten. Dies zeigt sich besonders deutlich in China, dem weltweit grössten Kupferverbraucher, wo das Nachfragewachstum in den letzten Monaten stark zurückgegangen ist.
- Überschüssige Importe aus den USA: Der jüngste Anstieg wurde durch die Aufnahme von überschüssigem Kupfer durch die USA aufgrund von Zollbedenken gestützt. Dieses Material wird jedoch nicht verwendet, sondern gehortet. Da die COMEX/LME-Arbitrage nun verschwunden ist, könnte dieser Überschuss an Importen bald ein Ende finden. Wir glauben, dass es in diesem Jahr sogar zu einer Entscheidung gegen Kupferzölle kommen könnte, da die Trump-Regierung ihren Fokus für 2026 auf die Erschwinglichkeit legt. Dies würde eine starke Korrektur der Kupferpreise auslösen.
- Fundamentaldaten: Sobald die übermässige Absorption von Kupfer durch die USA nachlässt, wird sich die Aufmerksamkeit wieder auf die Fundamentaldaten richten: die schwache Nachfrage aus China und die weltweiten Lagerbestände, die den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht haben (siehe Abbildung 1 für eine Aufschlüsselung der Gesamtlagerbestände nach Börsen).
- Chinas Exporte: China, historisch gesehen ein Nettoimporteur, exportiert aufgrund der schwachen Binnennachfrage nun Kupfer. Dies dürfte zu einer Auffüllung der LME-Lagerbestände führen und damit an den abrupten Stillstand der Kupferrallye im ersten Halbjahr 2024 anknüpfen, als China in grossem Umfang exportierte.
- Marktpositionierung: Die Positionierung für Kupfer-Futures ist derzeit extrem «long». Jeder Preisrückgang könnte zu weitreichenden Gewinnmitnahmen führen und eine Korrektur verstärken.
Wo könnten wir uns irren und was könnte die Kupferpreise von hier aus noch weiter in die Höhe treiben?
- Fortgesetzte US-Importe: Wenn sich die Arbitrage zwischen COMEX und LME wieder öffnet und die USA weiterhin überschüssiges Kupfer importieren, könnten die Preise weiter steigen. Dies hängt stark von der Entwicklung der Zölle ab. Der Handelsminister deutete an, dass sie Trump möglicherweise empfehlen werden, ab 2027 Zölle in Höhe von 15 Prozent einzuführen. Wenn die Unsicherheit bezüglich der Zölle länger anhält, könnte dies zu einer fortgesetzten Bevorratung in den USA führen.
- Störungen im Bergbau: Im Jahr 2025 kam es zu mehr Produktionsstörungen als erwartet. Wenn die Minen ihre Produktionsziele nicht erreichen, könnten weitere Versorgungsengpässe den Markt weiter verknappen.
Für Nickel behalten wir eine neutrale Einschätzung bei und gehen davon aus, dass die Preise in einer engen Bandbreite bleiben werden. Auf der negativen Seite belasten das reichliche Angebot und die hohen Lagerbestände den Markt. Indonesien, der weltweit dominierende Lieferant, signalisiert jedoch preisstützende Massnahmen, darunter mögliche Quotenkürzungen im Jahr 2026.
Aluminium ist dem Anstieg des Kupferpreises gefolgt. Wir behalten eine moderate Untergewichtung bei, da die Preise deutlich über der Kostenkurve liegen – eine Situation, die historisch gesehen eher vorübergehend ist.
Bei Zink halten wir weiterhin an einer Untergewichtung fest, da die Nachfrage schwach bleibt und sich das Angebot aus den Minen 2026 voraussichtlich weiter erholen wird.
Energie
Die Ölmärkte steuern 2026 auf eine starke Überversorgung zu, wobei das erste Quartal aufgrund des saisonalen Nachfragerückgangs besonders schwach ausfallen dürfte. Kürzlich sorgten Schlagzeilen über eine US-Militäroperation in Venezuela für Aufsehen und lösten Diskussionen über die Auswirkungen auf die Ölmärkte aus.
Die Ressourcenbasis Venezuelas ist unbestreitbar gross – wie in Abbildung 2 dargestellt. Das Land verfügt über rund 17,5 Prozent der weltweit nachgewiesenen Schwerölreserven, doch seine tatsächliche Produktion sieht ganz anders aus. Die Produktion ist von mehr als 3 Mio. Barrel pro Tag Mitte bis Ende der 1990er Jahre auf heute rund 0,9 Mio. Barrel pro Tag eingebrochen, sodass das Land weniger als 1 Prozent zur weltweiten Versorgung beiträgt. Jahrelange Misswirtschaft, Sanktionen und zu geringe Investitionen haben den Upstream-Sektor ausgehöhlt, die Infrastruktur schwer beschädigt und die Kapazitäten beeinträchtigt. Infolgedessen würde jede nennenswerte Reaktion auf der Angebotsseite erhebliche Kapitalzuführungen und politische Stabilität erfordern. Nach einem anfänglichen Ausverkauf erholten sich die Ölpreise, da Branchenexperten klarstellten, dass Venezuela den Markt nicht schnell überschwemmen kann. Selbst in einem relativ konstruktiven Szenario würde beispielsweise ein kurzfristiger Anstieg von 100–250 kb/d (im Vergleich zum Durchschnittsniveau von 2025) wahrscheinlich auf operative Anpassungen zurückzuführen sein, wie z. B. eine Ausweitung der Aktivitäten von Chevron, eine teilweise Aufhebung der Sanktionen, die Reaktivierung beschädigter Bohrlöcher und die Wiederherstellung der Dünnungsmittelströme. Auf längere Sicht könnte eine Produktionssteigerung von bis zu 0,5 mb/d in den nächsten 1–2 Jahren erreichbar sein, jedoch nur mit Upstream-Investitionen in Höhe von mindestens 10 Mrd. USD und der festen Zusicherung, dass Verträge unter einer stabilen und legitimen Regierung eingehalten werden. Alles, was darüber hinausgeht, erscheint zunehmend schwierig. Venezuela stellt ein potenzielles Aufwärtspotenzial für das Angebot auf einem bereits überversorgten Ölmarkt im Jahr 2026 dar und verstärkt damit die Abwärtsrisiken für die Preise. Das einzige Szenario, das diese Entwicklung umkehren könnte, wäre eine Verschlechterung der politischen Lage: Wenn das Regime überleben würde oder, schlimmer noch, wenn ein Bürgerkrieg ausbräche, würden die Exporte unterbrochen, was zu Preisspitzen führen würde. Derzeit ist Venezuela jedoch eher eine langfristige Versorgungsoption als ein unmittelbarer Marktveränderer.
Iran: Der grosse Erfolg der Militäraktion in Venezuela hat Befürchtungen geweckt, dass diese Dynamik für andere Militäroperationen genutzt werden könnte. Trump hat das iranische Regime bereits gewarnt, dass eine fortgesetzte Unterdrückung der Proteste weitere Interventionen nach sich ziehen könnte. Auch wenn es noch weit entfernt scheint, ist es doch erst im Sommer 2025, dass Israel und die USA einen gemeinsamen Angriff gegen den Iran gestartet haben, eine Operation, die jedoch nicht weit genug ging, um das Überleben des Regimes zu gefährden. Eine direkte militärische Unterstützung der Demonstranten würde jedoch in Teheran wahrscheinlich als existenzielle Bedrohung angesehen werden, was das Risiko schwerer Vergeltungsmassnahmen erhöhen würde (wie beispielsweise die Blockade der Strasse von Hormus, was einen deutlichen Anstieg der Ölpreise zur Folge hätte). Eine erneute Krise im Nahen Osten kann nicht ausgeschlossen werden.
Russland Ukraine: Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine bleibt ein anhaltender Treiber geopolitischer Risiken. Wie bereits im letzten Jahr erwartet, kam es nicht zu einer raschen Friedensvereinbarung. Fast täglich erscheinen neue Schlagzeilen mit neuen Friedensvorschlägen, wobei der jüngste darauf hindeutet, dass Russland Trumps 20-Punkte-Plan abgelehnt hat. Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit auf einen US-Gesetzentwurf, der Zölle von mindestens 500 Prozent für Länder vorsieht, die russische Erdölprodukte importieren. Die Abstimmung darüber wird für die zweite Januarwoche erwartet. Die Massnahme wird weithin als Mittel angesehen, um Druck auf grosse Abnehmer wie Indien und China auszuüben. Letztendlich liegt die Entscheidung über den Gesetzentwurf jedoch bei Präsident Trump. Wie uns die Geschichte gelehrt hat, können geopolitische Risiken nur dann einen langfristigen Einfluss auf die Ölpreise haben, wenn sie zu tatsächlichen Produktionsausfällen führen. Bislang ist dies jedoch nicht der Fall. Es besteht jedoch eine gewisse Gefahr: Angesichts der weit verbreiteten pessimistischen Stimmung in Bezug auf Öl können Nachrichten über geopolitische Ereignisse leicht zu Short-Covering-Rallyes am Terminmarkt führen. In der ersten Woche des Jahres haben wir bereits einige davon gesehen.
Wir halten weiterhin eine untergewichtete Position in Rohöl Fonds in unserer Strategie, zusätzlich zu einem erheblichen Bear Spread auf der Öl-Terminkurve. Angesichts der Beschränkungen für den Öltransport wird sich dieser Überschuss auf dem Wasser schliesslich in den wichtigsten Preisbildungszentren bemerkbar machen und einen steileren Contango über die gesamte Kurve hinweg erfordern.
Die Henry-Hub-Erdgaspreise stehen seit Anfang Dezember unter starkem Druck, was vor allem auf die Wettervorhersagen in den USA zurückzuführen ist. Die derzeit niedrigen Temperaturen über dem Nordpol deuten auf einen milderen Winter in der nördlichen Hemisphäre hin, wodurch die Nachfrage schwach bleibt. Nach einem kurzen Preisanstieg Ende November/Anfang Dezember haben die Produzenten das Angebot erhöht, um von den höheren Preisen zu profitieren, wodurch der Markt in einem Winter, der erneut wärmer als im 10-Jahres-Durchschnitt ist, mit einem Überangebot konfrontiert ist.
Der Winter ist jedoch noch nicht vorbei. Eine Prognose, die auf kälteres Wetter Ende Januar oder Februar hindeutet, könnte einen Preisanstieg auslösen. Derzeit dürfte der Markt jedoch angesichts voller Lagerbestände und der schnellen Reaktion der Produzenten auf Preisbewegungen eine gute Verkaufschance bieten. Wir verzichten vorerst auf direktionale Trades, halten aber stattdessen eine umfangreiche Bear-Spread-Position auf der Terminkurve.
Landwirtschaft
Die Getreidepreise fielen das dritte Jahr in Folge, während die Renditestreuung bei den Agrarrohstoffen anhielt. Die Kaffeepreise erholten sich aufgrund von Versorgungsengpässen, während sich die Kakaopreise bis 2025 halbierten. Der Viehsektor legte unterdessen dank straffer Marktfundamentaldaten erneut zu.
Mit Blick auf die Zukunft gehen wir davon aus, dass die Preise für Getreide und Ölsaaten zumindest in der ersten Hälfte des Kalenderjahres unter Druck bleiben werden. Zu den wichtigsten Tail-Risiken zählen die anhaltenden Zollverhandlungen und unerwartete Wetterereignisse, insbesondere in Südamerika. Die US-Maisexporte liegen über dem Vorjahresniveau, und wir gehen davon aus, dass Mexiko weiterhin ein starker Abnehmer von US-Mais bleiben wird. Die Aufmerksamkeit wird sich jedoch zunehmend auf die zweite Maisernte der südlichen Hemisphäre verlagern, die bei günstigen Wetterbedingungen voraussichtlich historisch hoch ausfallen wird. Diese gegensätzlichen Kräfte dürften die Maispreise weitgehend stabil halten. Bei Sojabohnen bleiben wir vorsichtig. Es scheint, dass China, wie angekündigt, fast 12 Millionen Tonnen US-Sojabohnen gekauft hat. Allerdings hat sich das Land noch nicht zu den vom Weissen Haus angekündigten 25 Millionen Tonnen pro Jahr für die kommenden Jahre verpflichtet. Brasilien hat seine Sojabohnenproduktion in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Erste Anzeichen deuten auf eine Rekordernte hin, die Mitte Januar beginnt. Ein weiteres Jahr mit Rekorderträgen bei brasilianischen Sojabohnen dürfte Druck auf die Sojabohnenpreise ausüben. Wir bleiben weiterhin pessimistisch für Sojabohnen. Sollten wir jedoch feststellen, dass China seine Goodwill-Käufe aus den USA auf Kosten Brasiliens erhöht, würden wir erwägen, die Untergewichtung von Sojabohnen auf neutral anzupassen. Längerfristig könnte der anhaltende wirtschaftliche Druck auf brasilianische Landwirte zu einem Problem werden, das wir genau beobachten. Eine bevorstehende Leitlinie zur Verwendung von Sojaöl in erneuerbarem Diesel in den USA könnte ein bullischer Katalysator für die Sojaölpreise sein und (teilweise) das Überangebot an Sojabohnen im Inland lösen, während dies auf Kosten niedrigerer Sojaschrotpreise gehen könnte. Wir halten an unserer strukturellen Übergewichtung von Sojaöl fest, während wir Sojaschrot untergewichtet halten. Da die Welt über mehr als ausreichende Weizenvorräte verfügt, erwarten wir von hier aus einen weiteren Rückgang, solange die Exporte aus der Schwarzmeerregion durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der im Februar bereits vier Jahre andauert, nicht gestört werden.
Bei den Soft Commodities bleibt die Aufhebung des zusätzlichen 40-prozentigen Zolls auf brasilianischen Kaffee im November neben den sich verbessernden Wetterbedingungen in Brasilien und Vietnam der Hauptgrund für unsere Erwartung sinkender Kaffeepreise. Wir gehen davon aus, dass die brasilianischen Kaffeeexporte weiter steigen werden und die Börsenbestände im ersten Quartal 2026 wahrscheinlich weiter zunehmen werden. Siehe Abbildung 3, in der die Trendumkehr nach der Aufhebung der Zölle dargestellt ist.
Die Kakaopreise haben sich innerhalb eines Jahres halbiert und sind von rund 12.000 USD Ende 2024 auf unter 6.000 USD Ende 2025 gefallen. Die Versorgungslage in Westafrika dürfte sich gegenüber dem angespannten Markt im Jahr 2024 entspannt haben. Wir gehen daher davon aus, dass die Kakaopreise in einer engen Bandbreite bleiben werden, sofern keine Wetterrisiken eintreten und die Nachfrage weiterhin schwach bleibt.
Wir sehen weiterhin Wertpotenzial im Viehsektor, insbesondere bei Rindern, da die fundamentalen Faktoren weiterhin günstig sind. Der US-Rinderbestand ist auf dem niedrigsten Stand seit Jahren, und wir gehen nicht davon aus, dass die Grenze zu Mexiko in naher Zukunft wieder geöffnet wird, insbesondere angesichts der jüngsten Entdeckung von Schraubenwürmern nur 200 Meilen jenseits der Grenze. Die US-Regierung hat sich zwar kürzlich auf die Senkung der Rindfleischpreise konzentriert, aber der Wiederaufbau des Bestands wird Zeit brauchen.
Fazit
In der ersten Januarwoche 2026 ist der Bloomberg Commodity Index bereits um 4 Prozent gestiegen und setzt damit die hervorragende Performance des Jahres 2025 fort. Wir glauben, dass 2026 aufgrund des schwächeren US-Dollars, der geopolitischen Risiken sowie der geld- und fiskalpolitischen Stimuli erneut ein positives Jahr für Rohstoffe werden wird.
Mit unserer Strategiedem möchten wir ein Engagement im breiten Rohstoffmarkt bieten und gleichzeitig den Bloomberg Commodity Index übertreffen. Bislang lauten unsere wichtigsten Prognosen für das erste Quartal 2026 zur Erreichung dieses Ziels wie folgt:
- Übergewichtung von Edelmetallen, insbesondere Gold
- Untergewichtung von Rohöl
- Kurzfristig Untergewichtung bei Industriemetallen (trotz positiver längerfristiger Aussichten)
- Neutrale Bewertung von Erdgas
- Divergenz im Agrarsektor: Übergewichtung von Sojaöl bei gleichzeitiger Untergewichtung von Sojabohnen, Sojamehl, Weizen und Kaffee
In Abbildung 4 finden Sie eine Visualisierung unserer aktuellen Präferenzen in den wichtigsten Rohstoffsektoren. Diese Präferenzmatrix wird monatlich aktualisiert und spiegelt unsere aktuellen Untersuchungen und Bewertungen des Risiko-Ertrags-Profils jeder Rohstoffs wider.
1. Die Untersuchung gemäß Abschnitt 232 zu kritischen Mineralien ist eine Überprüfung durch die Regierung, um zu entscheiden, ob Importe ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen und ob Handelsbeschränkungen für diese Rohstoffe verhängt werden sollten.