Investors’ Outlook: Auf Stabilität bedacht
Multi Asset Boutique
Kurz und bündig
- Der Konflikt in Nahost verstärkte die Angst vor einer Ölkrise wie jene der 1970er Jahre. Bleibt er begrenzt, dürfte er den Ölpreis nicht stark tangieren. Weitet er sich aber aus, ist ein heftiger Öl-Schock nicht ausgeschlossen.
- Investoren stossen beim Versuch, den Zustand der US-Wirtschaft einzuschätzen, auf widersprüchliche Signale. Über Erwarten gute Wirtschaftsdaten liessen die Renditen von Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise klettern. Bei stark steigenden Anleihenrenditen geht in der Regel etwas zu Bruch, aber was und wann, ist schwer vorauszusagen.
- Die Weltwirtschaft ist nach einem Jahrzehnt soliden Wachstums anfällig für Inflation und geopolitische Risiken. Dies machten die Zeit während und nach der Pandemie, der Krieg in der Ukraine und der jüngste Konflikt in Nahost deutlich. Eignet sich das Investieren in Qualität für ein solches Umfeld? Unsere Multi Asset Boutique erörtert diese Anlagephilosophie.
Auf Stabilität bedacht
Anfang Oktober zog der jüngste heftige Flächenbrand in Nahost die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich, begleitet von Betroffenheit über immer mehr Todesopfer und Angst vor einer Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Region.
Als Folge suchen die Investoren vermehrt Zuflucht in Anlagen, die als sichere Häfen gelten, wie Gold oder der US-Dollar. Indessen haftet das Augenmerk der Finanzwelt auf dem Ölpreis und der Inflation, die erneut aufflammen könnte. Wir teilen diese Einschätzung und behalten deshalb unsere vorsichtige Portfolio-Positionierung bei. Bevor wir weitere Anlageentscheide fällen, beobachten wir nicht nur die geopolitische Lage intensiv, sondern erwägen auch die negativen Folgen der aktuell erschwerten finanziellen Bedingungen für die Wirtschaft.
Wir müssen das gesamtwirtschaftliche Umfeld miteinbeziehen. Viele Investoren stellten widersprüchliche Signale fest beim Versuch, den Zustand der US-Wirtschaft einzuschätzen. Diese erwies sich bislang als robust und trotzte dem Abschwung. Einige Unternehmen, vor allem solche mit Bezug zum Konsum, übertrafen mit ihren Geschäftsergebnissen die Erwartungen und korrigierten ihre Prognosen nach oben. Demgegenüber häufen sich die Fälle zahlungsunfähiger Unternehmensschuldner und privater Kreditnehmer im Zahlungsverzug. Inzwischen machen die Zinserhöhungen dem Immobilienmarkt zu schaffen, doch dem Arbeitsmarkt und den Konsumenten scheinen sie nach wie vor nichts anzuhaben. Solange publizierte Daten zur US-Wirtschaft deren anhaltende Stärke untermauern, wird das Thema Leitzins-Senkungen verdrängt. Somit dürften die Renditen von Staatsanleihen auf ihrem hohen Niveau verharren.
Ob der unterschiedlichen Signale sind die Anleger hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Angst. Die Optimisten erwarten eine kurze, schwache Rezession, welche bei günstigen Kursen interessanten Anlagemöglichkeiten eröffnen könnte. Die Pessimisten wähnen sich im Auge des Wirbelsturms und befürchten, dass alles nur noch schlimmer wird. Wir halten an unserem Szenario einer bevorstehenden Rezession fest und finden es in jedem Fall zu früh, in unserem Portfolio etwas zu ändern.
Das laufende Jahr war erneut bitter für den Anleihenmarkt. Doch bevor es zu Ende geht, stellt sich jetzt die Frage, ob die Renditen ihren Höchststand erreicht haben. Die milliardenschweren Investoren Bill Ackman und Bill Gross zumindest verwarfen jüngst – sich auf die Konjunkturverlangsamung bzw. die erwartete Rezession berufend – ihre negative Sicht auf Anleihen.
Im vorliegenden «Investors’ Outlook» nehmen wir Stellung zum Nahost-Konflikt und dessen Bedeutung für Anleger, zeigen Ihnen unsere in Qualität verwurzelte Anlagephilosophie auf und teilen unsere Einschätzung für Gold mit Ihnen.
Wir bleiben umsichtig, jederzeit bereit, unser Portfolio den Märkten anzupassen, die gegenwärtig sehr dynamisch sind angesichts der konjunkturellen und geopolitischen Unsicherheit.