Investors’ Outlook: Von Punkt zu Punkt
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Kurz und bündig
- Die Weltwirtschaft hat sich gut behauptet, doch wir gehen davon aus, dass das Wachstum von nun an etwas an Schwung verlieren wird, da die Unterstützung durch die Zentralbanken nachlässt und der Spielraum für weitere fiskalische Impulse begrenzt ist. Dennoch erwarten wir nicht, dass die Konjunkturabschwächung in eine Rezession mündet.
- Angesichts des Doppelmandats der US-Notenbank Fed sprechen aus unserer Sicht die nachlassende Inflation und die Abkühlung am Arbeitsmarkt dafür, die Geldpolitik unverändert zu belassen. Die Hürde für Zinserhöhungen liegt unseres Erachtens hoch.
- Das Multi Asset Investment Committee von Vontobel hat Gold von neutral auf übergewichtet hochgestuft und sein Engagement in Staatsanleihen von neutral auf untergewichtet reduziert.
HINWEIS: Portfolioallokationen, Merkmale und Bestände können sich ändern.
Von Punkt zu Punkt
Nach der Sommerpause gilt es in dieser Ausgabe viele Punkte zu verbinden. Sie führen jedoch nicht alle zur gleichen Schlussfolgerung.
Nehmen wir zum Beispiel die Wirtschaft. Dr. Copper1 legt nahe, dass sie boomt – getragen von der Nachfrage nach Rechenzentren, Stromnetzen und KI-Infrastruktur. Der Konsumentenstimmungsindex der University of Michigan hingegen signalisiert seit Jahren das Gegenteil und kündigt immer wieder eine Rezession an, die bislang ausgeblieben ist. Die Konsumausgaben haben sich gut gehalten, und die K-förmige2 Konjunktur hilft zu erklären, warum: Während wohlhabendere Haushalte weiterhin Geld ausgeben,3 geraten Haushalte mit niedrigeren Einkommen deutlich stärker unter Druck.
Einige andere Sorgen der Anleger haben sich vorerst gelegt. Private Credit dürfte unseres Erachtens kaum der Dominostein sein, der das Ganze zum Einsturz bringt. Der Markt bleibt wachsam, während der Sektor einige notleidende Kredite verarbeitet und sich die Nachfrage der Kreditnehmer wieder in Richtung Banken und Kapitalmärkte verlagert. Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus hat etwas zugenommen, was die Sorgen um das Wachstum etwas gemildert hat. Und die immer wiederkehrende Frage, wie lange der Boom bei den KI-Investitionen anhalten kann, wurde bisher durch die Unternehmensgewinne beantwortet. Die Bedenken über eine Zinserhöhung der Fed bei ihrer bevorstehenden Sitzung im September hatten sich angesichts schwächerer Arbeitsmarktdaten und einer tiefer als erwartet ausfallenden Inflation zerstreut. Die restriktiveren Äusserungen von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium rückten eine Zinserhöhung an den Märkten jedoch wieder in den Fokus.
Darüber hinaus sehen wir einige Wolken am Horizont. Die US-Detailhandelsumsätze sind zwei Monate in Folge hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und auch wenn zwei Datenpunkte noch keinen Abschwung bedeuten, sind sie für uns ein weiterer Grund, den Konsum im Auge zu behalten. Ein weiteres Signal, das uns zur Vorsicht mahnt, kommt vom Anleihenmarkt. Die langfristigen Renditen sind auf Mehrjahreshochs gestiegen, und US-Finanzminister Scott Bessent versucht, dem entgegenzuwirken, indem er das Volumen der geplanten Rückkäufe länger laufender Anleihen verdoppelt, um den Druck etwas zu mindern. Dennoch verlangen die Anleger angesichts der Sorgen über hohe Defizite und Inflation eine höhere Risikoprämie für das Halten länger laufender Anleihen. Der daraus resultierende Anstieg der Laufzeitprämie4 ist einer der Gründe für das derzeitige Bear Steepening5 der Zinskurve, das historisch gesehen kein besonders positives Zeichen für Aktien ist.
Vorerst halten wir an unserer Übergewichtung in Aktien fest und werden beobachten, inwieweit diese noch zu einer Steigerung der Renditen beitragen können. Wir halten es jedoch für sinnvoll, nach weiteren potenziellen defensiven Anlagen Ausschau zu halten, um die Risiken in den Portfolios auszugleichen. Deshalb haben wir Gold hochgestuft, da das Edelmetall von dem von uns erwarteten schwächeren US-Dollar profitieren dürfte und zudem eine Absicherung gegen geopolitische Risiken bietet.
In diesem Investors’ Outlook werfen wir einen genaueren Blick darauf, wie sich die Fed unter Warsh verändern könnte (er würde wohl gerne auf eine bestimmte Gruppe von Punkten verzichten), erläutern die Entwicklungen an den Anleihenmärkten und teilen unsere Einschätzung zu Gold.
Die einzelnen Punkte fügen sich vielleicht nicht nahtlos zusammen, aber wir werden sie weiterhin miteinander verknüpfen, um unseren Kunden dabei zu helfen, die möglichen nächsten Entwicklungen besser einzuordnen.
1. «Dr. Copper» ist ein Spitzname für Kupfer, da es aufgrund seiner breiten Verwendung in den Bereichen Bau, Fertigung und Infrastruktur als nützlicher Indikator für die Gesundheit der Weltwirtschaft gilt.
2. Eine K-förmige Wirtschaft ist eine Wirtschaft, in der sich verschiedene Gruppen in entgegengesetzte Richtungen entwickeln. Einige prosperieren (aufwärts gerichteter Arm des K), während andere zurückfallen (abwärts gerichteter Arm).
3. Quelle: Artikel von Reuters, veröffentlicht am 23. Juli 2026. https://www.reuters.com/commentary/reuters-open-interest/americas-mass-affluence-is-bigger-than-you-think-2026-07-23/
4. Die Laufzeitprämie ist die zusätzliche Rendite, die Anleger für das Halten einer langfristigen Anleihe gegenüber wiederholten Anlagen in kurzfristige Anleihen verlangen. Sie entschädigt sie für Zins-, Inflations- und andere Unsicherheitsrisiken über die Laufzeit.
5. Ein Bear Steepening tritt ein, wenn die Renditen langfristiger Anleihen schneller steigen als die Renditen kurzfristiger Anleihen und sich dadurch die Zinskurve versteilt. Es wird als «Bear Steepening» bezeichnet, da steigende Renditen fallende Anleihenkurse und somit sinkende Märkte für Anleihen bedeuten.