Investors’ Outlook: Mit angehaltenem Atem
Multi Asset Boutique
Kurz und bündig
- Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich auf den Krieg im Iran. Wir gehen derzeit davon aus, dass eine ausreichende Deeskalation gelingt und die Strasse von Hormus wieder geöffnet werden kann, selbst wenn der Konflikt nicht gelöst wird. Wir halten daher an unserem positiven makroökonomischen Ausblick fest.
- Der Konflikt erschwert zudem die Lage für die Zentralbanken. Viele waren dabei, die Geldpolitik zu lockern beziehungsweise hatten Zinssenkungen pausiert. Doch die steigenden Energiepreise verkomplizieren nun den weiteren Kurs, und die Anleger rechnen zunehmend damit, dass Zinssenkungen verschoben werden.
- Das Investment Committee der Multi Asset Boutique hat nach der Auflösung seiner Übergewichtung in Rohstoffen Anfang März davon abgesehen, weitere Änderungen an der Asset Allocation vorzunehmen.
HINWEIS: Portfoliogewichtungen, -merkmale und -bestände können sich ändern.
Mit angehaltenem Atem
Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich auf den Krieg im Iran. Einige der unmittelbaren Fragen lauten, wie weit er eskalieren könnte, was er für die Energieversorgung und die Inflation bedeutet und ob die Strasse von Hormus längerfristig stark eingeschränkt bleibt.
Sollte die Meerenge wieder geöffnet werden, könnte weiterhin Aussicht auf ein solides Wachstum der Weltwirtschaft und der Unternehmensgewinne bestehen. Andernfalls, also wenn die Energiepreise steigen und sich das Wachstum abschwächt, wird das Szenario einer Stagflation1 zu einer realen Möglichkeit. Angesichts der vielen Unbekannten halten die Märkte den Atem an, während die Zentralbanken die Auswirkungen des Krieges auf die Inflation abwägen.
Wir gehen derzeit davon aus, dass eine ausreichende Deeskalation gelingt und die Meerenge wieder geöffnet werden kann, selbst wenn der Konflikt nicht gelöst wird. Wir halten daher an unserem positiven makroökonomischen Ausblick fest. Die aktuelle Lage verdeutlicht jedoch eine Reihe aufkommender Risiken für dieses Basisszenario. Wir beobachten zudem, dass viele Unternehmen ihr geringes direktes Engagement im Nahen Osten betonen. Unserer Ansicht nach greift dies jedoch zu kurz. Die Weltwirtschaft ist eng verflochten und ein klares Beispiel dafür ist der Energiesektor: Öl und Gas. Auch ohne direktes Engagement in der Region besteht eine indirekte Exponierung über die Energiemärkte. Hinzu kommt, dass eine Wirtschaftskrise in der Golfregion das globale Wachstum nicht zwingend beeinträchtigen muss, die Kapitalmärkte jedoch stark treffen könnte. Wir sind der Meinung, dass dieser Sekundäreffekt nicht unterschätzt werden sollte.
Auch Private-Credit-Fonds bergen das Potenzial, zu einem Risiko für die Märkte zu werden. Diese Fonds vergeben häufig Kredite an Software- und Technologieunternehmen (also an Geschäftsmodelle, die potenziell durch KI-Disruption gefährdet sind), und zwar in Form von illiquiden, privat ausgehandelten Darlehen, deren Bewertungen weniger transparent sind als bei börsen- notierten Anleihen. Das erschwert die Beurteilung der tatsächlichen Bonität. Was die Märkte tendenziell aus dem Gleichgewicht bringt, ist ein plötzlicher Liquiditätsabzug, insbesondere in Segmenten, in denen sich eine hohe Verschuldung aufgebaut hat. Innerhalb von Private Credit können Debt-on-Debt2 -Strukturen einen Dominoeffekt auslösen, wenn stark investierte Anleger Verluste erleiden und ihre Vermögenswerte verkaufen müssen. Dies kann zum initialen Druckpunkt für die breiteren Märkte werden, und es ist nicht ganz klar, ob wir nicht bereits erste Anzeichen dieser Dynamik gesehen haben.
Unserer Ansicht nach wird dies nur dann zu einem potenziellen Problem, wenn die Strasse von Hormus über einen längeren Zeitraum gesperrt bleibt. Auch dann bleibt sie für chinesische und iranische Schiffe weiterhin befahrbar, während sie aus westlicher Sicht faktisch geschlossen ist. Wir informieren die Kunden der Multi Asset Boutique bei Bedarf gesondert mit detaillierten Updates zur Lage im Nahen Osten.
In diesem Investors’ Outlook werfen wir einen näheren Blick auf die japanische Wirtschaft und ihre Aussichten unter Premierministerin Sanae Takaichi, ziehen eine Verbindung zwischen dem Krieg im Iran und den Lebensmittelpreisen und erläutern, womit die Zentralbanken derzeit ringen.
1. Bezeichnet eine Phase mit geringem oder fehlendem Wachstum, hoher Inflation und häufig steigender Arbeitslosigkeit.
2. Bezieht sich auf die Aufnahme neuer Kredite, um bestehende Schulden zu bedienen oder zu refinanzieren.