Klumpenrisiken umschiffen
Asset management
Kurz und bündig
- Für Anleger in Schweizer Aktien ist entscheidend, das Engagement in Schweizer Qualität zu wahren und zugleich das Konzentrationsrisiko zu reduzieren sowie die Diversifikation zu verstärken.
- Mögliche Ansätze hierfür sind etwa Factor Investing oder Income Investing.
Schweizer Aktien gelten häufig als sicherer Hafen, bringen jedoch eigene Herausforderungen mit sich. Rund ein Drittel der Marktkapitalisierung des Swiss Performance Index (SPI) entfällt auf nur drei Titel: Nestlé, Novartis und Roche. Zudem ist der Markt insgesamt stark auf defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen ausgerichtet. Diese defensive Prägung bietet in schwierigen Zeiten zwar Stabilität, kann sich in länger anhaltenden Aufwärtsphasen jedoch als Nachteil erweisen. Für Anleger ist es entscheidend, das Engagement in Schweizer Qualitätswerten zu bewahren und zugleich das Konzentrationsrisiko zu reduzieren sowie die Diversifikation zu stärken. Doch wie lässt sich das umsetzen?
Factor Investing
Eine Möglichkeit bietet eine Multi-Faktor-Strategie. Anstatt Unternehmen lediglich nach ihrer Grösse zu gewichten, erfolgt die Allokation anhand von Merkmalen wie Momentum, Quality, Value oder Minimum Volatility. In einem Momentum-Portfolio erhalten beispielsweise Unternehmen mit einer stärkeren jüngsten Performance ein höheres Gewicht, während in einem Minimum-Volatility-Portfolio Titel mit stabilerem Kursverlauf stärker berücksichtigt werden. Im Unterschied zu statischen Benchmarks kann ein dynamischer Multi-Faktor-Ansatz auf veränderte Marktbedingungen reagieren. Damit erweist er sich langfristig oft als wirkungsvoller – mit drei zentralen Renditetreibern: breitere Diversifikation durch die Verringerung der Dominanz von Mega-Caps, zusätzliches Performancepotenzial durch Faktorprämien und die Flexibilität einer dynamischen Allokation.
Income Investing
Einen anderen, aber ergänzenden Ansatz verfolgt die Strategie Swiss Sustainable Equity Income Plus (SSEIP). Das Portfolio kombiniert eine aktive Titelauswahl mit einem Covered-Call-Overlay und zielt damit auf eine überdurchschnittliche, teilweise steuerlich effiziente Ausschüttungsrendite von rund 7 Prozent ab. Das Prinzip ist einfach: Das Portfolio besteht zu 100 Prozent aus Schweizer Aktien, während auf ausgewählte Positionen Call-Optionen verkauft werden, um einen stetigen zusätzlichen Ertragsstrom zu generieren. Durch den Verzicht auf einen Teil des Aufwärtspotenzials erhalten Anleger regelmässige Cashflows und einen teilweisen Puffer in schwächeren Marktphasen. Das SSEIP-Team steuert die Optionspositionen aktiv und passt Ausübungspreise sowie Laufzeiten flexibel an die jeweiligen Marktbedingungen an.
Dieses dynamische Management ist entscheidend, da rein passive Covered-Call-Strategien über einen Konjunkturzyklus hinweg oft hinter der Marktentwicklung zurückbleiben. Seit ihrer Einführung hat die Strategie gezeigt, dass sie während Marktkorrekturen ihre Benchmark, den SPI, übertreffen kann, da die Optionsprämien Verluste abfedern. In Seitwärts- oder moderat steigenden Märkten kann sie zudem überdurchschnittliche risikobereinigte Renditen erzielen. In ausgeprägten Aufschwüngen bleibt sie jedoch tendenziell zurück, da ein Teil des Aufwärtspotenzials zugunsten von Erträgen abgegeben wird. Dennoch stellt SSEIP eine attraktive Alternative für Anleger dar, die regelmässige Ausschüttungen und steuerlich effiziente Erträge höher gewichten als eine vollständige Partizipation an jedem Aktienaufschwung.
Heimmarkt: Stärken nutzen, Schwächen abfedern
Sowohl der Multi-Faktor- als auch der ertragsorientierte Ansatz zeigen, wie Schweizer Aktien smarter und dynamischer gesteuert werden können. Factor Investing erweitert die Diversifikation und erschliesst langfristige Risikoprämien, während SSEIP durch den Einsatz von Optionen Ertragsstabilität und Risikomanagement bietet. Gemeinsam eröffnen sie Wege, die traditionelle Konzentration des Schweizer Aktienmarkts zu überwinden, und ermöglichen es Anlegern, von seinen Stärken zu profitieren und zugleich die mit seinen Schwächen verbundenen Risiken zu begrenzen.